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Der gerissene Frauenmörder, der L.A. erschüttert, geht bei seinen Bluttaten offenbar nach einem bestimmten Schema vor. Die ratlose Polizei stellt ihrem härtesten Fahnder die junge Sally Powers an die Seite. Ihre übernatürliche Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, bringt sie jedoch auch in eine lebensgefährliche Rolle: sie ist das perfekte Opfer.

So sehr ich auch den guten Wes Craven als Regisseur schätze, von seinen Ausflügen ins Fernsehformat war ich bisher doch ziemlich enttäuscht. Nach dem bestenfalls langweilig soliden Chiller nimmt er sich hier der Murder Mystery rund um einen Serienkiller an und ist so leider wieder weit weg vom Horrorgenre gelandet, was ihm für meine Begriffe einfach am besten liegt. Irgendwie wirkt das TV-Metier mehr wie ungeliebte Auftragsproduktionen, die man einfach für das nächste Wunschprojekt hinter sich bringen muß und auch in den Jahren entstanden sind, als mal eben ein Kinofilm rauskam. Angeblich sollte Night Visions ja der Pilot zu einer kompletten Fernsehserie werden, die aber dann nicht ganz unverständlicherweise danach nie realisiert wurde, es sei denn man zählt „Profiler“ als solche, die zumindest thematisch passen würde, aber meines Wissens eigenständig ist.
Worum geht’s. Wir haben hier einen Cop mit eindeutigem Aggressionsüberschuß, eine frisch von der Uni kommende medial begabte Profilerin (oder so was ähnliches) mit Erfahrungsunterschuß und einen Serienkiller mit Frauenüberdruß, der als persönliche Visitenkarte seine Opfer mit gespreizten Beinen zurückläßt, allerdings ohne vorher mit denen die üblichen schmutzig bösen Sachen zu machen. Zu Beginn ist das noch sehr amüsant. Cop Thomas der Harte hat ein paar nette Sprüche auf Lager und auch der erste Ausflug mit der eher schüchternen Sally macht zumindest aus Buddy Sicht Spaß, allerdings verfliegt dieses anfängliche Interesse zusehends, als sich die Story doch mehr und mehr auf die junge Psychologin konzentriert.
So wird dann vage angerissen, das ihre Familie selbst in jungen Tagen komplett dahingemeuchelt wurde, sie übersinnliche gaben hat mit Visionen und so etwas wie Hellsichtigkeit und sogar eventuell selbst als Täterin in Frage kommt. Allerdings läßt der Film solche Sachen ebenso schnell wieder fallen, wie sie gekommen und sollten vermutlich später im Serienformat noch vertieft werden. So aber wirken diese Subplots, als hätte sie das Drehbuch schlicht vergessen. So geht die Formkurve des Films leider stetig bergab und gipfelt in einem einfach schwachen und unspektakulären Showdown. So bleibt einfach ein mauer Crime Thriller, der weder in Sachen Action, dynamischen Ermittlungen oder wenigstens Mystery Aspekten wirklich punkten kann.
4/10

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