Zeitschleifen und Zeitreisen sind immer wieder beliebte Themen in den Bereichen Mystery und Science Fiction. Angefangen von Wells „Zeitmaschine“ bis hin zu „Donnie Darko“ kommt es dabei nicht selten zur Verletzung des Kausalitätsprinzips. Denn wenn die Vergangenheit korrigiert wird, hat das katastrophale Auswirkungen unbekannten Ausmaßes, denn normalerweise kommt erst die Ursache und dann die Wirkung und nicht umgekehrt.
Wenn ein Cop unter genau diesen Umständen einen vermeintlichen Selbstmord untersucht, kann das die Ermittlungen schon mal gehörig durcheinander bringen.
Paul Grunning (James MacDonald) ist ohnehin noch völlig am Boden, denn eine familiäre Tragödie hat ihn völlig aus der Bahn geworfen. Dennoch wird er zu einem scheinbar harmlosen Einsatz gerufen, um einem Einbruch nachzugehen. Doch als er im Haus der Familie Ulster den Wissenschaftler Roger mit einer Kugel im Kopf in der Küche vorfindet, ist das erst der Anfang vieler unerklärlicher Umstände…
Die Erzählung ist von vornherein sprunghaft angelegt und sorgt rasch für erhöhte Aufmerksamkeit, da sich Teile eines Flashbacks mit der augenblicklichen Situation im Haus der Ulsters mischen, in dem der überwiegende Teil der Handlung spielt.
Zwar deuten einige Momente auf Pauls subjektive Wahrnehmung infolge von Medikamenten hin, doch damit lassen sich schwerlich die Umstände erklären, die sich zeitlich und räumlich im Haus abspielen. In einem Moment entdeckt der Cop die Frau des Toten an dessen Leiche knien, ein wenig später scheint sie ihm erstmalig im Obergeschoss zu begegnen und reagiert völlig erschrocken.
Die Vermutung, es mit mindestens einer Zeitschleife oder einem Zeitriss zu tun zu haben verhärtet sich zunehmend, doch eine Erklärung findet man vorerst nicht.
Man rätselt unweigerlich mit, ob die Zeitebenen ein Muster aufweisen, warum die Leiche plötzlich wieder höchst lebendig im Büro sitzt, Cops das komplett leere Haus durchsuchen, obgleich Paul sie just hat vorfahren sehen und warum die anderen Bewohner im Haus eine völlig andere Wahrnehmung von den für sie scheinbar chronologischen Abläufen haben.
So geht es vor allem um die Tatwaffe, um zwei Patronen, das Motiv des Killers und final darum, Ereignisse positiv zu beeinflussen, bevor es für Paul zu eng wird, denn durch die Zeitrisse droht er innerlich zu zerreißen.
Die Zerrissenheit transportiert James MacDonald hervorragend, denn auch wenn er schon einige Male einen Cop gemimt hat, so hat er in diesem Fall genügend Raum, die auch für ihn unerklärlichen Vorgänge, gepaart mit dem sichtlichen Leid der familiären Tragödie überzeugend rüberzubringen. Den anderen Figuren wurde leider weniger Tiefe eingeräumt, da bleibt allenfalls noch Crystal Mantecon erwähnenswert, die als Rachel die Rolle einer Studentin und möglichen Wurzel einer Eifersuchtsgeschichte ganz okay verkörpert.
Interessant ist bei alledem die ungewöhnliche Mischung aus Cop-Drama, Krimi und Science Fiction, auch wenn die Auflösung merklich mit dem Holzhammer kommt und zum Ende ein wenig viel Kitsch eingebunden wird.
„Fissure“ ist einer jener Streifen, die von Beginn an die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers benötigen und einige Verwirrung auslösen, bevor sich die Teile, wenn auch nicht in vollem Umfang, zu einer Einheit verschmelzen.
Immerhin hat Regisseur Russ Pond mit seinem Debüt aus einfachen Zutaten und wenig Aufwand einen durchweg kurzweiligen Streifen geschaffen, dessen abstruse Momente nicht nur Suspense, sondern zuweilen auch einen leicht morbiden Humor zutage fördern.
Knapp
7 von 10