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„Mord im weißen Haus“ entpuppt sich als unterhaltsames Vehikel für Wesley Snipes – hier unter der Regie von Dwight H. Little.
Harlan Regis (Wesley Snipes) ist ein cooler Cop bei der Mordkommission. Nichtsdestotrotz hilft er gerne einigen Kollegen einer anderen Abteilung, einen Selbstmörder ruhig zu stellen – indem er diesen fast K.O. schlägt. Seine einzige Sorge ist die Tatsache, dass eine staatliche Organisation den Block, in dem sich seine Wohnung befindet, in ein Parkhaus verwandeln will. Damit wäre Harlan Regis ein typischer Wesley Snipes Charakter – zwar nicht so gut ausgearbeitet wie andere seiner Figuren, aber immer noch ein sympathischer Held.
Dann wird Harlan auf einen Mord der ganz besonderen Art angesetzt: Eine Angestellte des weißen Hauses wurde in eben diesem Gebäude ermordet. Dort angekommen muss er sich schnell daran gewöhnen, dass er nur geduldet wird und die Angestellten des Secret Service ihm nahezu Beweismittel vor der Nase beschlagnahmen. Hiermit wäre auch schon der besondere Reiz an „Mord im weißen Haus“ angesprochen: Das Szenario und dessen Eigenheiten, wenn die Angestellten des weißen Hauses versuchen bei der Aufklärung des Mordes eigene Interessen zu wahren.

Als Aufpasserin wird Harlan die Secret Service Agentin Nina Chance (Diane Lane) zur Seite gestellt. Als das weiße Haus beginnt Angelegenheiten zu vertuschen und falsche Fährten zu legen, beginnt auch sie misstrauisch und unterstützt Harlan bei seinen Ermittlungen. Doch ihr Gegner erweist sich als mächtig und versucht zu verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.
Der Plot von „Mord im weißen Haus“ ist recht spannend, auch wenn der totale Nervenkitzel ausbleibt. Vor allem die Wendungen des Drehbuchs sind glaubhaft wie überraschend und es werden geschickt falsche Fährten gelegt. Auch der Wandel Ninas von der ergebenen Agentin zur wahrheitsliebenden Ermittlerin ist nachvollziehbar gestaltet. Leider hat der Plot ein Spannungstief vor dem Auffinden der finalen Fährte, was den Unterhaltungswert etwas mindert.
Auch wenn die Geschichte vom Kampf eines Einzelnen für die Wahrheit und gegen das System schon oft erzählt wurde, kann „Mord im weißen Haus“ durch sein Szenario der Story noch ein paar neue Seiten abgewinnen. Denn bei den Ermittlungen an einem derartigen Ort kommen noch die Geheimhaltung und der Schutz des Präsidenten dazwischen, was möglichen Tätern im weißen Haus natürlich Möglichkeiten zur Vertuschung gibt.

Ganz ohne Action kommt ein Wesley Snipes Film nicht aus und so gibt es auch hier ein paar kurze Actionszenen. Dabei sind diese Fights und Shoot-Outs allerdings nur sehr kurze Einlagen in der Thrillerhandlung. Doch die wenigen Auseinandersetzungen sind gut gemacht, was keinen Grund zum Meckern gibt (aber man darf eben keinen Actionfilm erwarten).
Auch wenn Wesley Snipes keine Höchstleistung erbringt, so gibt er den Helden doch glaubhaft und sympathisch. Diane Lane erweist sich als Glanzpunkt: Zum einen ist sie eine wunderschöne Frau, zum anderen kann sie in ihrer Rolle voll und ganz überzeugen. Dabei darf sie ebenso kämpferisch auftreten wie Snipes, was zu ihrer Rolle passt (und nicht als Kleiderständer rumstehen wie andere Frauenrollen in Actionfilmen). Die restlichen Darsteller, die meist die undurchsichtigen und unsympathischen Angestellten des weißen Hauses geben, können ebenfalls überzeugen.

„Mord im weißen Haus“ ist ein guter und spannender Thriller, aber leider nimmt das Spannungsloch einen Teil des Tempos. Drehbuchautor Wayne Beach schrieb mit „Art of War“ übrigens einen ähnlichen Snipes Film – wobei „Art of War“ noch besser und actionreicher ist.

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