kurz angerissen
Ein häuslicher Thriller, produziert vom Berliner Institut für Schauspiel, Film- und Fernsehberufe, der sich um die Flucht aus der Realität in den persönlichen Safe Space dreht. Zwei Frauen in der Defensive gegen einen Mann, der keine Kontrolle mehr über sein Handeln hat. Eine Wohnungstür fungiert als Dimensionsportal von einem Gegenwartszustand in den nächsten. Je nach Identität desjenigen, der um Einlass bittet, öffnet sie sich bereitwillig oder muss gewaltsam durchbrochen werden; ohne direktes „Shining“-Zitat zwar (zum Glück; dieser Drops ist gelutscht), aber mit der gleichen manischen Unbeirrbarkeit.
Das Traum-im-Traum-Prinzip, nach dem Martin Walz sein Drehbuch aufbaut, ist bekannt und schnell durchschaut. Das ändert gleichwohl nichts an seinem wohldurchdachten Einsatz. Die Ästhetik ist sowieso schon eine artifizielle; irgendwo zwischen den dreckigen „Tatorten“ der 80er, angereichert mit sattem Korn und steilem Kontrast, und der für das Surreale empfänglichen Theater-Anmutung, die in seinem bekanntesten Werk „Kondom des Grauens“ Anwendung fand. Hitchcock-Anleihen bleiben dezent, werden aber mit scharfer Schneide angerichtet: Chaotisch, unkontrolliert, impulsiv. Im Bild und auf der Tonspur. Ein letztes Lächeln noch als Rausschmeißer, so unbehaglich künstlich, dass es das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Echter Thrill braucht natürlich Zeit zum Atmen, und in gerade mal sieben Minuten lässt sich wohl kaum ein Meisterstück in diesem Genre arrangieren. Aber die Zeit reicht, um das mulmige Gefühl, in einem irreversiblen Lebensabschnitt gefangen zu sein, über eine schrille Suspense-Varieté für Minuten nach außen zu tragen. Walz bekommt die Thematik damit zwar nicht in ihrer ganzen Komplexität zu fassen, verschafft ihr aber ein kurzfristiges Ventil.