Review

Deutsche Nachwuchsregisseure sind nicht etwa selten geworden, - man hört nur weniger etwas von ihnen, wenn ihr Debüt eventuell in den Vorschränken eines Nischenkinos verstaubt.
Lars Henning Jung, der für die Filmakademie hiermit sein Diplom ablieferte, beschert uns ein dreckiges Psycho-Drama, welchem bewusst ein später Sendetermin im Fernsehen eingeräumt wurde und durchaus für Kontroverse sorgt.

Im Zentrum steht eine sechsköpfige Jugendclique, die ein letztes gemeinsames Wochenende in einem heruntergekommenen Ferienhaus am See verbringen will.
Die Atmosphäre ist mies, bereits während der Hinfahrt, doch die brodelnde Stimmung einiger kann nur zwangsläufig in der Eskalation von Gewalt münden.

Vorweg: Von den sechs Personen mag man niemanden so recht. Der Egomane Strecker (Vinzenz Kiefer) gibt sich von Beginn an verabscheuungswürdig, kennt keine Gefühle wie Zuneigung oder gar Liebe, behandelt Frauen mies und stachelt seine Kumpels an. Wie etwa Betz (Tobias Schenke), der mit seiner kleinen Kamera herumfuchtelt, bei den Mädels aber völlig unsicher ist oder Sören (Christian Polito), der sich zwar mit Wikinger-Mythen auskennt, in der Gruppe aber kaum Anerkennung findet. Demgegenüber sind die Rollen der Mädels schlichter gestrickt: Eine schüchterne Jungfrau, die Ex des Anführers und die Neue des selbigen, die sich unter Beleidigungen und Erniedrigungen aushalten lässt.
Als die schüchterne Maike (Alice Dwyer) nur so zum Spaß einem Rollenspiel ausgesetzt wird, deutet dies bereits eine Tendenz an…

...denn obgleich man ahnt, dass es im letzten Drittel zum Ausbruch von roher Gewalt kommen dürfte, brodelt es lange Zeit ein wenig fahrig vor sich hin und lediglich den ausgezeichneten Darstellern mit ihrem authentisch wirkendem Auftreten ist es zu verdanken, dass die Sache einigermaßen in Beschlag nimmt.
Letztlich geht es um Manipulation, um Misstrauen und um die pure Lust am Sex.
Nicht selten wird beiläufig übers Ficken in allen Variationen gesprochen, wobei Beleidigungen unter der Gürtellinie mit unsittlichem Verhalten einhergehen, - wie gesagt, man mag die Typen nicht, die keinen Background erhalten und die man im Jetzt und Hier einfach nicht sympathisch finden kann.

Somit fehlt es auch lange Zeit an auffallenden Vorgängen, einer Dramaturgie, die mitreißt.
Die Abscheu gegenüber einigen Szenen vermag nicht komplett ans Geschehen binden und auch das tadellose Handwerk in Sachen Kamera und Schnitt täuscht nicht über langsames Vorankommen auf inhaltlicher Ebene hinweg.
Hier mal brachial ausgeführter Sex, da mal eine zaghafte Annäherung, eine vage Aussprache oder eine weitere Manipulation, - alles im Rahmen des Glaubhaften und der allgemeinen Gruppendynamik, man erhält jedoch lange Zeit nur eine Bestandsaufnahme.

Das ändert sich jedoch im letzten Drittel, als ein bestimmtes Ereignis das wahre Gesicht einiger Teilnehmer zum Vorschein kommen lässt.
Zwar werden dadurch nur gewonnene Vorkenntnisse gestärkt, was die Figurenzeichnungen betrifft, doch anhand der finalen Aussage wird nur allzu deutlich, unter welchen Vorraussetzungen manche Figuren dieses gemeinsame Wochenende angegangen sind.

Als Jugendstudie durchaus glaubhaft und phasenweise intensiv gespielt, im Umkehrschluss hingegen zu sehr um Authentizität bemüht, um erst ganz zum Schluss mit einer brauchbaren Message zu kommen.
6 von 10

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