Man merke: Damit der Mars mobil macht, muss der Film nicht immer „Total Recall“ heißen, sondern kann auch direkt „Mars Attacks“ genannt werden.
Die Story bei dieser Farce ist an sich nicht wichtig und dünn wie Knäckebrot: US-Wissenschaftler entdecken, dass es fliegende Untertassen gibt, die vom Mars kommen. Man versucht friedlichen Kontakt und Kommunikation mit den Marsianern zu schaffen, allen voran US-Präsident James Dale (Jack Nicholson). Doch die außerirdischen Strolche sind ganz schön hintertrieben und starten lieber eine Invasion auf der Erde, der die meisten Menschen hilflos gegenüberstehen…
Tim Burton zeigt mal wieder seine Vorliebe für das Abgedrehte, wenn auch nicht düster wie sonst, sondern im Gegenteil knallbunt. Seine typische Handschrift lässt sich vor allem im Design der Aliens und ihrer Raumschiffe erkennen, die an billige 50er Jahre Science Fiction erinnern. Und tatsächlich basiert der Film ja laut Vorspann auf Kaugummibildchen, welche Burton in seiner Jugend sammelte.
Burtons Farce besitzt auch kleine Anspielungen auf diverse Sci-Fi-Schinken (wobei natürlich eine gewisse Nähe zu dem kurz vorher entstandenen „Independence Day“ nicht geleugnet werden kann), aber in erster Linie lässt Burton sich hier vor allem über die US-Gesellschaft aus. Die First Lady ist eine Zicke, die nur an oberflächliche Dekoration denkt, der Präsident ein Laberkopf, die Militärs alle Schleimer oder fanatische Kriegstreiber usw. Dabei treibt Burton herrlich alle Klischees auf die Spitze und veräppelt was das Zeug hält, wobei nahezu jede Bevölkerungsgruppe ihr Fett wegkriegt. Vor allem die Redneck-Familie im Trailerpark (in einer frühen Rolle hier zu sehen: Jack Black als Soldatensohn) ist echt wunderbar karikiert.
Im weiteren Filmverlauf muss der Witz dann etwas zurücktreten und verschwindet hinter einer Flut von Special Effects, die trotz des Mangels an Realismus schick aussehen. Denn die UFOs, Mechs, Strahlenkanonen und was die Aliens sonst noch so alles auffahren sind mit viel Liebe animiert worden und die bonbonbunte Ballerei knallt einem bombastisches Eye Candy um die Ohren. Besonders kultig ist bei der ganzen Invasion natürlich das Gegacker der Marsianer: „Att Att!“
Doch leider Besitz Burtons Film trotz des ganzen Bombasts und des Humors auch so seine Schwächen. Bei dem Aufgebot an Figuren, die alle von bekannten Schauspielern gespielt werden, springt die Handlung oft zu schnell, sodass man nur zu wenigen Figuren einen Draht findet. Vor allem die zweite Hälfte kann bei wiederholtem Sehen nicht mehr ganz so gefallen, denn wenn man die absurden Zerstörungsmethoden der Aliens einmal gesehen hat, besitzen sie beim zweiten Sehen nicht mehr das gleiche Gagpotential.
Dafür kann der Film schauspielerisch durch die Bank weg überzeugen, denn nahezu jeder, der hier auftritt, kann Rang und Namen vorweisen. Da auch alle Schauspieler gute Comedyleistungen erbringen (bei aller Freundlichkeit muss man natürlich zugeben, dass das Parodieren von Klischees keine so große Anforderung ist), muss eigentlich nicht ins Detail gehen und mit den ganzen Namen um sich werfen, denn alle tun ihren Job wirklich gut.
Alles in allem ist „Mars Attacks“ eine hübsch hinterhältige Farce mit schicken Effekten, die allerdings bei wiederholtem Sehen aufgrund der dünnen Story und einiger sich abnutzender Gags nicht mehr ganz so komisch ist. Zu einer Wertung von 6,5 reicht es bei mir aber noch.