Review

Der Fremde [ Charles Southwood; kein Pseudonym ! ] kommt in das Städtchen White City, um den Bankräuber Donovan ebenso zu kaschen wie den Stadtmogul Carson, der seine Leute zum gewalttätigen Geldeintreiben in die aussenliegenden Farmen schickt...

Nachdem Django und Sartana kommen letztens der glorreiche Einstieg in die Filme Demofilo Fidanis darstellte, folgt nun die Zweitbekanntschaft mit dem Oeuvre der berüchtigten Gallionsfigur hundsmiserabler Italowestern. Und prompt ist eine Steigerung da; handelt es sich bei diesem Regiedebüt doch um einen leicht erträglicheren Zustand herabgesetzter Aktivität. Oder man hat sich nur an das Schlechte gewöhnt bzw. seine Erwartungen soweit heruntergeschraubt, dass man bereits alles über den grünen Klee lobt.

Viel ist dabei auch hier nicht zu machen, aber zumindest ist eine erkennbare Geschichte vorhanden; die zwar auch locker in der Hälfte der Laufzeit erzählt hätte werden können, aber ansonsten eine für das Umfeld gediegene Plotstruktur ebenso aufweist wie die dafür nötigen Elemente. Es wird also nicht nur von einmal um die Welt geritten, sondern tatsächlich was erzählt. Wenig aufreibendes natürlich nur; vor allem da man auch scheinbar wieder unter dem Einfluss von Beruhigungspillen gedreht hat, aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.
Ansonsten wird nämlich wieder mal ein reelles Tempo so überhaupt nicht erreicht; höchstens mit Vorspulen. Wobei man dann zwar nichts Berauschendes verpassen würde, aber neben der Ungeduld auch der delirische Effekt weg wäre.

Ganz hilfreich ist vor allem, dass man mehrere Bösewichter hat; auch begegnen sich die Kontrahenten nicht erst im “Showdown”, sondern laufen sich vorher schon einige Male über den Weg. Hilfreich für die Interaktionen, da ja nun dadurch gleich öfters mal etwas passiert.
Das Setting selber geht soweit in Ordnung: Das Budget mag wieder keinen Deut wert sein, aber man konnte sich einige Komparsen leisten und so halbwegs die Population einer Stadt vortäuschen.
Dazu kommt, dass das Rachethema in traditioneller Weise eingebracht wird und gleich wieder einen längeren Zeitraum umspannt, was für mehr Bedeutung sorgt.

Die in Bildmontagen inszenierten Rückblenden sind sogar durchaus gelungen: bleiben allerdings bis auf den gewalttätigen Opener und den in Standbildern zerteilten Vorspann dann auch das Einzige, was dieses Kriterium erfüllt.
Grossteils wird kein Maß gefunden; der Film ist doch ein ganz schön zähes Wesen. Szenen sind ständig zu lang und zu nichtssagend, als ob man die Schere vergessen hätte. Diesmal ist trotz aller Schlechtigkeit leider auch kein wirklicher Trashansatz vorhanden; so etwas Würziges wie Gordon Mitchell hätte man hierbei durchaus gut gebrauchen können. Stattdessen wird der Zuschauer mit den “Fliegenden Eiern” und dem “Totentanz” abgespeist, wobei der einzige wahre Goof in der Handlung auch gleich bei drauf geht. Die Restlichen purzeln erst am Showdown; da leider als Anti – Klimax auch zumeist in ziemlich banaler Weise.
Akteure scheinen oftmals nicht zu wissen, was sie machen sollen und improvisieren mehr schlecht als recht; meistens ungenügend. Southwood ist optisch durchaus sehr ansprechend, aber blass wie ein zu kurz gebackenes Brötchen. Auch zu dem Rest erübrigen sich weitere Worte, aber zumindest fällt keiner vom Pferd.

Mit der richtigen Einstellung, genug Muße und wirklich nichts Besserem zu tun kann man sich den Film also Schönreden und dann wenigstens Ansehen; nichts Gutes bleibt es dennoch.

Details
Ähnliche Filme