Ausdrücklich als "Hommage an die Slasher-Filme der 80er" apostrophiert, kommt die kanadische Trashkomödie Gutterballs entsprechend schrill aufgemacht daher. Wer hier auch nur irgendetwas ernst nimmt, hat schon verloren.
Die komplette Handlung ist auf einer Bowlingbahn, dem Xcalibur angesiedelt. Hier bowlen Obermacho Steve und seine Gang, bestehend aus 3 nicht weiter erwähnenswerten Typen, ihnen gegenüber steht eine tuntig agierende Transe samt 3 Mädels, die kurze Zeit später von einem (Quoten-)Schwarzen und 2 weiteren weißen Typen verstärkt werden.
Alle Figuren sind stark überzeichnet und erfüllen jedes erdenkliche Klischee; die Darsteller spielen die vom Drehbuch vorgegebenen Rollen jedoch durchaus ordentlich und glaubhaft. Unfreiwilligen Humor, wie in vielen anderen Trashkomödien, findet man bei Gutterballs keinen, dafür jede Menge aufgesetzte Prollsprüche und bis ins Groteske übertriebene Slasherszenen.
Zum Plot: Nach ein paar Handgreiflichkeiten verabreden sich die beiden Teams zum Bowlen für den nächsten Abend. Eine Vergewaltigung sorgt für zusätzliche Spannung, und als die Teams dann gegeneinander antreten, wird einer nach dem anderen von einem geheimnisvollen Mörder - stets abseits der Bowlingbahn - eliminiert, und am Ende bleiben nicht mehr viele für den Showdown übrig.
Die im Film dargestellte Gewalt ist grob übertrieben, und zwar derart, daß sie allein durch die Übertreibung an sich schon eine beruhigende Distanz dem Zuseher gegenüber herstellt. Dies beginnt schon gleich am Anfang, als sich Steve und der Schwarze prügeln, wobei Steves Auge in kürzester Zeit völlig zuschwillt, was durch die hervorragenden handgemachten SFX richtig bös aussieht, sämtliche Umstehenden aber nicht weiter zu kümmern scheint. Als Steve dann eine leere Bierflasche zu fassen kriegt und sie dem Schwarzen relativ unspektakulär über den Schädel zieht, folgt ein Umschnitt auf die entsetzt "Uuuuaaaah" kreischenden Mädels. Als Steve somit dank Bierflasche wieder die Oberhand gewonnen hat, beendet eins der Mädel den Streit indem sie Steve eine Bowlingkugel auf den Fuß wirft (bzw. fallen läßt), was diesen endgültig umhaut. Am nächsten Abend ist sein Auge wieder völlig ok, dafür humpelt er mit Krücken herum.
Diese völlig irrealen Gewaltdarstellungen, ebenso ironiefrei wie überzeugend dargeboten, durchziehen den ganzen Film wie ein roter Faden. In die SFX wurde wie schon erwähnt besonders viel Mühe investiert: Das Blut spritzt teils literweise durch die Kulissen, vorzugsweise in Nebenräumen, da aus Kostengründen die Bowlingbahn selbst verschont bleiben mußte. Auch die Mordmethoden sind als kreativ (im trashigen Sinn) zu betrachten: da werden angespitzte Kegel in Augenhöhlen und After getrieben, mit Bowlingkugeln Schädel zertrümmert oder mit Poliergeräten ganze Gesichter weggefräst. Schließlich gibts auch einen Kopfschuß, bei dem der Schädel wie mit der Axt sauber vom Hals getrennt davonfliegt, was aber auch nicht mehr weiter stört und gleich in 2 Einstellungen abgefeiert wird.
"Verfickt nochmal beeil dich, ich muß n Spiel gewinnen..."
Steves Wortwahl (und nicht nur seine) ist bewußt ordinär - kaum ein Satz kommt ohne "verfickt" aus. Mag dies am Anfang noch abstoßend wirken, ist es nach einer Viertelstunde schon nervig und nach einer halben Stunde schlicht ein running gag. Steve spielt das personifizierte Arschloch mit größter Hingabe; er pöbelt aber nicht nur gegen das gegnerische Team sondern schikaniert auch hemmungslos die eigenen Leute, die sich aber nicht aufzumucken trauen. Diese und die meisten anderen Charaktäre folgen den klassischen Stereotypen, treten einer nach dem anderen ab und werden auch nicht näher beleuchtet.
Eine recht ambivalente Rolle spielt der Bowlingbahn-Aufseher, der sich einerseits dauernd dumm anmachen lassen muß und offenbar alles gelassen runterschluckt, stellenweise aber rhetorisch auch ganz gut austeilen kann.
