Etwa ein bis zweimal im Jahr, natürlich kurz vor Weihnachten, darf es auch ein bisschen kitschig werden. Dazu bedarf es doch nur der rührseligen Geschichte um das berühmtes Rentier von Santa Claus: Rudolph mit der roten Nase.
Und wenn da nicht gar so viel gesungen würde, könnte es das kindliche Gemüt sogar durchweg erfreuen.
Die Animation ist schlicht, aber effektiv und angemessen bunt, in der die Geschichte des Rentiers umgesetzt wurde.
Wir erleben die Kindheit von Rudolph, Hohn und Spott wegen seiner Nase, die in emotionalen Momenten unkontrolliert rot aufleuchtet, erfahren, wie er die gleichaltrige Zoey kennen lernt, beim Rennen um den Posten als Santas Schlittentier eine Schmach erleidet, die ihn für einige Zeit in ein Versteck treibt.
Hier lernt er in einer Höhle einen Fuchs (Thomas Fritsch) und einen Polarbären kennen, die ihm später dabei helfen müssen, Freundin Zoey aus der Gefangenschaft der intriganten Eiskönigin zu befreien.
Knuffig, wenn auch zuweilen etwas stark auf die ganz jungen Zuschauer zugeschnitten, wird einem eine bunte Weihnachtswelt am Nordpol vorgestellt, mit Zwergen und Trollen in der Geschenkefabrik, den vier Feen des Nordlichts, die ab und an unseren jungen Helden begleiten, natürlich dem Weihnachtsmann (Wolfgang Völz) und seiner Frau und als obligatorische Seite des Bösen, die Eiskönigin Stormella (Nina Hagen), die mit ihrem Zauberstab alles Mögliche zu Eis verwandeln kann und nur darauf wartet, dass jemand unbefugterweise ihre Eisbrücke betritt.
Prinzipiell sind alle notwendigen Zutaten enthalten: Eine Botschaft für die kleinen Zuschauer, denn jeder, der äußerlich etwas abnorm erscheint, kann dadurch auch eine entsprechende Liebenswürdigkeit ernten. Ein wenig Humor, etwa, als zwei Trolle unter einem Berg von Briefen an Santa verschüttet werden oder Fuchs und Rudolph den Polarbären als Bürokraten getarnt aus seiner Höhle vertreiben wollen und natürlich auch die sentimental nachdenklichen Momente, eigentlich immer dann, wenn Rudolph aufgrund des Spotts leidet.
Dazu spannende Szenen im Zusammenhang mit der bösen Eiskönigin mit Schlüssel klauen und jemanden von einem tiefen Abhang hochziehen und natürlich ein farbenfrohes Happy End.
All das könnte (zumindest mit Kitsch Bonus zu den Feiertagen) so friedfertig entspannend wirken, wenn nicht die zahlreichen Songs auf Dauer reichlich nervten.
Denn bei der VHS-Fassung lässt sich nun mal nicht auf englische Tonspur wechseln, so dass es zu zahlreichen musikalischen Verfehlungen kommt, die wie billig produzierter Deutsch-Schlager klingen, zumal einige Sprecher zwar mit markanten Stimmen überzeugen, nicht jedoch mit ihren Sangeskünsten.
Einzig positive Ausnahme bildet Nina Hagen mit ihrem herrlich intoniertem “Ich hasse Santa Claus”, was in seiner illustren Form am ehesten einem gut gemachten Musicalbeitrag gleichkommt.
Ansonsten hätten einige Songs weniger die Handlung wesentlich flotter vonstatten gehen lassen und den positiven Gesamteindruck nicht so deutlich beeinträchtigt.
Es bleibt aber ein angemessen weihnachtlicher Kinderfilm für die ganze Familie, bei dem Puristen nicht so sehr auf die etwas detaillose Zeichenumsetzung (fällt besonders bei einer Lawine auf) achten sollten, sondern sich eher am herzerwärmenden Geschehen erfreuen sollten, das Gefühl, Spannung, Humor und Nachdenkliches in sich vereinigt.
Zu empfehlen für den Nachmittag vor der Bescherung,
6,5 von 10