Review
von Leimbacher-Mario
Solide Spoof-Spielerei
Leslie Nieslen ist der unangefochtene Kalauer-König - und das wohl auf ewig. Unschlagbare Dinger wie alles was mit der „nackten Kanone“ zu tun hat, auch „Airplane!“ oder gar die späteren „Scary Movies“ - diese grauhaarige Legende ist einfach unschlagbar und scheinbar unabdingbar, wenn es um filmische Verarschen und Spoofs geht. Straight, ernst, mit unfassbarem Timing und Gespür, hat er sich ein massives Denkmal gebaut. Spätestens als er ging, waren auch gute Parodien tot - und sind seitdem auch nicht reanimiert worden. Mitte, Ende der 90er war Nielsen vielleicht auf oder kurz hinter seinem Zenit bzw. dem Höhepunkt seiner Popularität - und dann entsteht auch schonmal ein „nur“ brauchbarer Titel wie „Wrongfully Accused“, bei dem er quasi sich selbst (bzw. seine Paraderolle) spielt, was der Film (und vor allem der deutsche Titel) auch weiß...
„Wrongfully Accused“ hangelt sich grob an der Handlung des Harrison Ford-Hits „The Fugitive“ entlang, nimmt aber auch immer wieder (meist banane und sinnlose) Umwege zu anderen Blockbustern und angesagten Titeln dieser Zeit, von „Baywatch“ über „Anaconda“ (!) bis „Titanic“ - ein Star-Violinist wird (natürlich unschuldig) eines Mordes angeklagt, flüchtet durch das Land und versucht die Wahrheit zu beweisen... Viele Gags könnten kaum mehr 90er sein und funktionierten richtig auch nur damals, eine Dinge wirken ohne Frage wiedergekäut, überhastet und schlicht bescheuert ohne lustig zu sein. Und dennoch steht „Wrongfully Accused“ noch immer meilenweit entfernt und über neueren Parodien, für die man sich eigentlich nur noch fremdschämen kann. „Wrongfully Accused“ weiß genau, wie blöd er sein kann, die Quantität an Jokes ist schier unantastbar, wodurch es klar ist, dass auch einige Schüsse im Schwarzen landen. Ich sage nur Mentos oder das Auftaktkonzert. „Wrongfully Accused“ ist wie ein Trommelfeuer aus der Mündung eines Maschinengewehrs in der Hand eines blinden Mannes mit epileptischem Anfall - es werden Leute draufgehen bzw. sehr laut lachen. Aber auch einige Patronen in der Wand hängen.
Fazit: es gibt deutlich bessere Parodien, gerade mit Nielsen. Aber es gibt auch viel schlechtere - s. so'n Dreck wie „Die Pute von Panem“ und Co. aus jüngeren Jahren. Über „Wrongfully Accused“ kann man gut lachen, es gibt viele kleine Gags, Zoten, Ideen und etwas Filmnerdtrivia durch zündende Zitate und lebsche Easter Eggs. Aber bei mir waren es eher stetig Schmunzler statt echte Schenkelklopfer. Und es ist eben alles nur Oberfläche und ein gutes Stück aufgewärmt obendrauf.