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Nach einem Unfall wird der Abschleppwagen-Fahrer Mark Warren aufgrund passender Fingerabdrücke zufällig als Mörder zweier Bundes-Agenten identifiziert und in Gewahrsam genommen. Per Flugzeug soll Warren mit demselben Gefangenen-Transport von Chicago nach New York überführt werden, auf dem sich auch der U.S. Marshal Sam Gerard befindet, der gerade einen einkassierten Kriminellen eskortiert. Während des Fluges unternimmt ein Mithäftling einen Attentats-Versuch auf Warren, bei dem ein Loch in die Bordwand gerissen wird, was zur Folge hat, dass die Maschine abstürzt. Nach dem Crash gelingt Warren die Flucht, woraufhin sich Gerard und sein Team promt an die Verfolgung machen, wobei ihnen allerdings der DSS-Agent Royce von oberster Stelle als Unterstützung zugeteilt wird. Wie sich bald schon herausstellt, handelt es sich bei Warren in Wahrheit um einen ehemaligen CIA-Agenten namens Sheridan, den mit Royce eine gemeinsame Vergangenheit verbindet... und nachdem ein Überwachungskamera-Video des Doppelmordes auftaucht und zeigt, dass er in Notwehr gehandelt hat, scheint es so, als ob diesem etwas angehängt werden sollte und er tatsächlich unschuldig ist... Im Grunde genommen hat diese Fortsetzung zu dem exzellenten "Auf der Flucht" ja schon die ganz richtige Idee, indem sie Tommy Lee Jones in seiner Oscar-Rolle als U.S. Marshal Sam Gerard in den Fokus des Interesses rückt und sich dadurch nicht dem Vorwurf aussetzen muss, nur ein lauwarmer Aufguss zu sein... so 'nem durchschnittlichen Hollywood-Produzenten wäre es nämlich durchaus auch zuzutrauen gewesen, Harrison Ford einfach nochmal 'ne Ehefrau wegsterben zu lassen und den ersten Film dann erneut abzuspulen. Dass "Auf der Jagd" aber dennoch nicht mit dem Vorgänger mithalten kann, ist dann wohl eher dem Umstand geschuldet, dass er das Publikum nicht wirklich mit dem von Wesley Snipes gemimten Flüchtigen auf Augenhöhe hält und diesem durch die dezente Verschiebung der Erzähl-Perspektive auch nicht vergleichbar viel Screen-Time gönnt, was ein Mitfiebern wie beim 1993er-Original natürlich erschwert. Die Inszenierung durch "Einsame Entscheidung"-Regisseur Stuart Baird ist zudem vom Tempo her nicht auf dem Niveau eines Andrew Davis, der bei seiner TV-Serien-Adaption die Spannungsschraube direkt zu Beginn schon kräftig angezogen hat und im Anschluss derart mit Vollgas über alle dramaturgischen Durchhänger und Logiklöcher innerhalb der Geschichte drübergefegt ist, dass sie einem gar nicht mehr aufgefallen sind. Ganz so atemlos geht es hier nun nicht mehr zu und auch die Action ist nicht mehr so spektakulär wie in "Auf der Flucht" (der mit ziemlich durchschaubaren Modell-Tricks umgesetzte Flugzeug-Absturz kann da etwa nicht mit dem entgleisenden Zug aus dem ersten Teil mithalten!)... und so dürften sich die präsentierten Set-Pieces darum auch nicht ganz so arg im Gedächtnis des Betrachters festkrallen, wie etwa Harrison Fords Köpper vom Staudamm. Das Drehbuch aus der Feder des späteren Autors von so 'nem Krempel wie "The Skulls - Alle Macht der Welt", dem "Rollerball"-Remake und "Ghost Ship" ist dann auch definitiv nicht so tight wie das Skript des Erstlings, an dem noch Jeb Stuart und David Twohy gewerkelt haben und so hätten zehn oder fünfzehn Minuten weniger Laufzeit dem Pacing sicher gut getan, denn hier und da schleicht sich nun doch mal ein wenig Leerlauf ein. Das größte Manko des Streifens ist allerdings, mit Wesley Snipes einfach keinen vergleichbar tauglichen Sympathieträger parat zu haben, wie das noch bei Harrison Ford und seinem Richard Kimble der Fall gewesen ist, an dessen Unschuld da vom ersten Moment an keine Zweifel bestanden hat. Okay, das klingt jetzt alles ziemlich negativ, aber trotzdem ist "Auf der Jagd" kein schlechter Film, denn glücklicherweise gibt es da ja wie bereits erwähnt Tommy Lee Jones, der in den fünf Jahren, die seit "Auf der Flucht" vergangen sind, nicht eingerostet ist und seinen Gerard immer noch genauso gut drauf hat wie damals... und der im Verbund mit dem übrigen Cast dieses Sequel damit zu einem 90s-Action-Streifen adelt, der erstaunlicherweise in erster Linie eher Charakter-orientiert daherkommt und damit vor heutigem inhaltsleeren Genre-Müll irgendwie doch die Nase vorn hat. Fazit: Als Nachklapp zu dem furiosen Vorgänger tauglich, ohne diesen dabei allzu offensichtlich nachzuäffen.

6/10

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