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Der 2001er Thriller „Backflash 2: Angels don´t sleep here“ ist eigentlich eine eigenständige Produktion, welche man nur aus Gründen einer besseren Vermarktung zu einer „Fortsetzung“ des übrigens aus demselben Jahr stammenden (Pseudo-) „Vorgängers“ umetikettiert hat. Beide Filme weisen vollkommen unterschiedliche (inhaltliche wie inszenatorische) Ausrichtungen auf und haben rein gar nichts miteinander zutun – abgesehen von der Beteiligung des Schauspielers Robert Patrick („Terminator 2“), der aber folglich jeweils eine andere Figur bzw Rolle verkörpert. Eine für manche eventuell interessante Notiz am Rande: Einer der Executive Producer dieses Werks ist kein Geringerer als „unser allseits beliebter“ Dr. Uwe Boll („Postal“)…

Inzwischen zu einem forensischen Pathologen ausgebildet, kehrt Michael Daniels (Dana Ashbrook) 10 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden seines Zwillingsbruders in seine Heimatstadt Los Angeles zurück, um dort einen Job in der örtlichen Gerichtsmedizin anzutreten und zudem die Suche nach Jessie erneut aufzunehmen, da sein Instinkt ihm sagt, dass jener in Wirklichkeit noch am Leben ist. Seine ehemalige Jugendfreundin Kate (Kelly Rutherford), heute eine ambitionierte Staatsanwältin, die derzeitig mit dem Cop Jay (Channon Roe) ausgeht, ihre kranke Mutter (Christina Pickles) pflegt und jüngst einen recht herben Rückschlag vor Gericht einstecken musste, ist natürlich überrascht wie erfreut zugleich von seinem Erscheinen – selbst ein Blinder würde auf Anhieb merken, dass da noch gegenseitige Gefühle mit im Spiel sind. Kate´s Vater Harry (Roy Scheider), dem sie nicht gerade wohlgesonnen ist und der sich aktuell als amtierender Bürgermeister mitten in der heißen Phase des Kampfs um seine Wiederwahl befindet, sieht Michael´s private Nachforschungen im Umfeld seiner Familie gar nicht so gern – seine eigene Weste weist nämlich mehr als nur einige dunkle Flecke auf, die entsprechend nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangen dürfen. Detective Russell Stark (Robert Patrick), seines Zeichens Jay´s Partner und nicht unbedingt der ehrlichste Beamte des LAPD, soll demgemäß dafür sorgen, dass der Ball schön flach gehalten wird, da der Fall ja offiziell bereits lange abgeschlossen ist. Aufgrund des ausgeübten Drucks fühlt sich Michael nun allerdings umso stärker in seiner Annahme bestätigt, weiß jedoch (u.a.) nicht, dass ihn seit seiner Ankunft eine Person aus dem Verborgenen heraus unter konstanter Beobachtung hält. Als dann auch noch der Bürgermeister bei einem öffentlichen Auftritt einem Anschlag zum Opfer fällt und man ihm das Blut des bei seiner Verfolgung verwundeten Täters zuordnet, wird die Lage ein weiteres Stück vertrackter, schließlich besitzt Jessie die identische DNA-Zusammensetzung – nur glaubt ja jeder, der sei schon lange tot. Ein Wettlauf gegen die Zeit setzt ein, bei dem er glücklicherweise nicht nur auf Kate´s Unterstützung zurückgreifen kann, sondern ebenso auf die seiner Kollegin April (Kari Wuhrer), welche ihm im dienstlichen Umfeld den Rücken freizuhalten versucht…

