Review

„Sie sind auf übersinnliche Vibrationen eingestellt!“

US-Low-Budget-Genre-Regisseur David DeCoteau begann seine Karriere Mitte der 1980er mit Hetero- und Schwulen-Pornos und stieg schließlich ins Direct-to-Video-Geschäft ein, um unzählige trashige Billigheimer u.a. für die „Full Moon“-Schmiede zu realisieren. Mir war er bisher als Regisseur von Filmen wie „Killer Eye - Experiment des Grauens“, „Witchouse“ und „Talisman“ bekannt. Für den nun zur Rezension vorliegende „Nightmare Sisters“, ein für den Videothekenmarkt produzierter Mix auf Erotik, Horror und Komödie, versammelte er die Scream Queens Linnea Quigley, Brinke Stevens, und Michelle Bauer vor der Kamera. Entstanden ist der Film innerhalb von vier Tagen im September 1987 mit einem Budget von ca. 40.000 Dollar in der Wohnung des Produzenten und diente als Resteverwertung nach den Dreharbeiten von DeCoteaus „Sorority Babes in the Slimeball Bowl-O-Rama“. Die Darstellerinnen kümmerten sich selbst um ihr Make-up und ihre Kostüme, wobei sie letztere recht schnell wieder ablegen durften… Im Folgenden erlaube ich mir, die gesamte Handlung zu verraten, da es mir für den Filmgenuss unerheblich scheint, ob sie bereits bekannt ist oder nicht.

„Vielleicht sollten wir ihnen den Magen auspumpen?“

Der Prolog: Amanda (Sandy Brooke, „Sledgehammer“) sucht Wahrsager Omar (Michael Sonye alias Dukey Flyswatter, „Surf Nazis Must Die“) auf und befragt ihn nach ihrem verschwundenen Mann. Omar stellt Kontakt zu diesem her und weiß zu berichten, dass der Vermisste sich mit einer Dämonin eingelassen habe, welche ihn beim Oralverkehr gebissen und in Staub verwandelt habe. Während Amanda sich noch wundert, schießen urplötzlich Dämonenklauen aus der Kugel und reißen Omar den Kopf ab. Schnitt, Vorspann und Ortswechsel: Amanda spielt fortan keine Rolle; wir lernen stattdessen die College-Studentinnen Mickey (Michelle Bauer, „Hollywood Chainsaw Hookers“), Marci (Brinke Stevens, „Jäger der verschollenen Galaxie“) und Melody (Linnea Quigley, „Return of the Living Dead“) kennen, drei notorisch untervögelte, unattraktive Mauerblümchen mit diversen Macken. Eine von ihnen ist ein Messie und schleppt permanent Flohmarktkrempel an, darunter (mutmaßlich neben diversen Filmen DeCoteaus…) die Kristallkugel Omars.

Da sie das Verbindungshaus am Wochenende für sich allein haben, laden sie drei der größten Verlierer am Collage zu einer Party ein – allerdings erst nach einer unfassbar langen, starren Füll- und Streckszene, in der die Mädels sinnfreien Stuss plappern. Als nach einer lahmen Party und missglückten Twister-Partie endlich die Kristallkugel zwecks Seance eingesetzt wird, ist der Film bereits fast zur Hälfte vorüber. Prompt meldet sich der Wächter der Kristallkugel und die Studentinnen verwandeln sich in Oben-ohne-Sexbomben. Nichts Böses ahnend begeben sich drei Strickjackenschönlinge aus der Verbindung des Loser-Trios, die jenes in einer Tour piesacken, zur Party, bespannen die nackten Tatsachen und wollen ihren Teil vom Kuchen abhaben. Die sexy Dämoninnen nehmen kichernd ein Bad, seifen sich gegenseitig ein und versuchen, die Streber zu verführen. Diese werden jedoch von den fiesen Sunnyboys gekidnappt, welche nun deren Position einzunehmen gedenken. Die Dämoninnen schlüpfen in verschiedene Fetisch-Rollen wie Schulmädchen, Tarzans Jane und Hardrock-Sängerin (inkl. Gesangseinlage Quigleys, die einen Song ihrer Band The Skirts aufführt!) –, beißen den Fieslingen ihre Schwänze ab und lösen sie Asche auf.

Die geladenen Gäste können sich schließlich befreien und rufen einen Exorzisten herbei (wie andere einen Schlüsseldienst). Der Mann vom Fach diagnostiziert einen Sukkubus, fängt die Besessenen ein und waltet seines exorzierenden Amtes, bis der Dämon sich zeigt und aussieht wie ein ausgemergelter Iron-Maiden-Eddie. Das Blondchen weiß, was zu tun ist: Die Kugel muss zerstört werden. Gesagt, getan, Happy End.

„Nightmare Sisters“ ist unheimlich… Nämlich unheimlich albern, billig gemacht und niveaulos. Studentenverbindungsquatsch, ausgefallene Mode (Freddys Hemden!), Diskontmasken, wenig schockierende Spezialeffekte und Dialoge wie im Porno. Die schauspielerischen Leistungen der männlichen Pro- und Antagonisten sind nicht der Rede wert. Dafür handelt es sich bei den Damen jedoch um halbwegs erfahrene Genre-Darstellerinnen, die zudem auch unbekleidet eine gute Figur machen und ebenso wie der Hardrock-lastige Soundtrack (neben The Skirts darf Omar-Darsteller Flyswatters Band Haunted Garage für die musikalische Untermalung herhalten) dazu beitragen, dass „Nightmare Sisters“ nicht einfach nur ärgerlicher Scheißdreck ist, mit dem man in den Videotheken auf Bauernfang ging, sondern tatsächlich über einen gewissen Unterhaltungswert für Freunde des schlechten (aber wirklich schlechten) Geschmacks verfügt – und möglicherweise ein gefundenes Fressen für jene Genre-Nerd-Spezies darstellt, die ihre Scream Queens am liebsten nackig sehen (jedem seinen Fetisch). Von einem in irgendeiner Hinsicht ambitionierten Film ist „Nightmare Sisters“ jedoch ebenso weit entfernt wie sein Regisseur von einer Oscar-Nominierung.

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