Schließlich sei noch Lisa erwähnt, eindeutig die Hübscheste in der ganzen Runde, was aber angesichts der optisch eher unterdurchschnittlichen anderen Mädels kein Kunststück ist. Sie gibt die unbeteiligte Schlampe, hat nur wenig zu sagen und läßt so ziemlich alles mit sich machen. Dazu gehört auch die überbewertetste Szene des ganzen Films, nämlich ihre Vergewaltigung durch Steve und seine Gang, die sie fast widerstandslos über sich ergehen läßt. Genaugenommen wird sie nur von Steve 2 Minuten lang bewußt aggressiv durchgenudelt (der sich dann erstmal um sein Auge kümmert), während die anderen Typen sich beinahe genieren es ihrem Anführer gleichzutun. Als Steve dann wieder zurückkommt, muß er einem seiner Laufburschen sogar Gewalt androhen, bis dieser schweren Herzens einen Bowlingkegel nimmt und ihn Lisa wie befohlen reinschiebt. Lisa wiederum, die jede Menge Möglichkeiten zur Flucht hätte, diese aber nicht wirklich nutzt und auch sonst nur ein bißchen mit den Augen rollt, agiert hier so jenseits jeder Vernunft und Logik, daß auch diese Szene, klar als gewollte Verletzung der Schamgrenze zu erkennen, dem Zuschauer bestenfalls ein Kopfschütteln entlockt. Eine Identifikationsmöglichkeit mit dem Opfer scheint ausgeschlossen, und wer angesichts dieser geschickt am Anfang des Films platzierten Szene schon mit der Moralkeule daherkommt, sollte den Rest des Films besser gar nicht anschauen.
Abgesehen davon nimmt sich Regisseur Ryan Nicholson, so seltsam das angesichts der Vergewaltigungsszene klingen mag, gegenüber der Damenwelt sogar ausgesprochen zurück, denn die weiteren Bestialitäten werden ausschließlich an den Herren der Schöpfung begangen, während die Damen vergleichsweise "human" zu Tode kommen.
Noch ein Wort zur "Uncut hardcore version", wie es so schön auf dem Cover heißt: explizit ist da außer ein paar Sekunden halbherzigen Blowjobs während einer 69er-Nummer auf der Toilette gar nichts. Zwei Damen präsentieren kurz ihre Oberweite, und Lisa läßt ganz am Anfang durchblicken, daß sie keinen Slip trägt; in oben erwähnter Vergewaltigungsszene sind "nur" ihre wohlgeformten Silikonimplantate zu sehen und ansonsten bezieht sich "hardcore" ausschließlich auf die Gore-Szenen, die es allerdings in sich haben. Dafür werden aber, herrlich trashig und sinnfrei, 4 Pappkarten mit Filmmotiven mitgeliefert...
Gutterballs wird getragen von einer stimmigen Athmosphäre, die sich angesichts des passenden 80er-Jahre-Scores mit deutlichen New-Wave-Reminiszenzen recht schnell einstellt. Neben dem Sound sind es auch das typische bläuliche Neonlicht, die stilgerechte Kleidung der Darsteller oder Kleinigkeiten wie z.B. die Kugel-Poliermaschine (die mit der verzerrten Stimme), welche eine ganz eigenartige Stimmung aufkommen lassen. Zwar ist das Meiste vorhersehbar, und das konsequent unlogische Verhalten der Darsteller läßt einen zeitweilig an der Story verzweifeln, diese scheint jedoch nur vordergründig so zu sein wie sie sich präsentiert. Stets auf ebenso überraschende wie unlogische Gewaltphantasien des Drehbuchs gefasst, stellt sich beim Zuseher mit der Zeit eine gewisse Spannung, wer denn nun der Mörder sein könnte, ein. Dieser, maskiert mit einer umgedrehten bunt bedruckten Tasche in die man Sehschlitze reingeschnitten hat (trash as trash can! ) gibt zu keiner Zeit irgendeinen Hinweis auf seine Identität und wenn dann die Auflösung präsentiert wird, die einerseits logisch, andererseits aber an den Haaren herbeigezogen ist, wird klar daß so manche Szene und so mancher Satz nur der Irreführung des Publikums gedient haben, bevor sich im furiosen Finale dann die Ereignisse überschlagen...
Gutterballs zündet vielleicht nicht beim ersten Durchgang (und schon gar nicht bei jedem), aber beim zweiten Hinsehen erkennt man Details und Feinheiten, die einem angesichts der überbordenden Gewalt zunächst verborgen geblieben sind. Sehr schön. 8 Punkte.