Schon hier hatte Hauptdarsteller Wesley Snipes seine beste Zeit hinter sich. Nach Filmen wie "Passagier 57, Demolition Man" oder "Drop Zone" fand er in dieser Zeit kaum brauchbare Angebote. Erst mit "Mord im Weißen Haus" ging es wieder aufwärts für Snipes. Ein Jahr später schlüpfte er in seine Paraderolle als Eric Blade, welche im Jahre 2004 auch für seinen Abtritt in den B-Bereich sorgte. Snipes benahm sich am Set unter aller Kanone, machte sich viele Feinde und "Blade Trinity" war kein durchschlagender Erfolg. Hier muss er sich unter dem Könner Dwight H. Little (Marked for Death, Rapid Fire, Halloween 4) profilieren. Little ist mittlerweile den Serien verfallen, warum er den grottigen "Anacondas" inszenierte, bleibt für mich ein Rätsel. Das Drehbuch entstammt der Feder von Wayne Beach (Art of War) und der Eintagsfliege David Hodgin.
Detective Harlan Regis (Wesley Snipes) kann es nicht glauben, doch es gab einen Mord im Weißen Haus. Eine junge Regierungsangestellte wurde brutal ermordet, Regis bekommt den Fall zugeteilt. Leider darf er nur unter ständiger Aufsicht der Secret Service Agentin Nina Chance (Diane Lane) ermitteln. Doch der Chef des Sichterheitsdienstes Nick Spikings (Daniel Benzali) macht es ihm nicht leicht. Regis muss sich mit Lügen, gefälschten Beweisen herumschlagen, schließlich verwanzt man sogar seine Wohnung. Nur weil Nina sich über die Vorschriften hinweg setzt kommt Regis bald hinter das wahre Motiv des Mordes. Irgend ein Unbekannter will den Präsidenten stürzen. Dies gilt es für Regis und Nina zu verhindern, doch Beide wurden schon zur Fahndung ausgeschrieben.
Wesley Snipes hat schon besser agiert und wird daher von Diane Lane locker an die Wand gespielt. Er ist gewohnt charismatisch, überzeugt vor allem in den Actionszenen und bringt den sympathischen Cop Harlan Regis gut rüber. Die Rolle des Präsidenten wurde mit Ronny Cox gut besetzt und Alan Alda verkörpert den hinterlistigen Alvin Jordan. An der Darstellerrige gibt es nichts zu meckern, an der Story eigentlich auch nicht.
Beach und Hodgin können einige Finten schlagen, bevor der Film sehr actionreich auflöst. Anfangs gibt es drei verschiedenen Linien, die später zusammen laufen, einmal die gefangenen Soldaten in Nord Korea, das wilde Leben vom Sohn des Präsidenten und den Mord an der hübschen Regierungsangestellten. Natürlich führt die Spur bald in höchste Regierungskreise, Regis stößt auf massig Ungereihmtheiten, wobei nach Little der Secret Service doch sehr schlampig arbeitet und einem die meisten Figuren dort, den Klischees entsprechend, unsympathisch sind.
Eigentlich soll "Mord im Weißen Haus" ein Thriller sein, doch man muss sich damit abfinden, dass der Film in der zweiten Hälfte eher zum Actionthriller tendiert. Ein wenig nagt dies an der Spannung, man verliert das Interesse an der ordentlichen Story, doch dadurch legt der Film deutlich an Tempo zu. Snipes darf sich ein paar Nahkämpfe leisten, welche jedoch meist von kurzer Dauer sind, kleine Schusswechsel mit inbegriffen. Aber alles ist von Little gewohnt gut inszeniert, ganz besonders das übertriebene Finale hat es in sich. Auch positiv zu vermerken, dass man hier kaum mit der Flagge schwenkt. Das Weiße Haus bekommt hier keinen guten Ruf verpasst nur ist Präsident Jack Neil für amerikanische Verhältnisse viel zu sanft. Auf Klischees kann also auch Little nicht verzichten, aber auf nervigen Pathos. Einiges ist hier leider schon vorhersehbar, aber dennoch kann man sich auf lückenlose Unterhaltung freuen, die Einem nicht loslässt.
Die gut konstruierte Story mit einigen Überraschungen und das hohe Tempo können Klischees, sowie einige dramaturgische Untiefen locker übertünchen. In der zweiten Halbzeit geht durch die Action ein bisschen der Thrill verloren, trotzdem kann Littles Film stets überzeugen und mit guter Action aufwarten. Darstellermäßig sieht es auch ordentlich aus.