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'Lola rennt' ist wahrscheinlich der aussergewöhnlichste Deutsche Beitrag zur Filmgeschichte. Tom Tykwer musste in einem genialen Augenblick diesen freakig-genialen Einfall gehabt haben, 'Lola rennt' storymässig und filmtechnisch zu dem Tempo.Action-Musik-Drama zu machen, das bis heute der spritzigste Deutsche Film ist und auch international die Kritiker vom Hocker riss.

Es sprechen sehr viele und variierende Komponenten dafür, dass 'Lola rennt' ein so aussergewöhnliches Filmdokument geworden ist.
Dafür sprechen zum einen die bis in jede Statistenrolle perfekt besetzte Schauspielerriege, für die sich Tykwer das komplette obere Darstellerstockwerk gesichert hat - beinahe sämtliche bekannten Deutschen Schauspieler bekommen hier ihren Auftritt, sei er auch nur wenige Sekunden lang. Das reicht von Heino Ferch als kahlrasierter Gangsterboss über Joachim Krol als Penner und Monika Bleibtreu als blinde Omma bis hin zu den grandiosen Hauptdarstellern Franka Potente und Moritz Bleibtreu, die die beiden Hauptcharaktere Lola und Manni verkörpern.

Weiterhin ist der aussergewöhnliche Musikbeitrag zu erwähnen. Der Film ist praktisch ein einziges, 80 Minuten langes Technovideo, denn wummernd geht es strassein, strassaus. Selbst die wenigen Verschnaufpausen unter anderem bei Lolas Vater in der Bank senken den unglaublich hohen Puls des Filmes nicht und auch wenn mal 20 Minuten rum sind, man denkt, die Geschichte sei erzählt und in Rotlicht ein vertrautes Gespräch des Hauptduos hört, so geht es doch - "Ich bin nicht tot?!" - sofort wieder von vorne los.
Beim Lesen dieses Textes mag man denken, dass dort ein recht eintöniger, wenn auch lauter Episodenfilm herausgekommen ist und dem muss man grösstenteils wiedersprechen, denn auch die zweiten und dritten zwanzig Minuten, sind ebenso schnell und hektisch. Auch wenn sie die im Grunde selbe Handlung wiedergeben, das für die Gesamthandlung essentielle Quentchen Änderung sticht deutlich heraus und gibt so etwas wie 'Logik' oder zumindest 'Verständnis' oder 'Einsicht'; und ehe man es sich versieht geht es wieder von vorne los.

Das Ende gestaltet sich dann auch versöhnlich und ich für meinen Teil war zumindest befriedigt, wenn auch erschöpft nach diesem 80-Minuten-Sprint, in dem alles vorhanden war. Dramatik, Erschöpfung, Missgeschicke, Wut und Trauer - nur keine Auszeit.
'Lola rennt' ist wahrscheinlich der einzige Film, der in Sachen Action und Spannung zwölf von zehn Punkten verdient. Die Musik trägt seinen Teil dazu bei, ebenso wie die atemberaubende Kameratechnik, eingeschobene Zeichentrickszenen und interessantem Make-Up. Ein Wahnsinns-Trip!

Fazit:
Mit 'Lola rennt' ist Tom Tykwer ein Experiment geglückt und das auf ganzer Linie. Cinematographisch auf höchstem Niveau und mit sehr überzeugenden Darstellern, bis in die letzte Reihe prominent besetzt. Nicht umsonst öffnete 'Lola rennt' Tykwer das Tor zu Hollywood. Meines Erachtens neben 'Das Boot', 'M' und 'Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo' bis heute einer der besten Deutschen Filme. Anschnallen und geniessen. Viel Spass!

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