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Oscargekrönte Rollen oder Filme wieder zu reaktivieren, indem man aus ihnen eine Fortsetzung strickt ist gute alte Hollywood-Art.
Und so darf hier Tommy Lee Jones seine awardgekrönte Rolle des eisernen US-Marshal Gerard wieder aufnehmen, der so unbarmherzig Harrison Ford durch "Auf der Flucht" gehetzt hat.
Dabei sahen sich die Drehbuchautoren offensichtlich dem Problem gegenüber, einer zwar einprägsamen, aber weitgehend detailfreien Rolle endlich einen richtig umfassenden Charakter auf den Leib zu schneidern. Denn da dieses Mal Jones der Mittelpunkt der Handlung sein sollte, genügte es nicht mehr, einfach nur den harten Hund herauszukehren.
So wird Gerard hier nun zögerlich mit menschlicheren Zügen versehen, doch stets unter der Prämisse, die Figur nicht aufweichen zu lassen.
Wie schwer das ist, beweist die Tatsache, daß die Storyline und die zweite Hauptfigur frapierende Ähnlichkeiten mit dem erfolgreichen Vorgänger aufweisen, nur eben mit Wesley Snipes statt Ford in der Hauptrolle.
Wieder ist Jones mit seinem Team einem Mann auf der Spur, der angeblich ein mehrfacher Mörder ist. Doch was bei Harrison Ford noch eindeutig war, braucht und kann der erfahrene Kinogänger hier nicht in Frage stellen: allein die Wahl von Snipes als Antagonisten beweist, daß er ebenso unschuldig ist, wie Kimble im ersten Film. Andernfalls wäre die Handlung auch viel zu simpel gewesen.
So nährt sich auch hier die Spannung aus der Frage, wer denn Snipes hier in eine Falle gelockt hat und warum, doch mangels sich anbietender Nebenfiguren, die schon von Jones Team größtenteils abgedeckt werden, bleibt die Lösung doch über die volle Filmlänge recht simpel und konzentriert sich auf die Frage, ob Robert Downey jr. als assistierender Agent nun mitverantwortlich ist oder nicht.
Schauspielerisch bringen alle Beteiligten hier durchaus Leistung: Jones bietet zwar nur Standard, trotzdem tun ihm ein paar menschliche Züge gut.
Snipes ist auch in der zweiten Reihe brilliant und beißt sich sein entsprechendes Stück aus dem Kuchen heraus. Downey ist überzeugend, während die Teammitglieder als eindimensionale Charakterfiguren (verfressen, modebewußt etc.) verheizt werden, die jedoch den Handlungsfluß auf Trab halten.
Sowohl Konstruktion als auch Umsetzung sind nicht gerade extrem spannungsfördernd, halten das Interesse aber auf einem gehobenen Level, ohne in große Destruktions- oder Gewaltorgien abgleiten zu müssen. Highlight ist sicherlich die Flugzeugsequenz samt Bruchlandung, die die nachfolgende Jagd jedoch recht konventionell wirken läßt.
Auch im Showdown wird sich mehr auf die Figuren verlassen, als auf zuviel Action, was die Unterhaltung jedoch nicht schmälert. Und das will schon etwas heißen.
Somit kann Gerard also auch ohne Kimble durchaus einen Film tragen, auch wenn die Schlußszene, die die Figuren den Tod eines Kameraden geradezu zynisch schnell wegstecken läßt, einen Punktabzug bedeutet. Ein schöner, durch und durch akzeptabler Actionfilm, der sich gerade durch eher wenig Action auszeichnet.
Andererseits kein Hit, den man ständig wieder sehen will. Trotzdem 7/10.

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