Mit „Bad Boys – Harte Jungs“ legte Michael Bay ein Regiedebüt hin, welches zu meinen Lieblingsfilmen und zu den Referenzen im Bereich Actionfilm zählt.
Schon allein der Beginn ist genial: Die Cops Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) rasen in dem Sportwagen des reichen Mike durch Miami, im Hintergrund das geniale Intro von Mark Mancina. Marcus isst Fast Food und verschüttet es auf die Polster. Mike fährt wütend rechts ran, es entbrennt ein Wortgefecht. Eine Gruppe von Highjackern will die Gelegenheit den Raub von Mikes Auto nutzen, doch die abgebrühten Cops überwältigen sie spielend. Filme, welche die Coolness dermaßen für sich gepachtet haben, gibt es selten. Jeder Spruch der Helden, jede Handlung, jede Geste ist so cool, dass Shaft daneben alt aussieht. Auch das lockere Miami-Flair und die Comedy Atmosphäre stimmen den Zuschauer total auf eine Actionkomödie der Extraklasse ein.
Es wird langsam nacht in Miami (die Art der Überleitung von heißer Mittagssonne zu hitzigem Nachtleben, die Michael Bay benutzt, ist genial). Fouchet (Tcheky Karyo) und seine Gang räumen in einem minutiös geplanten Raub die Asservatenkammer der Polizei aus: Ihr Ziel ist Heroin im Wert von 100 Millionen Dollar. Doch Fluchtwagenfahrer Eddie (Emmanuel Xuereb) steckt ein Päckchen Heroin für sich ein. Der Raub wird in blau durchgestylten Bildern gefilmt und charakterisiert Fouchet gleichzeitig: Er ist ein gerissener Planer und äußerst kaltblütig. So erschießt er vor dem Raub einen Komplizen, um die Polizei zum Ausrücken zu zwingen.
Mike und Marcus werden von ihrem Boss Captain Howard (Joe Pantoliano) auf den Fall angesetzt, haben aber nur 72 Stunden Zeit, ehe die interne Ermittlung die Drogenfahndung schließt. Die Spurensuche erweist sich als kompliziert, da Fouchet seine Spuren verwischt und mögliche Zeugen beseitigt hat. Doch Mike beauftragt seine gute Freundin Max (Karen Alexander), eine Prostituierte, sich in der Unterwelt umzuhören. Sie wird auch prompt zu einer Party von Eddie beordert, zu der sie ihre Mitbewohnerin Julie (Téa Leoni) mitnimmt. Doch auf der Party taucht auch Fouchet auf und ermordet Max und Eddie. Julie kann fliehen, will sich aber auf Max’ Rat hin nur Mike Lowrey anvertrauen. Da dieser aber wegen einer Ermittlung unauffindbar ist, muss Marcus sich für ihn ausgeben...
„Bad Boys“ verbindet harten Actionthriller und turbulente Verwechslungskomödie zu einer explosiven Mischung. Zwar überwiegt der Actionanteil, doch auch die Comedy braucht nicht zurückzustecken. Grundsituation ist die Tatsache, dass die grundverschiedenen Cops sich füreinander ausgeben müssen: Mike ist cooler Frauenheld, während Marcus Familienvater und Pantoffelheld ist, der es sich unter keinen Umständen mit seiner Frau Theresa (Theresa Randle) verderben will. Neben den ulkigen Verwechslungssituationen sorgen die Wortgefechte zwischen den Hauptdarsteller für Zwerchfellerschütterung. Die Gags und Unmengen cooler Sprüche sind auch, im Gegensatz zu vielen reinen Komödien, auch bei mehrmaligen Ansehen genauso witzig wie beim ersten Mal.
Die Musik ist ebenfalls meisterhaft; vor allem Mark Mancinas instrumentaler Score untermalt „Bad Boys“ perfekt. Ansonsten gibt es fast nur Rap auf die Ohren, der auch Nicht-Fans von Hip Hop gut hörbar ist. Im Abspann bekommt man dann noch coolen Reggae der Combo Inner Circle. Und im Club Hell läuft auch etwas Rockmusik (Juke-Joint Jezebel von KMFDM).
Die Action bietet temporeiche Shoot-Outs und Verfolgungsjagden. Aufgrund der brillanten Inszenierung von Michael Bay gehören diese zum besten was das Genre zu bieten hat. Die Action ist extrem rasant; egal ob Marcus und Mike den Freeway in Flammen aufgehen lassen oder mit dem Sportwagen im oberen Drehzahlbereich einen Flüchtigen verfolgen. Die FSK 18 Freigabe ist durchaus gerechtfertigt, wenn man die blutigen Einschüsse bedenkt, auch wenn die Härte durch die schnelle Schnitttechnik und die Comedy abgeschwächt wird.
Die Schauspieler sind klasse. Will Smith und Martin Lawrence sind das perfekte Leinwand-Team und passen hervorragend in ihre Rollen. Zwar sind von der Oscar-Reife noch etwas entfernt, aber trotzdem können sie ihre Charaktere und die Stimmung des Films perfekt rüberbringen. Tcheky Karyo ist ein beeindruckender Bösewicht ganz in der Tradition von Hans Gruber aus „Stirb langsam“. Mit Téa Leoni als gibt es eine etwas komplexere Frauenrolle im Actiongenre zu bewundern, die nicht nur sexy aussieht, sondern auch gut spielt.
Michael Bays Inszenierung, oft mit dem Vorwurf Videoclip-Ästhetik bedacht, ist einfach genial. Der Style, die Ausleuchtung, die visuellen Ideen – optisch ist „Bad Boys“ eine echte Glanzleistung. Das tolle Drehbuch wurde von Bay temporeich umgesetzt und ist nie langweilig, auch wenn Wendungen nicht unbedingt raffiniert sind.
„Bad Boys“ ist eine absolut rasante Actionkomödie mit viel visuellem Stil, klasse Darstellern, Witz, Spannung und furioser Action – nicht für Genre-Fans eine Empfehlung.