Review
von Alex Kiensch
Mit diesem Kracher startete sowohl die Karriere von Michael Bay als auch die von Will Smith so richtig durch: In „Bad Boys" geben Smith und Martin Lawrence zwei toughe Drogen-Cops, die den Raub einer riesigen Menge Heroin aus der Asservatenkammer der Polizei klären müssen. Um das zu schaffen und eine wichtige Zeugin vor den brutalen Gangstern zu schützen, ist ihnen jedes Mittel recht - wobei sie niemals ihre kleinen und größeren Zankereien unterbrechen.
„Bad Boys" treibt die typische 90er-Jahre-Action-Ästhetik Hollywoods auf die perfektionierte Spitze, sowohl im Guten wie im Schlechten: Allerhand Klischees wie der dauerschreiende Chef, kriminalistische Entwicklungen, die nur bedingt logisch zusammenhängen, glückliche Zufälle und haufenweise übertriebene Macho-Attitüden ergeben ein altbekanntes Muster, ebenso wie das Buddy-Prinzip der beiden streiterischen Kumpels. Auch hapert es an allen Ecken und Enden der Story mit Glaubwürdigkeit und Logik.
Dafür allerdings entschädigt der Film mit seiner rasanten und saucoolen Inszenierung. Man merkt „Bad Boys" bereits den typischen Bay-Stil an - eine permanent in Bewegung bleibende Kamera, hohe Schnittfrequenz, ein zum Bombastischen neigender, treibender Score und fette Action-Sequenzen (obwohl die sich bis zum Finale noch recht in Grenzen halten, was vielleicht daran liegt, dass die Produzenten nicht viel Vertrauen in einen Film mit zwei Afroamerikanern in den Hauptrollen hatten und Bay „nur" neun Millionen Dollar Budget zugestanden; beim zweiten Teil konnte er dann schon 130 Millionen verpulvern). Allerdings bleibt hier das hohe Tempo noch im Bereich des Erträglichen, ohne den Zuschauer visuell zu überfordern. Und der Titelsong gehört einfach zum Coolsten, was das 90er-Action-Hollywood-Kino zu bieten hatte.
Ganz zu schweigen von dem zentralen Duo. Die Chemie zwischen Smith und Lawrence passt einfach perfekt. Auch wenn Lawrences Rolle ein wenig zu sehr zum Slapstick-Changieren angelegt ist, spielen die beiden sich grandios die Dialog-Bälle zu, geben sich cool und hart, lassen aber auch immer mal wieder gekonnt zwischenmenschliche Töne durchschimmern. Vor allem Smith brilliert als harter Hund mit lockerer Schnauze, der gern auch mal oberkörperfrei Verbrecher verfolgt. Dazu kommen einige sehr nette Gags auf Kosten „alter weißer Männer", wie sie im Blockbuster-Kino jener Epoche eher die Ausnahme waren. Der ganze doch reichlich oberflächliche Film steht und fällt mit diesem Traumduo.
Wie gesagt, gibt es für Action-Enthusiasten hier vergleichsweise wenig zu sehen, die vorhandenen Schießereien und Verfolgungsjagden sind aber krachend, temporeich und visuell stark inszeniert. Und das Finale lässt dann den Bombast los, den man von einem Film dieser Sorte erwarten darf. Dass das alles klischeehaft und unlogisch ist - geschenkt. Die tolle Ästhetik, die zwischen beeindruckenden Skyline-Bildern Miamis, in nächtliches Blau und Schwarz getauchten Apartments und schmuddeligen Hinterhöfen wechselt, trägt ebenso wie der tolle Score und die coolen Hauptdarsteller dazu bei, dass man gern über allerhand Schwächen hinwegsieht und mit den beiden „Bad Boys" einfach eine Menge Spaß hat. Damit dürfte Michael Bay bereits in seinem Kino-Regie-Debüt sein Erfolgsrezept gefunden haben.