Review

Mittelstück der (inhaltlich zusammenhanglosen) Eye of the Eagle Vietnam-Trilogie von Produzent Cirio H. Santiago, welcher hier das Zepter der Regie und damit einer der ersten Gehversuche diesbezüglich dem sonst als Autor und/oder Schauspieler anwesenden Carl Franklin, einem heute vergleichsweise namhaften Filmemacher überlässt. Franklin, der hier mitsamt Dan Gagliasso auch das Skript mitverfasst hat (sowie in ebenfalls Partnerschaft für Teil 3 Blutiges Lang Mei) hat dabei auch einen Teil von Santiagos üblicher philippinischer Mannschaft an Bord, um seine Variante von Namsploitation zu gestalten und in die weite Welt zu bringen. Dabei wird im ersten Teil Jungle Force ein versprengtes kriminelles Armeekommando gejagt und im dritten Teil eine militärisch unnütze Basis auf Biegen und Brechen gegen heranstürmende Vietcong verteidigt; und in der Mitte gibt es die folgende Geschicht'.:

Der junge Anthony Glenn [ Todd Field ] wird zusammen mit Scratch Richman [ Ken Jacobson ] kurz nach der Grundausbildung zum Vietnamkrieg eingezogen, wo man zusammen mit den ähnlich unerfahrenen wie Dino Reynaldo [ Ronald William Lawrence ] oder Hector Sanchez [ Archi Adamos ] unter der Führung von Major Sorenson [ Andy Wood ] stationiert ist. Eines Tages trifft Anthony nach einem blutigen Überfall auf ein Dorf auf die Vietnamesin Mai [ Shirley Tesoro ].

Obwohl Herr und Frau Santiago als Producer und Anna Roth auch als Associate Producer anwesend ist, gelingt Franklin doch eine eigene Herangehensweise und eine autarke Inszenierung, welche zuweilen zwar auch sichtlich das B-Picture Milieu und die notgedrungen reduzierten Produktionsmittel, dies aber gar passend zu dem 'verlausten' Krieg hier und die teils miserablen Bedingungen nutzt. Auch eine Szene in der Heimat gleich zu Beginn, in der bereits die Anlernphase der neuen Rekruten wiedergegeben wird, spiegelt eine andere Haltung der Filmemacher gegenüber der Ausbildung zum Töten und dem Umgang mit der Waffe wider. Die Schießeisen braucht man aber später noch, vor allem wenn man sich nur eine Einstellung später tatsächlich vor Ort in einem fremden Land befindet, in dem man nichts zu suchen hat und wo kurz nach Ankunft auch schon eine Kinderleiche im Massengrab liegt.Schwere Kost oder offensive Anklage sind der Film dabei dann naturgemäß noch lange nicht, dafür ist die Herkunft zu eng im Milieu der Unterhaltung und dies für die Videothekenkunden und die Abonnenten der Kabelsender verbunden und als schneller Gewinn mit zuvor überschaubaren Ausgaben hin angelegt. 'Antikrieg' also nicht, aber sicher auch kein Juppidu-Abenteuer rein auf dem ostasiatischen Spielplatz, irgendwo dazwischen und weit links gelegen in einer schäbig wirkenden, aber mit kurzer Laufzeit, manchen Actionszenen (wie spät die Erstürmung eines Drogenlagers am Hafen oder eine Autohatz zum rettenden Boot samt Schießerei im Lagerhaus), und angenehm persönlich und eminent wirkenden Surrealismuswelt. (“Disneyland 6638 Meilen“ nach links steht auf einem Wegweiser, “Fantasyland 1 Meile“ entgegengesetzt.)

Im Gegensatz zu den beiden umliegenden Episoden der Reihe werden hier auch keine alten Hasen mit stets dem Finger am Abzug der Waffe in Augenschein genommen, sondern Frischlinge noch Grün hinter den Ohren, die auch an einem Platz sind, wo sind nicht hingehören. Die erste Mission nach Saigon beinhaltet gleich ein Bombenattentat, die folgende Erstürmung eines Dorfes besteht im Grunde aus dem Robben und Deckung suchen in einem militärisch völlig unnützen Reisfeld, worauf noch einige Bambushütten gesprengt werden und schon aus 'Vorsicht' und Nervosität mehr Zivilisten getötet, als überhaupt 'nötig'. Versuche der Soldaten, dies mit Westernmythen zu verklären – einer der schlimmsten Standorte wird als “Little Alamo“ bezeichnet und Anthony trägt auf dem Stahlhelm “High Noon“ spazieren – gehen in dem allgemeinen Töten und seiner Sinn-, Rat-, Hilfs- und Nutzlosigkeit unter, und selbst ein Besuch bei Prostituierten bringt keine Erlösung, sondern wird auch in Gewalt gegenüber und Ausbeutung und Missbrauch Minderjähriger vergällt.

Hurrapatriotismus wäre hier fehl am Platz und wird auch nicht geboten, werden bloß ein paar Strohwohnungen eingenommen, nichts erobert und nichts gewonnen. Heroismus ist dabei auch nicht vorhanden, ein Befehl wird sang- und klang- und auch klaglos ausgeführt, hier wird geschrien und dort wird gestorben. Die Ehrenmedaille bekommt man dafür, dass man den Mund hält, und im Lande selber ist man der eigentliche Ausbeuter und der Invasor und Okkupist. Die Produktion dabei ist eher, aber passend ärmlich, die Schauplätze karg und die Darstellungen reduziert, Field in der Hauptrolle sieht manchmal aus wie Martin Sheen und dessen Reise in Das Herz der Finsternis und manchmal wie Michael J. Fox, der als Die Verdammten des Krieges von den eigenen Männern verraten und allein gelassen wird und gegen die eigenen Männer mit Maschinenpistole und Granatwerfer in die Schlacht geht.

Details
Ähnliche Filme