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Oft als großer Meilenstein für den neuen deutschen Film gelobt und sicher als Inspiration für andere dienend (man denke an das Zitat mit den roten Haaren in „Alias“) ist „Lola rennt“ dann doch ein enttäuschend schwacher Film.
Die Grundsituation des Films ist folgende: Manni (Moritz Bleibtreu) und Lola (Franka Potente) sind ein Berliner Pärchen, das sich sein kleines bisschen Glück mit dem Transport von Geld aus einem Drogendeal verdienen will. Leider vergisst Manni die Tasche mit dem Geld in der U-Bahn, wo sie dann geklaut wird, wie die Vorgeschichte des Films schildert.
Verzweifelt ruft Manni Lola an, denn in 20 Minuten soll er seinem Boss 100.000 Mark übergeben. Lola flitzt los, um ihm zu helfen, was man in drei verschiedenen Versionen gezeigt bekommt…

Von der Grundidee ist das Ganze auch gar nicht mal so schlecht, wenngleich derartige erzählerische Kniffe seit Tarantino sich ja größer Beliebtheit in der Filmwelt freuen. Doch interessant macht die Variation das Ganze schon und zudem ist „Lola rennt“ optisch sehr überzeugend: Splitscreens, Fotostrecken oder Zeichentrickeinlagen peppen Tom Tykwers Film zumindest optisch auf und verleihen dem Geschehen ordentlich Drive. Dadurch sieht man dann über Logiklöcher gerne hinweg, denn mal scheinen die 20 Minuten länger, mal kürzer zu vergehen.
Auf inhaltlicher Ebene kann „Lola rennt“ da leider keine solchen Begeisterungsstürme hervorrufen: Dadurch, dass es sich nur um Varianten handelt, will bei keiner der Handlungen so recht Spannung aufkommen, da das Geschehen nur mehrmals durchgespielt wird und man sich beinahe seine Lieblingsversion aussuchen kann. Warum das Geschehen nach den ersten Varianten allerdings immer wieder zurückgedreht wird (unterbrochen von saulangweiligen, unpassenden Szenen aus dem Beziehungsalltag von Lola und Manni) anstatt die Versionen aneinanderzureihen, wird nicht geklärt, wobei letztere Vorgehensweise sicherlich interessanter gewesen wäre.

Neben dem Spannungsdefizit stören auch die Anflüge von Humor gewaltig, den sich „Lola rennt“ nicht verkneifen kann. Wirklich witzig ist an sich nur der Running Gag mit den Muskelprotzen und dem Autounfall, der Rest mag nicht zünden: So zeigt „Lola rennt“ anhand von Fotos, wie sich das Leben von Leuten, denen Lola begegnet, später entwickeln wird. Allerdings kennt der Film fast nur Extreme (Lottogewinn, Konvertierung zu den Zeugen Jehovas) und es ist schon sehr absurd, dass nur die Frage, ob und wie jemand z.B. angerempelt wird, so entscheidend ist. Höhepunkt der Pseudokomik sind jedoch die Szenen, in denen die verzweifelte Lola mit ihrem Schrei Glas zerspringen lässt.
Auch schauspielerisch ist „Lola rennt“ unterschiedlich gut: Franka Potente ist trotz Hauptrolle relativ mäßig und auch von Moritz Bleibtreu hat man wesentlich besseres gesehen. Da sind dann Nebendarsteller wie Herbert Knaup als Lolas Vater, Armin Rohde als Wachmann oder Nina Petri als Frau Hansen wesentlich besser und überzeugender.

So ist „Lola rennt“ durchaus passabel, vor allem was Optik, Inszenierung und Grundidee angeht. Leider kommt selten Hochspannung auf und einige der Ideen sind eher peinlich als gelungen – da hat der deutsche Film in den letzten Jahren doch Besseres vom Stapel gelassen.

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