„Angels don´t sleep here“ markierte damals (2001) Paul Cade´s Debüt als Regisseur und Drehbuchautor – seither trat der jedoch in beiden Funktionen nicht mehr in Erscheinung. Diese Tatsache, kombiniert mit den erwähnten Umständen der Vermarktung, könnte nun durchaus unschwer den Eindruck erwecken, bei dem Streifen würde es sich um eine absolute Nullnummer handeln – aber das entspricht so keinesfalls der Wahrheit, zumindest nicht in jenem Ausmaß. Was sich allerdings klar festhalten lässt, ist dass der Film in nahezu jeder Beziehung eine weitestgehend belanglose Angelegenheit darstellt, die dank ihrer verhältnismäßig ansprechenden B-Movie-Besetzung vermutlich ein höheres Maß an Aufmerksamkeit erhält, als sie im Grunde verdient. Obwohl mit dem Konterfei von Robert Patrick („the Marine“/„Spy Kids“) auf den DVD-Covern am prominentesten geworben wird, spielt dieser im Prinzip bloß einen (zugegeben, fürs Geschehen sehr wichtigen) Nebenpart, welchen er anständig, nichtsdestotrotz etwas hölzern verkörpert. Immerhin ist er für den insgesamt besten Augenblick verantwortlich, als er in der Gerichtsmedizin seinem toten Auftraggeber noch einige letzte Worte ins Ohr flüstert. In der eigentlichen Hauptrolle ist der aus David Lynch´s Kult-Serie „Twin Peaks“ bekannte Dana Ashbrook („Python 2“/„New Alcatraz“) zu sehen, der genauso solide agiert wie seine Partnerin Kelly Rutherford (TV´s „E-Ring“/„Scream 3“), welche ihrerseits einige emotionale Momente ganz passabel meistert. Roy Scheider („Jaws“/„Romeo is bleeding“) bringt seine Screen-Time gewohnt routiniert über die Bühne, was ebenso für Gary Farmer („Dead Man“/„the Score“) und die sympathische Kari Wuhrer („Eight Legged Freaks“/„King of the Ants“) gilt, während mich Channon Roe („Soldier Boyz“/„Rampage“) nicht sonderlich zu überzeugen vermochte. Alles in allem hat sich gewiss keiner der beteiligten Akteure am Set überanstrengt bzw verausgabt – angesichts der durch die Bank weg oberflächlichen Beschaffenheit der Charaktere, aus denen man locker noch eine Menge mehr hätte herausholen können, war das aber auch beileibe nicht nötig. Schade, dass die Figuren seitens des Skripts derart eindimensional gezeichnet wurden, denn die vor der Kamera versammelten Mitwirkenden wären garantiert zu gehaltvolleren als den hier gebotenen Leistungen imstande gewesen, hätte man sie nur entsprechend gefordert…

Die Story entfaltet sich, unabhängig einiger entlang des Pfades eingestreuten (kleineren) Twists, relativ vorhersehbar – was leider die untrüglich als große Überraschung gedachte finale Offenbarung mit einschließt, auf die einfach zu viele Hinweise im Vorfeld bereits deuten. Ein sich um eine experimentelle forensische Erkennungs- und Rekonstruktionstechnik rankendes Plot-Element der Handlung ist unterm Strich total überflüssig, Klischees en Masse finden Gebrauch (wie dass der Killer eine Wand seines Verstecks mit wirr angeordneten Fotos seiner primären Zielperson tapeziert hat oder Michael an Albträumen sowie in seine Jugend zurückreichende Flashbacks leidet), die üblichen inhaltlichen Bausteine sind vorhanden (z.B. die erneut aufflammende Liebesbeziehung, Korruption hinter jeder zweiten Ecke, ein wenig Action, eine Explosion sowie der obligatorische T&A-Zusatz), und zudem bedient sich die Inszenierung fast ausschließlich den gängigen (konventionellen) stilistischen Mitteln (farblich geringfügig alterierte, (zu häufig) eingefügte Rückblenden, die Identität des Baddies verschleiernde Perspektiven etc). Die Kameraarbeit von George Mooradian („Bats“/„Pterodactyl“) ruft gelegentlich eine etwas „billige“ Impression hervor, geht jedoch pauschal in Ordnung – im Gegensatz zu dem zur Schau gestellten Handwerk des für das Kunstblut verantwortlichen Crew-Mitglieds, da die verwendete rote Farbe viel zu hell und „durchsichtig“ ausgefallen ist. Ohne ein ergiebiges Gespür für Tempo und Spannung rückte Cade sein Werk in Szene, was einem besonders in den actionreicheren Momenten evident wird, welche in ihrer Konzeption und Präsentation zum Teil irgendwie aufgesetzt und ungelenk anmuten. Im ersten Drittel werden die Charaktere in ihren jeweiligen Umfeldern eingeführt, worauf sich ihre Verflechtungen zu- und untereinander erst schrittweise herauskristallisieren – dies weckt eingangs ein gesundes Maß an Interesse und hält den Betrachter halbwegs bei Laune, bis der Verlauf in dieser Hinsicht nachlässt, gegen Halbzeit aber in Gestalt des Attentats einen (an jenem Punkt inzwischen durchaus nötigen) Schub erhält und fortan einer spürbar zügigeren Ausrichtung folgt, die in erster Linie von der verfolgungsreichen Jagd auf den Flüchtigen gekennzeichnet ist. Tja, und die Beschaffenheit des die Fäden miteinander verknüpfenden Endes beschreibt ein Auszug aus dem Covertext der britischen DVD-Veröffentlichung auf geradezu tragischkomische Weise sehr treffend: „There are more Questions than Answers in this daunting Thriller about Corruption, mistaken Identity and Murder…“

Fazit: „Backflash 2: Angels don´t sleep here“ ist ein unspannender sowie bestenfalls leidlich interessanter 08/15-Thriller, der außer seiner einigermaßen netten B-Film-Besetzung nicht unbedingt viel vorzuweisen hat … knappe "4 von 10"

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