Review

Psychothriller in Miniserie

Das Format der Miniserie eignet sich hier ganz gut, um die einzelnen Protagonisten sauber auszuarbeiten. Wir haben auf der einen Seite Polizist Mike Sweeney und seine Familie, auf der anderen Seite dessen ehemaligen Jugendfreund Ray Prager und dessen Familie. Beide sind sicherlich keine in sich ruhende ausgeglichene Charaktere - so kommt es schnell auf beiden Seiten zu Einblicken in deren teilweise pikantes Privatleben, mit allen Konsequenzen.

Genau diese Details, diese Ausarbeitung der Psychologie der beiden Männer macht die Serie so spannend. Wer nun wen umgebracht hat und wer der Mörder ist und wer nicht durchschaut man reccht schnell - die Spannung wird gar nicht wie bei einem Krimi auf die Aufklärung der Mordserie in Durham County gelegt. Nein, hier geht es um das Psychogramm des Täters und die erschreckenden Parallelen die sich im Leben der beiden Männer ergeben.

Ray Prager mag ein durchgeknallter Mörder sein, aber ist Mike Sweeney der vorbildliche Supercop? Ganz sicher nicht - und das ist nicht nur schrecklich schön anzusehen, sondern auch einfach spannend und realistisch. Man kann nachvollziehen wie es in den Beiden innerlich kocht und was in Ihnen vorgeht, man kann die Machtspielchen förmlich spüren. Die braven Gattinnen und wohlerzogenen Kinder leiden darunter, doch sind sie das wirklich, so brav und wohlerzogen?

Die Serie besticht durch die Sicht auf das normale Unnormale in der Gesellschaft. Die Umgebung um Durham County mag dazu beitragen, eine triste und öde Industriebrache unter Hochspannungsleitungen. Auch wenn die Story arge Lücken aufweist, vieles ungeklärt lässt, Fakten zu schnell zu offensichtlich zeigt und manch arg gescriptete "unerwartete Wendung" etwas an den Haaren herbeigezogen wirken mag - die Serie ist spannend und zeigt die Abgründe der Menschen auf.

Hugh Dillon als Mike Sweeney ist gut besetzt, aber Justin Louis als Ray Prager spielt mühelos seinen Kontrahenten an die Wand. Nicht nur nett anzuschauen sondern auch mit Talent zum gekonnten Überspielen von arg zurechtgebogenen Passagen wirken vorallem die Damen im Film: Helene Joy wirkt stark und zerbrechlich zugleich, einfach perfekt für die Rolle der Audrey Sweeney. Kathleen Munroe als tote und doch lebendige Geliebte verleiht einen Touch von "Twin Peaks" ohne jedoch die Serie zu sehr in die Mysterie-Ecke zu drängen. Sonya Salomaa als Tracy Prager schafft es bis zur letzten Episode die verunsicherte Ehefrau zu spielen, bis sie letztlich eine starke Entscheidung trifft.

Eine Serie die man durchaus mal ansehen kann, spannend und unterhaltsam mit reichlich kranken Elementen die so übertrieben dargestellt wohl gar nicht so sind.

Details
Ähnliche Filme