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Ryan Nichsolson - Ein Name, der die Filmfans spaltet. Die einen mögen seinen trashigen und zugleich blutigen Stil, andere wiederum wünschen sich, er hätte niemals eine Kamera zu Gesicht bekommen. Zu Recht, möge man denken, denn mit "Live Feed" hat er einen Folterbeitrag abgegeben, der eher für die Biotonne ist. Dass er dann mit dem hier besprochenen "Gutterballs" aber sehr gutes Trashkino abgeben kann, hat er eindeutig bewiesen.

Zwei kleine Jugendgangs vertreiben sich die Zeit damit, nach Feierabend gegeneinander Bowling zu spielen. Dass sie sich untereinander nicht riechen können, merkt man sofort zu Beginn, denn jeder Charakter im Film scheint aus einer ziemlich schlechten Kinderstube zu kommen, Schimpfworte und Fäkalausdrücke sind in der Tagesordnung und werden in fast keinem Satz ausgelassen. Bereits hier hat der Regisseur einen dicken Running-Gag platziert. Nachdem es zu einer kleinen Auseinandersetzung kam, wollen alle nach Haus und das Match am nächsten Abend fortsetzen. Die junge Lisa allerdings bleibt noch kurz zurück, um ihre Handtasche zu holen. Darauf hat die Gruppe um den Macho Steve nur gewartet, denn er wurde einst von der Dame zurückgewiesen. Dafür rächt er sich nun, indem er sie vergewaltigt und dabei auch seine Kameraden mit ins Spiel bringt. Am nächsten Abend soll wie gehabt das Bowlingspiel stattfinden. Auch Lisa erscheint, als ob nichts gewesen wäre. Aber es hat nur den Anschein danach...

"Gutterballs" wird als Hommage an die guten alten 80er beworben und das ist keinesfalls gelogen. Schon auf der DVD-Hülle finden sich Anspielungen auf verschiedene Filme wie z.B. "Maniac", "Halloween" und andere. Weiter geht es mit dem Schauplatz, welcher mit viel Neonbeleuchtung aufwartet, dazu der Kleidungsstil der Charakter. Im Hintergrund spielt der geniale Soundtrack von "Harlequin", welcher auch wie angegossen in das 80er-Ambiente passt. Überall bemerkt man die Detailverliebheit, ganz besonders auch bei den Goreszenen. Fast jeder Kill wird mit einem Bowlinggegenstand durchgeführt, mit Ausnahme des ersten, welcher allerdings nicht weniger kreativ in Szene gesetzt wurde (wenngleich es auch eigentlich Quatsch ist). Blut fließt nicht zu wenig, der Gorehound wird also auch recht zufriedengestellt, allerdings kann man manchen Effekt auch schnell als Trick entlarven. Die Story ist zwar nicht besonders innovativ, passt aber soweit und dank der übertriebenen Dialoge wird es auch nie langweilig.

Dass der Film nicht jedem zusagt, ist nicht von der Hand zuweisen. Ein Großteil der Gegner kritisiert die Vergewaltigungsszene als "zu lang und ausgewalzt", allerdings kann vom Original "Ich spuck auf dein Grab" das gleiche gesagt werden und die Szene hat sich der Regisseur quasi nur geborgt. Andere stören sich an der Ausdrucksweise der Dialoge oder einer nicht vorhanden Handlung. Erstes ist zwar wirklich Geschmackssache, aber eine Handlung ist sehr wohl vorhanden, auch wenn sie nicht so sehr im Vordergrund steht. Im Großen und Ganzen hat Nicholson hier einen sehr guten Film abgeliefert, den man jedem Trashfan ans Herz legen kann. Allerdings sollten Interessierte um die deutschen Veröffentlichungen einen weiten Bogen machen. Die haben zwar das schönere Cover, die Scheibe darin taugt aber höchstens nur als Bierdeckel. Im Übrigen ist sowieso für die nächste Zeit noch ein Director's Cut angekündigt.

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