Review

kurz angerissen*

Ein Hauch von „Kids“ weht durch die Kellergewölbe, in denen zwei Jugendliche eine nackte Unbekannte unter einer Plastikplane finden, nicht wissend, was sie nun mit ihrer ungewöhnlichen Entdeckung anstellen sollen (dass es sich in diesem Fall eigentlich um Twens handelt, könnte ein Indiz dafür sein, dass Kinder sich inzwischen mit dem Erwachsenwerden mehr Zeit lassen als noch in den 90ern). Die experimentelle Fantasy-Prämisse – eine unsterbliche Zombie-Braut - taugt dazu, nicht nur den moralischen Kompass der heranwachsenden Finder aus dem Takt zu bringen, sondern auch den Zeigefinger der empörten Moralinstanzen. Wo sich unreife Coming-Of-Ager nämlich an einer hilflosen Frau vergehen, ist Entrüstung vorprogrammiert. Insbesondere gilt dies, wenn dem Opfer auch noch sämtliche Züge eines mit Selbstbestimmung bedachten, menschlichen Wesens genommen werden, wenn es also quasi zum Vieh reduziert wird, das genutzt werden kann wie ein Gebrauchsgegenstand.

Manch einem genügt das vielleicht schon, den Stab über „Deadgirl“ zu brechen. Sofern man allerdings willens und in der Lage ist, Inhalt und Aussage getrennt voneinander zu betrachten, fällt auf, dass die Regie von Marcel Sarmiento und Gadi Harel eine beträchtliche Distanz zu den meist unmoralisch handelnden Figuren aufzubauen versteht. Weder fährt die Kamera voyeuristisch über den entblößten Körper Jenny Spains, noch macht sich die Form anderweitig zum Komplizen der Täter, wie man es erwarten würde, wären niedere Beweggründe im Spiel.

Dass dieser Spiegel einer perspektivlosen, selbstzerstörerischen Jugend keine höhere Relevanz erlangt, liegt allerdings nicht nur an dem schwierigen Thema; es fehlt vielleicht auch das Besondere im Detail, der finale Schliff im Dialogbuch beispielsweise oder das schauspielerische Vermögen, vielleicht auch einfach die Authentizität, die ein Larry Clark dank seiner Beobachtungsgabe aus Generationen bezog, die weit von seiner eigenen entfernt waren.

*weitere Informationen: siehe Profil

Details
Ähnliche Filme