"Was ich angehe funktioniert immer. Manchmal."
Als aus der Polizeistation in Miami Heroin im Wert von hundert Millionen Dollar gestohlen wird, bekommen die beiden Drogenfahnder Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) den Auftrag, die Verantwortlichen ausfindig zu machen. Drei Tage haben sie dafür Zeit, bis der Ermittlungsbehörde durch dieses Debakel die Schließung droht. Eine Spur zu den Verbrechern offenbart sich als die Prostituierte Julie Mott (Téa Leoni) Zeugin eines Mordes wird. Das Opfer war auch Mike bekannt, daher ist Julie nur gewillt mit ihm über die Täter zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt ist Mike allerdings ohnmächtig, niedergeschlagen während einer Untersuchung. Also steigt Marcus in dessen Rolle, obwohl sich die Charakterzüge von beiden in keinster Weise ähneln.
"Bad Boys" ist Michael Bay's ("The Rock", "Armageddon", "Transformers"-Reihe) erste Regiearbeit und ein bestes Beispiel für seine eigene Aussage: "Ich mache Filme für Jungs im Teenageralter".
Seine Actionkomödie hat ihren Schwerpunkt auf der Komödie und gerät in das Dilemma viel Handlungszeit mit schnellen Actionsequenzen überbrücken zu müssen. Die sehr wortlastige Verwechslungskomödie gibt dafür aber kaum etwas her.
Anspruchsvolles Kino erwartet bei einer Actionkomödie niemand, besonders diejenigen nicht, die mit Filmen von Bay bereits vertraut sind. Die unoriginelle Handlung ist allerdings das kleinste Problem von "Bad Boys". Denn neben nur wenigen Actionszenen wird ein Spannungsbogen erst im letzten Viertel aufgebaut. Bei einem Film von beinahe 2 Stunden Laufzeit entsteht so eine langwierige Erfahrung.
Daher sollte eine gehörige Portion an abwechslungsreichem Humor für amüsante Unterhaltung sorgen. Sollte ist hier der springende Punkt, denn die sich wiederholende Situationskomik und die ständig prolligen Sprüche beginnen schon nach kurzer Zeit an den Nerven zu zerren. Gerade letztere halten das Niveau stets in einem niedrigen Bereich und wirken überwiegend dümmlich anstatt schlagfertig.
Durch die sehr flotte Erzählweise bleiben auch die Figuren auf der Strecke. Während die Gegenspieler austauschbare Schablonen bilden, mangelt es den Hauptcharakteren an Sympathie. Nur beschwerlich findet man hier Anknüpfpunkte.
Am meisten verwunderlich ist jedoch die Action an sich. So sind diese Szenen zwar ansehlich, halten sich allerdings mit Innovationen zurück. Gerade im Vergleich zu späteren Bay-Produktionen könnte man "Bad Boys" schon beinahe als bodenständig bewerten. Die häufigen unglaubwürdigen Szenen lassen es aber nicht ganz so weit kommen.
Zumindest das Finale erreicht ein etwas höheres Niveau. Hier stimmt das Tempo und die Inszenierung. Auch der einprägsame Soundtrack erreicht gegen Ende ein hörbares Hoch.
Die Darsteller erweisen sich als zweckmäßig. Interessant ist, dass der optisch attraktivere Will Smith ("Independence Day", "Men in Black"-Reihe) gegenüber dem Komiker Martin Lawrence ("Big Mama’s Haus"-Reihe) an Präsenz einbüßt. Lawrence hat seine Szenen stets im Griff und präsentiert sich variabler. Téa Leoni ("Deep Impact") bleibt durch den stets gleichen Gesichtsausdruck eine Randerscheinung.
Scheinbar war Michael Bay mit "Bad Boys" noch am üben. Auch wenn spätere Filme einem ähnlichen Schema unterliegen, bleibt diese Actionkomödie weit hinter ihren Möglichkeiten. Der Grund liegt bei den sperrigen Figuren, nur selten zündendem Witz und nur wenigen, fulminanten Actionszenen. Erst im Finale lässt der Film seine ermüdenden Wortgefechte hinter sich und zeigt Ambitionen, hier ein wenig mehr heraus zu kitzeln. Kein Vergleich zu konkurrierenden Reihen, wie "Beverly Hills Cop" und "Lethal Weapon".
3 / 10