„Wes Cravens Night Visions“ ist ein ziemlich schwacher TV-Thriller, obwohl der Spannungsspezialist selbst Regie führte.
Schauplatz ist L.A., das Szenario bekannt: Ohne vorerst erkennbares Schema ermordet ein Psychopath Frauen in der Stadt. Dabei sind sogar seine Methoden und Vorgehensweisen jedes Mal unterschiedlich, sodass sich die Polizei noch nicht mal sicher ist, ob es sich dabei um denselben Täter handelt. In der Auftaktsequenz darf auch direkt das erste Opfer dran glauben, aber besonders spannend ist das Ganze nicht gemacht.
Natürlich wird erstmal der Falsche verhaftet, in diesem Falle der Freund des Opfers, der sich kurz vor dem Mord mit ihr gestritten hatte. Die Untersuchung führt der Cop Tom Mackey (James Remar) durch, was immerhin etwas frischen Wind in den Film bringt. Denn Mackey ist herrlich ruppig und großkotzig, was für etwas Erheiterung sorgt.
Da aber auch Mackey keine Resultate bringt, stellt man ihm das Partnerin Sally Powers (Loryn Locklin) zur Seite, die direkt von der Uni kommt und dort Bestnoten erzielte. Mackey wehrt sich dagegen mit einem Frischling arbeiten zu müssen (nützt natürlich nix). Was er aber nicht weiß: Sally ist übersinnlich begabt und kann sich in die Psyche des Mörders hineinversetzen…
Mit diesem Filmchen hat sich Craven keinen großen Gefallen getan, denn trotz seines Namens im Filmtitel ist hier nur ein recht langweiliger TV-Krimi bei rumgekommen. Das Motiv hinter den Morden ist mäßig originell, was ja nicht so schlimm wäre, wäre die Killerhatz spannend. Doch stattdessen schleicht man hier von Tatort zu Tatort, kommt in der Anfangsphase immer zu spät, ehe man am Ende den richtigen Riecher hat. Wer der Killer ist, ist dermaßen offensichtlich, dass man echt schon sehr unaufmerksam sein muss, um die Anzeichen dafür nicht zu erkennen.
Versuche, die Spannungsschraube anzuziehen, scheitern meist. So kommt nie ein bedrohliches Gefühl auf, wenn Cops und Mörder gleichzeitig am potentiellen Tatort sind und einander ein Schnippchen schlagen wollen und auch das Finale ist so kurz wie unoriginell. Optisch kann der Film auch nichts Aufregendes bieten und auch Effektfans gucken trotz Craven gewaltig in die Röhre.
Die Figur der Sally ist mäßig erdacht: Wie so häufig in diesem Genre ist sie etwas neben der Spur, weil ein Serienmörder in ihrer Jugend ihre Eltern tötete und sie beinahe (war natürlich Auslöser für ihren Berufswunsch). Ihre Gabe wird nicht erklärt und es bleibt genauso unverständlich, warum sie niemandem davon erzählt. Lediglich der Charakter des Tom Mackey ist ein Lichtblick: Ruppig, knallhart und respektlos, was zu einigen witzigen Sprüchen sowie durchaus amüsanten Wortgefechten mit Sally führt. Hätte man den Buddyaspekt noch erweitert, dann wäre weitaus mehr drin gewesen.
B-Filmdarsteller James Remar liefert hier eine durchaus akzeptable Leistung ab und auch Loryn Locklin ist ganz OK, obwohl sie mit ihrer schwachen Rolle zu kämpfen hat. Die Nebendarsteller, darunter auch Mitch Pileggi, sind ebenfalls auf ganz gutem TV-Niveau.
Für die Verhältnisse recht gute Darsteller und die gut erdachte Hauptfigur können leider kaum darüber hinwegtäuschen, dass „Wes Cravens Night Visions“ ein ziemlich lahmer Krimi ist.