Wenn ein Film wie "Big Game" für etwas gut ist, dann dafür, dass man daran erkennen kann, dass es nicht genügt, eine Idee für eine Story zu haben, sondern das eine Unmenge weitere Details beachtet werden sollten. Der Story selbst haftet der Charakter vieler Erstlingswerke an, in denen der Regisseur auch als Drehbuchautor auftritt - man will etwas Besonderes anbieten, etwas bisher nie Dagewesenes. Doch anstatt sich wirklich etwas Neues auszudenken, fügte Steven Dieveney einfach Klischees mehrerer Genres zusammen und fabrizierte damit eine Story, die an Oberflächlichkeit schwer zu überbieten ist.
Das sich daraus in der ersten Hälfte des Films auch eine gewisse Spannung ergibt, ist deshalb weniger der Story an sich geschuldet, sondern das es dem Betrachter lange Zeit schwerfällt die geschilderten Dinge in einen schlüssigen Zusammenhang zu bringen. Steven Dieveney ist nicht der Erste, der durch das Weglassen von Erklärungen zuerst Neugier wecken kann, aber ein solcher Film steht und fällt dann mit der späteren Auflösung und in dieser Hinsicht hat "Big Game" nur wenig zu bieten.
Zu Beginn entwickeln sich zwei parallele Storylinien. In einer eher an realistische Dramen erinnernden Optik wird Sully (C. Thomas Howell) von seinem Bruder Luke (Christopher Showerman) am Gefängnis abgeholt, um gemeinsam zur heruntergekommenen Wohnung eines weiteren Bruders, Pickle (John Deignan), zu fahren. Diese Szene bietet die übliche Dreierkonstellation : der Anführer und Kopf der Truppe, der kaltblütig die Planung durchzieht, der etwas verrückte, gewalttätige Kerl, der sich nicht immer unter Kontrolle hat, und der im Grunde brave, aber geistig minderbemittelte Typ, der sich gegen die Anordnungen der Anderen nicht wehren kann. Sully hat etwas vor, bei dem es Geld zu verdienen gibt, aber er weiht seine Brüder nicht in den Plan ein.
Die andere Storylinie beginnt in einer Highschool, während des Unterrichts. Der Lehrer erzählt etwas von Darwin, stört das Liebesgeflüster eines Pärchens und tröstet ein sehr traurig wirkendes Mädchen, dass selbst kein Wort sagt. Es handelt sich um Toni (Haley Webb), der etwas Schreckliches widerfahren sein muß, und die auf dem Flur von einem anderen Mädchen gefragt wird, ob sie mit ihr zusammen zu der Party von Chaz (Mike Horton) gehen will, einem angesagten Sportler der Highschool. Sie willigt ein, ebenso wie drei Nerds, die auch überraschend eingeladen werden und dabei auch noch als cool bezeichnet werden. Schon diese Szenerie ist in ihrem Zitieren unendlich vieler Highschool-Filme so idiotisch, dass es nicht überrascht, dass die Party-Szenen selbst noch etwas draufsetzen.
Chaz behauptet, er könnte drei Männer auf einmal hochheben, und den drei Nerds fällt gar nicht auf, dass es ausgerechnet sie sind, die dafür inmitten des saufenden und gröhlenden Partyvolks auserkoren werden. Als dann noch zufällig Toni und ihre weibliche Begleitung (die später als "Lesbe" beschimpft wird) eintreffen, dürfen sie sich gleich dazu gesellen, denn jetzt will Chaz sogar fünf Personen hochheben. So blöd kann keiner sein, sich für so etwas herzugeben (oder auch nur in Betracht zu ziehen, dass er das könnte), aber das erwartete Ergebnis spielt letztlich keine Rolle in dem Film. Außer das Chaz ein unsympathischer Typ ist, was schon nach Sekunden zu erkennen war (und entsprechende Konsequenzen für ihn haben wird), wird keinerlei Zusammenhang zur sonstigen Story des Films erkennbar. Für eine Charakterisierung der Protagonisten sind diese Szenen zu oberflächlich, aber sie sind symptomatisch für den Film, der viele Genres klischeehaft zitiert, ohne sie wirklich in die Story zu integrieren.
Kurz zuvor war es zu einer ersten Berührung zwischen den zwei Handlungssträngen gekommen, als Sully die einsame Toni in einem Cafè anspricht. Die Sequenz, die zu den wenigen Höhepunkten des Films gehört, verdeutlicht, welche Möglichkeiten der Film nicht nutzt. Sully entwickelt in diesem Moment tatsächlich so etwas wie eine unterschwellig gefährliche Anziehungskraft und als er Toni dazu bringt, sich mit ihm gemeinsam fotografieren zu lassen, entsteht eine ambivalente Situation, deren Ausgang nicht vorherzusehen ist. Doch dieses Versprechen kann der Film danach keinen Moment mehr einlösen, sondern entwickelt ein Konglomerat aus Unwahrscheinlichkeiten, typischen Verhaltensmustern und einseitig, vorhersehbaren Abläufen, dass es graust - abgesehen davon, dass auch die Actionmomente an Dilettantismus kaum zu überbieten sind und sich wirklich spannende Momente nicht mehr einstellen. Die Tötungen einiger Protagonisten sind geradezu amateurhaft (Bauchschuss aus dem Nichts, Ertrinken durch das kurze Zeigen von Luftblasen).
An der Figur von Sully lassen sich die Lieblosigkeiten und Inkonsequenzen in der Figurenzeichnung auf den Punkt bringen. Zuerst als eiskalter Kerl hochstilisiert (man fragt sich, warum der Killer, vor dessen Gefährlichkeit die Polizei ausdrücklich warnte, nur zwei Jahre im Gefängnis saß), der scheinbar gezielt einen Plan verfolgt, stellt sich der gesamte Film als reine von Rachegelüsten geleitete Konstruktion heraus, die jeder Kaltblütigkeit widerspricht. Da hätte eine gezielt abgegebene Kugel gereicht, aber stattdessen wird ein komplizierter Plan erdacht, der mit zwei solchen Komplizen nur schief gehen kann. Zudem scheint Sully kein Problem zu haben, einfach auf seine Brüder anzulegen, während er die "Guten" schon verschont, wenn sie brav "Bitte, Bitte" sagen, obwohl sie ihm wieder in die Quere kommen könnten.
"Big Game" ist ein an den Haaren herbei gezogenes Konglomerat aus unterschiedlichen Genres, die alle nur oberflächlich abgehandelt werden. Spannung erschliesst sich nur daraus, dass man als Betrachter immer mehr erwartet, als der Film letztendlich einzulösen vermag (2/10).