Review
von Leimbacher-Mario
Die meisten Filme in der 9. Klasse für den Kunstunterricht sind besser
„Ben & Arthur“ gilt in gewissen Kreisen als Kultfilm und war ein absolutes Passionsprojekt des hier als Ein-Mann-Armee auftretenden Sam Mraovich (zuvor und eigentlich glaube ich im Immobiliengeschäft tätig). Erzählt wird eine Geschichte von schwuler Liebe und dem Hass ihr gegenüber, einer Gewaltspirale zwischen Waffen, Homosexualität und einigen Momenten, in denen man nicht weniger als dem höchstwahrscheinlich schlechtesten Schauspiel beiwohnt, das je auf Film (bzw. hier Video) gebannt wurde. Sehr persönliche und intime Themen eigentlich. Und es fordert mir immer Respekt ab, wenn jemand seinen Traum vom Filmemachen in die Tat umsetzt und ins kalte Wasser springt. Selbst wenn null Talent da sein sollte. Immerhin sind Leute wie Mraovich weiter als die meisten von uns. Und dennoch kann ich nicht anders: „Ben & Arthur“ ist mit das Schlechteste, das sich je Film geschimpft hat. Ein tiefgreifendes Desaster auf allen Ebenen, vom bizarren Soundschnitt bis zu den immergleichen vier Wänden als „Set“.
Man darf nicht vergessen, dass „Ben & Arthur“ vor zwanzig Jahren gemacht wurde, als es noch keine hochauflösenden Handys für jedermann und jeden Hobbyregisseur gab. Man muss bedenken, dass Herr Mraovich seine sicher sehr persönlichen und emotionalen Erfahrungen hat einfließen lassen. Man muss immer überlegen, in wieweit man kritisieren und verreißen will, wenn man selbst noch nie auch nur ansatzweise einen Langfilm auf die Beine gestellt hat. Man sieht und muss anerkennen, dass dieser „Film“ nahezu null Geld gekostet haben kann. Es ist nicht zu unterschätzen, dass vor zwei Jahrzehnten schwule Themen und Protagonisten noch lange nicht so verbreitet und akzeptiert waren wie heute. Und trotz alledem: „Ben & Arthur“ ist einfach schmerzhaft schlecht, unendlich billig, endlos dilettantisch, schnarchlangweilig. Und dabei für meinen Geschmack vor allem viel zu selten wirklich unfreiwillig komisch oder total drüber. Trash im klassischsten, ernstgemeinten Sinne. In der (sogar auch thematischen) Tradition von „Glen or Glenda“. Nur eben nicht lustig. Die kostenfreien „Score-Häppchen“ aus irgendwelchen Musikprogrammen der späten 90er werden uns um die Ohren gepfeffert. Die Darsteller können eigentlich nur allesamt Freunde und Familie des Regisseurs und Machers gewesen sein. Gleiches gilt für die positiven Reviews im Netz. Profis sucht man hier in jeglichen Bereichen vergebens. Es wirkt eher wie ein Homevideo als ein ausgewachsener Film. Das „Drehbuch“ muss an einem Abend runtergeschrieben worden sein. Ohne Korrekturen und Änderungen, ohne Sinn und Verstand. Geschweige denn Talent oder Geduld. Vielleicht wurde sogar einfach drauf los gefilmt. Und insgesamt verursacht die ganze Chose bei mir fast schon körperliche Gebrechen. Selbst für leidensfähige Filmallesgucker ist das hier hartnäckig eingetrockneter Bodensatz.
Fazit: der tuntige Pfad Gottes - selten gingen ehrliche, naive und leidenschaftliche Ambitionen heftiger nach hinten los. Einer der schlechtesten und amateurhaftesten Filme aller Zeiten. Und für mich leider kein zweiter „The Room“. Im besten Fall noch mutig. Insgesamt aber unterirdisch und heutzutage von jedem Handyfilmchen locker getoppt. Traumatisch daneben. Und doch irgendwie, irgendwo, irgendwann sympathisch. Alles andere als die Tiefstnote ist dennoch nicht drin.