Dave Robicheaux (Tommy Lee Jones) ist trockener Alkoholiker und Polizist in einer Kleinstadt irgendwo in Louisiana. Als eines Tages ein Filmteam in die Stadt kommt überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Mehrere Frauenleichen werden entdeckt und zu allem Unglück taucht auch noch die Leiche eines vor 40 Jahren verschwundenen Schwarzen im Sumpf auf.
Hat der sich mittlerweile als Filmproduzent ausgebende Mafia-Gangster Balboni (John Goodman) mit den Frauenmorden zu tun? Oder geistert ein irrer Killer durch das Bayou?
Im Verlauf der Ermittlungen verlieren dann auch noch einige andere Personen das Leben und Robicheaux erhält Beistand und Trost durch einen längst verstorbenen Südstaaten-General.
Wer sich von Bertrand Tavernier`s „In The Electric Mist“ nun einen Hollywood-Thriller mit all den typischen modernen Zutaten wie Tempo, Blut und Action erwartet, der ist hier sicherlich absolut falsch.
Der französische Regisseur geht vielmehr den eher gegensätzlichen Weg. Statt auf Tempo setzt er vielmehr auf eine eher gemächliche Gangart, die auch mehr dem Lebensstil im Süden der USA entsprechen dürfte. Gewalt bzw. Action finden zwar statt, sind aber niemals auf den blossen Schaueffekt hin inszeniert und daher auch nicht unbedingt als spektakulär zu bezeichnen. Und sowas wie die heutzutage oftmals eingesetzten Wackelkamerabilder und hektischen Schnittechniken gibt’s hier ebenfalls nicht zu sehen.
Tavernier liefert dafür einen geradezu altmodisch und ruhig inszenierten Film ab, der aber dennoch ganz angenehm aus der üblichen Massenware heraussticht, sofern man sich denn auf ihn einlassen will.
In Tommy Lee Jones hat Tavernier zudem einen Hauptdarsteller gefunden, der seine Rolle wirklich gut und glaubhaft verkörpert. Und seine Szenen mit den alten General sind für mich sowieso fast die besten des Films, auch wenn ich nicht unbedingt verstanden habe, weshalb er am Ende des Films zusammen mit dem General auf dem Foto zu sehen ist.
Neben Jones wird hier ein ganz ordentlicher Cast aufgefahren, es gibt z.B. ein Wiedersehen mit John Goodman, der den Gangster Balboni spielt und auch Mary Steenburgen als Robicheaux`s Frau. Ausserdem wären da noch Ned Beatty als zwielichtiger Raffinerie-Besitzer und Peter Sarsgaard als Schauspieler Sykes.
Leider jedoch gibt das Drehbuch diesen Charakteren oftmals entweder zuwenig Tiefe, Sinn, Screentime oder eine Mischung daraus. Steenburgen und Beatty spielen zwar gut, haben beide aber zuwenig Screentime und im Falle von Beatty fehlt eben auch die nötige, tiefere Charakterisierung.John Goodman ist auch nicht gerade durch opulente Screentime vertreten und seine Figur kommt dabei auch noch alles andere als glaubhaft rüber. Immerhin ist man schon froh ihn nach längerer Zeit wieder mal auf der Leinwand sehen zu können, auch wenn er mittlerweile mehr wie ein Zerrbild seiner (früheren) selbst aussieht. Und Peter Sarsgaard, der eigentliche Nobody im Cast? Er steht eigentlich schauspielerisch vor der leichtesten Aufgabe und hat bloß den ständig besoffenen Hollywood-Star zu spielen, der permanent über Leichen stolpert. Was er auch ganz ordentlich macht, bloß dummerweise hat ihm das Drehbuch einen Stolperstein in Form seiner Abkehr vom Alkohol auf den Leib geschrieben, die der arme Mann nur leidlich vermitteln kann.
Hier sind wir dann auch schon bei den Schwachpunkten des Films angekommen. Und die liegen eigentlich alle im Bereich des Drehbuchs. Während die Schilderung des Milieus noch sehr gut rüberkommt, wirken einige Charaktere wie eben Balboni und Sykes etwas zu künstlich bzw. unglaubwürdig oder kommen wie der von Ned Beatty einfach zu kurz. Dazu gesellen sich dann noch einige kleine Längen im Storyverlauf und der ganze, sowieso nicht gerade massenkompatibel angelegte Streifen liegt in puncto Veröffentlichung in Deutschland erstmal auf Eis!
Fazit: Auch wenn „In The Electric Mist“ nicht unbedingt den modernen Sehgewohnheiten entsprechen will und an manchen Stellen/bei manchen Charakteren etwas mehr Sorgfalt bzw. Tiefgang vermissen läßt, kann ich den Film doch ganz gut weiterempfehlen. Sicherlich kein Meisterwerk, aber dennoch sehenswert und unterhaltsam!