Review

Beim Untertitel „Die Jagdsaison hat begonnen“ werden an sich klare Marschrichtungen vorgegeben: Survival-Thriller mit dem Inhalt, dass Teens von bösen Wichten wie Freiwild durch eine verlassene Gegend gehetzt werden.
Der Ansatz, von diesem Grundschema ein wenig abzuweichen ist nicht verkehrt, wenn man ausgleichend etwas Fesselndes einzubringen weiß. Doch neben glaubhaften Akteuren kann dieser Stoff in zu wenigen Momenten Akzente setzen.

Grund für eine Entführung ist das simple Motiv der Rache: Sully (C. Thomas Howell) verlor seine schwangere Frau durch einen tödlichen Schuss eines Sheriffs, dessen Tochter Toni er nun mithilfe zweier Kumpane entführt hat. Doch versehentlich geraten insgesamt fünf junge Menschen in die Gewalt der Gangster, dessen Plan immer mehr aus dem Ruder läuft, spätestens, als den Gefangenen die Flucht in die Einöde gelingt…

Wer an dieser Stelle große Naturpanoramen, perfide Fallen, massive Gegenwehr und trickreiche Verfolgungen erwartet, wird bereits nach einer halben Stunde reichlich gelangweilt, oder zumindest irritiert aus der Wäsche gucken.
In Ruhe werden sämtliche Charaktere eingeführt, ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Gangstern und ihren Vorbereitungen, aber auch auf Toni, die aus Gründen späteren Heldentums das Trauma der verunfallten Mutter angehängt bekommt.
Als sie und Gangsterboss Sully im Diner aufeinander treffen und er ein leicht philosophisch angehauchtes Gespräch beginnt, ist das für spätere Momente zwar nicht ohne Bedeutung, doch zuviel Zeit geht für eine Entwicklung drauf, die viel Redundanz und noch mehr Dialoglast beinhaltet.

Ein Streich während einer Sauffeier ist völlig ohne Belang, daneben bekommt der versoffene Sheriff zu wenig Background und auch die Ereignisse der Vergangenheit zeigen zu wenig auf, wie es familiär um Tonis Umfeld steht. Selbst die Erklärungen eines Lehrers über Darwins Überlebenstheorien erweisen sich entgegen aller Erwartungen im späteren Verlauf als nichtig.
Darüber hinaus gelangen die letzten beiden Opfer viel zu spät in die Gewalt der Verbrecher, obgleich sich einer von beiden mit geschickten Plänen und Übersicht im planvollen Vorgehen herauskristallisiert, mangelt es auch hier an Charaktertiefe.

Was als deutlichstes Manko auffällt, ist der unrunde Verlauf, da selbst innerhalb der Szenen in der Natur, die sehr spät einsetzen, kaum Konfrontationen entstehen. Zwar finden sich dort kleinere Höhepunkte wie ein waghalsiger Sprung in einen Fluss und einige Versteckszenen weisen ein gelungenes Timing auf, doch gerade hiervon hätte man letztlich gerne mehr gesehen, zumal die Fieslinge absolut glaubhaft erscheinen und ihre Skrupellosigkeit durch einige Aktionen untermauern.
Doch bis zuletzt bleiben Temposzenen Mangelware, die Naturkulisse kommt fast gar nicht zur Geltung und im Kontext ihres Erscheinungsbildes bleiben die Aktionen der Schurken reichlich blass.

Hier fehlt die Rasanz, die einen typischen Natur-Flucht-Gegenwehr-Film ausmacht und obwohl die Grundidee eine andere Betonung zu verfolgen sucht, bleibt diese mangels Ausarbeitung auf halber Strecke liegen, selbst während des harmlosen Showdowns.
Als Freund solcher Hetzjagden durch die Natur will man solche Streifen grundlegend mögen und versucht diesen immer das Positive abzugewinnen, was bei diesem Verlauf stellenweise schwer fällt, gerade weil gute Ansätze vorhanden sind, die das vorhandene Potential erkennen lassen.

Da man sich die Hälfte der Zeit fragt, wann es endlich losgeht und die übrige Zeit damit beschäftigt ist, mit den Verfolgten mitzufiebern, fällt das Gesamtergebnis nicht gänzlich unbefriedigend aus, doch ausgewogen erscheint dieses Debüt nicht.
Darstellerisch im oberen Mittelfeld bewegen sich Action, Spannung und Atmosphäre leider weit darunter und wer nach typischen Verlaufsmustern eines Survival-Thrillers sucht, findet Material auf Sparflamme gekocht vor.
Nicht unsympathisch inszeniert, aber beileibe nicht genug, um auf höherem Niveau zu unterhalten.
5 von 10

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