Review

Bowling kills

„Live Feed“, die Vorgängerproduktion von Regisseur Ryan Nicholson, ist ein derber „Hostel“ Abklatsch, der sich dramaturgisch auf dem Niveau des Kasperletheaters bewegt und außer durch geschmacklose Folterszenen (die nicht nur gezeigt, sondern richtiggehend zelebriert werden) und schlechte Darsteller, nur durch den Verzicht auf jedwede Handlung glänzt.

Wenn man sich diesen Umstand vor Augen führt, muss man gestehen, dass im Falle von „Gutterballs“ eine deutliche Steigerung gegenüber dem Erstling zu erkennen ist. Diesmal hat Nicholson sich nämlich die 70er und 80er Jahre Teenie-Slasher als Vorbild genommen und deren stereotypische Handlungsmuster in ein neues Setting eingebettet. Trotzdem geht es natürlich auch in „Gutterballs“ nicht weniger brutal, krank und niveaulos zur Sache als bei „Live Feed“.

Zwei verfeindete Jugendbanden (unter anderem mit einer nervigen Tunte, einem besonders harten Typen und einem gitarrenspielenden Emo besetzt) treffen sich zu einem Bowlingwettstreit. Nachdem die Situation auf Grund zu viel Testosterons eskaliert ist, wird die zurückgelassene Schönheit der guten Mannschaft von dem versammelten gegnerischen Team brutal vergewaltigt. Dies geschieht kranker Weise auch unter Zuhilfenahme eines Bowlingkegels. Am darauf folgenden Tag treffen die beiden Gruppen erneut aufeinander. Zu ihrem Pech hat ein (mit einer der eigenwilligsten Masken ever verhüllter) Killer gerade zu viel Zeit und rächt die Vergewaltigung auf seine Art.

Was folgt ist übertriebener Splatter pur. Zerschlagene Köpfe, zerschnittene Gesichter, Personen die in der 69er Stellung an den Genitalien des jeweils anderen ersticken und eine Anale Vergewaltigung – richtig geraten - mit einem Kegel werden in schöner Regelmäßigkeit von selten dämlichen Dialogen und expliziten Sexszenen abgelöst. Diese Szenen werden mit literweise Kunstblut und einer überbordenden Phantasie herrlich überzogen, abgedreht und oft sogar brüllend komisch umgesetzt und sind somit auch der Hauptgrund dafür, sich den Film unter Umständen anzusehen. Ferner sind es die bereits erwähnten Sexszenen, die den Film von ähnlichen Low-Budget-Slashern abheben. Auffälliger Weise hängen nämlich nahezu alle Todesszenen direkt oder indirekt mit einer dieser sexuellen Handlungen zusammen.

Das alles hilft aber nichts dabei, die vorangegangene Vergewaltigung aus dem Gedächtnis zu entfernen. Eben diese stößt nämlich ziemlich bitter auf. Sie ist dermaßen brutal und kompromisslos umgesetzt und so aufdringlich gefilmt, dass man wirklich nichts mehr der Phantasie überlassen muss und einem das (durch die grenzdebilen Dialoge ausgelöste) Lachen im Hals stecken bleibt. In einem Film, der offensichtlich als billiger Funslasher gedacht ist, ist etwas derart heftiges sicherlich fehl am Platz. Die Szene dauert nämlich mehrere Minuten, wobei die Kamera immer voyeuristisch am Körper des Opfers entlang gleitet. Einfach zu harter Tobak für mich.

Dieses Manko können auch die folgenden knapp 60 Minuten Extremsplatter, mit einigen guten Wendungen und einem sogar ziemlich innovativen Endtwist nicht ausmerzen. Es bleibt der bittere Nachgeschmack unnötiger Härte.

Fazit
Ich verstehe einfach nicht warum B-Movie-Regisseure in letzter Zeit so gerne auf zelebrierte Vergewaltigungen zur Helden/Killer Anstachelung zurückgreifen. Eine übliche schlechte-Kindheit- oder Unfall-mit-Fahrerflucht-Geschichte wäre mir da doch lieber gewesen. Abgesehen von diesem bereits mehrfach erwähnten Manko präsentiert sich „Gutterballs“ jedoch durchaus solide und kann vor allem durch seine kranken Ideen, gut umgesetzte Todesszenen und ein überdurchschnittlich tolles Ende überzeugen.

Nachsatz
Sicherlich nur Untergrund-Splatter-Fans zu empfehlen. Dank einiger deftiger Szenen weiters nicht uneingeschränkt als Partyfilm zu befürworten.

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