Review

German Adrenalinstoss

"Lola rennt" aus dem Jahr 1998 von Tom Tykwer. Bockstarker Film, erinnerungswürdiges Jahr für mich persönlich, ein Regie-Supertalent, dass nie wieder an diesen Adrenalinkick von Film herankam. Lolas dreimaliger Run durch Berlin, immer mit anderen Details & Schmetterlingseffekten, um ihre große Liebe Manni zu retten, ist einer der ikonischsten, coolsten, wichtigsten & besten deutschen Filme aller Zeiten. Ein unverkennbares Kind seines Jahrzehnts, und trotzdem zeitlos gut. Pumpend, scheuchend, faszinierend. Zu einer Zeit, wo man dachte, dass deutsche Kino sei endgültig am Boden, schoss dieser nicht müde zu kriegende Rotschopf durch die hiesige & internationale Filmlandschaft, wie Heroin durch die Blutbahn. Nur in positiv & ohne negative Auswirkungen. 

Für mich kann man "Lola rennt" in einem Atemzug mit deutschen Meisterwerken wie "M" oder "Das Boot" nennen. Noch immer fesselt mich der super schnelle & kurzweilige Sprint von Sekunde 1 an den Bildschirm. Die Idee ist genial, wenn auch nicht erstmalig hier eingesetzt, und der komplette Style geht extrem abwechslungsreich bis an die Grenzen. Das Gegenteil deutscher Spießigkeit. Kein Wunder, dass etliche Filme, Serien, Musikvideos & Videospiele ihren Hut in den kommenden Jahren zogen & mitrannten. Vergeudet keine Minute, der Soundtrack ballert hart, trotz aller Hektik kommen tiefere Gedanken über das Leben, die Liebe & die Welt nicht zu kurz. Zumindest werden sie angeschnitten & es liegt an einem selbst, wie man alles deutet & was man mitnimmt. Manni & Lola sind jedenfalls das deutsche Gangsterpärchen schlechthin. Perfekt verkörpert von Potente & Bleibtreu, zwei der sympathischsten & besten deutschen Schauspieler ever.

Ich kriege von "Lola rennt" nicht genug & sehe ihn mittlerweile als Kulturgut & Kult. Eine Art deutsches "Trainspotting"-Pendant auf Speed. Was wäre wenn... ein Thema, dass uns alle beschäftigt & hier innovativ, effektiv & durchschlagend wie nie vorgetragen wird. Wenige Filme nutzen ihre Laufzeit besser, wenige Filme laufen so schnell. In jedem Sinne des Wortes. Technokino. Sportlerkino. Läuferkino. Coolnesskino. Weit mehr als nur Style. Weit mehr als nur Tempo. Einmalig & hoffentlich nie gezwungen fortgesetzt. Langeweile bleibt ein Fremdwort, Auge & Hirn haben immer etwas zu tun. Das fleissig pochende Herz zieht dann später nach. Und wie. Schade, dass Tykwer an diese Intensität nie wieder anknüpfen konnte. Fast noch trauriger, dass der deutsche Film diese Initialzündung nicht wirklich umsetzen & weiterverfolgen konnte. Bis letztes Jahr "Victoria" kam & sich bei mir ein längst aufgegebenes Gefühl & Deja Vu einstellte. Lola, hör bitte nie auf zu rennen!

Fazit: wie ein Stromschlag für die deutsche Filmszene. "Lola rennt" ist hyperkinetisches Kino der späten 90er, dass den deutschen Film kaum cooler & kreativer vertreten könnte. Wummert, pocht, schreit - urknallt Deutsches Kino zurück auf die Karte!

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