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  „Alarmstufe dunkelrot"

Man nehme einen abgehalfterten Ex-Kinostar, dessen Körperumfang direkt proportional zur Bedeutungslosigkeit seiner letzen Werke zugenommen hat. Man mache ihn zu einem Ex-Elitesoldaten, der ein Kriegstrauma erlitten hat und seitdem vor sich hin vegetiert. Natürlich war er im Irak, natürlich wurde er durch eine Selbstmordaktion verwundet und natürlich hat er die höchsten Auszeichnungen erhalten. Aber ein besonders fieser und reicher Kleinstadtkönig bringt die eingerostete Kampfmaschine wieder auf Hochtouren und lässt den abgewrackten Ex-Profi binnen kürzester Zeit wieder zu absoluter Höchstform auflaufen.  Nachdem über 80 Minuten aber auch rein gar nichts passiert ist, zerlegt der wiederauferstandene Held binnen knapp 10 Minuten eine ganze bestens bewaffnete Privatarmee und entledigt sich dabei praktischerweise auch sämtlicher seelischer Traumata.

„The Muscles from Brussels", Dolph „Drago" Lundgren und Wesley „Blade" Snipes beglücken die geneigte Fangemeinde pro Jahr mit zwei bis drei Auswüchsen dieser durch die Bank unterirdischen Action-Discountware. Letzte Tiefpunkte dieser Art waren Van Dammes The Shepherd sowie Lundgrens dilettantischer, völlig lächerlicher Versuch einer Pale Rider-Kopie (Missionary Man). Gut, die drei sind wenigstens körperlich noch einigermaßen in Form, sind im vorliegenden Fall also ausnahmsweise einmal unschuldig. Der heißeste Kandidat ist natürlich das Aikido-Moppelchen. Womit Steven seine erstaunlicherweise immer noch vorhandene Anhängerschar die letzten Jahre malträtiert hat, dürfte selbst den treusten Jüngern die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben. Obgleich Leibesfülle und ein im Sturzflug befindlicher Qualitätsverlust sich bei Seagal ein rasantes Wettrennen liefern, ist auch er nicht für Conspiracy verantwortlich. Der Schuldige heißt diesmal überraschenderweise: Val Kilmer.

Im Vergleich zu den oben porträtierten Komplizen hatte er immerhin so etwas wie eine ernst zu nehmende Karriere. Aber spätesten seit seinem flachen Miniauftritt im Denzel Washington-Thriller Deja Vu (2006) musste man sich Sorgen machen. Seitdem hat er in keinem vernünftigen Kinofilm mehr mitgewirkt und fristet vornehmlich ein trostloses Dasein in diversen Direct-to-DVD und Fernsehproduktionen. In diese Kategorie gehört auch sein neuester Rohrkrepierer Conspiracy.

Wie zu Beginn bereits beschrieben mimt Kilmer den Ex-Soldaten MacPherson, der im Irak körperliche und seelische Wunden erlitten hat. Der Anruf eines ehemaligen Kameraden verschlägt ihn in irgendein Wüstennest im amerikanischen Westen. Natürlich ist etwas faul in der aus dem Boden gestampften Kleinstadt New Lago. Arme illegale Einwanderer und gutgläubige Einheimische werden von dem Rüstungsmogul John Rodes (Gary Cole) betrogen und benutzt. Der Chef der Waffenfirma "Halicorp" will sich eine eigene, ausländerfreie und rein patriotische Gesellschaft - „God´s Country" - erschaffen. Die Immobilienpreise sollen schnell in die Höhe getrieben werden, so dass nur noch reiche „echte" Amerikaner sich das Leben dort leisten können. Natürlich ist die örtliche Polizei bestochen und natürlich hat er noch zusätzlich ein paar zwielichtige Schlägertypen um sich geschart. Logisch, dass diese Machenschaften von MacPherson schnell durchschaut werden und die diversen Handlanger sich kreuzdämlich bei dem Versuch seiner Entsorgung anstellen.

Es wird immer dann so richtig lustig, wenn solch dilettantische Produktionen versuchen Ernsthaftigkeit, Anspruch und eine Botschaft mit ihrer kruden Story zu verbinden. Die Anspielung auf die dunklen Machenschaften des US-Rüstungskonzerns „Halliburton" sind natürlich offensichtlich. Auch die Kritik an den wahren Motiven für den Irakkrieg und damit einhergehend das bewusste Belügen von Bevölkerung und Streitkräften werden mit dem ungehobelten Holzhammer serviert.
Die ganze Story ist aber nicht nur überaus dämlich und unglaubwürdig, sondern dazu auch noch unglaublich langweilig und tempolos inszeniert. Bis zum finalen Showdown passiert so gut wie gar nichts. Es gibt ein paar Wortgefechte und Scharmützel mit diversen Handlangern sowie ein kurzes Zwiegespräch mit dem Oberschurken. Natürlich entwickelt sich eine zart angedeutete Romanze zwischen unserem Helden und der Kleinstadtschönheit, die - wie sollte es auch anders sein - gleichzeitig mit Rodes verbandelt ist. Dazu werden immer wieder Bilder aus MacPhersons Irakeinsatz eingestreut, die überhaupt nichts zur Entwicklung der Geschichte beitragen und unsinnigerweise die immer gleichen Szenen zeigen. Die unfeiwillige Komik besteht vor allem darin, dass Kilmer bereits als Elitesoldat eine unübersehbare Plauze mit sich rumschleppt.
Nachdem er von ein paar aufrechten Unterdrückten aus den Klauen der Gangsterbande gerettet wurde, schreitet MacPherson am Ende dann doch noch zur blutigen Tat. Wie der kriegsversehrte (er trägt eine Beinprothese) und psychisch angeschlagene Veteran plötzlich mit einem Dutzend schwer Bewaffneter fertig wird, ist eines der großen Rätsel des hanebüchenen Drehbuchs.  Natürlich gibt es ein schnulziges Happy End samt neuer Liebe und neuem Heim. Dieser aufgesetzte und triefige Schluss ist  einem bei diesem Machwerk dann allerdings auch schon längst egal.

Bleibt die Frage, was den in zahlreichen interessanten Rollen und keineswegs ausschließlich substanzlosen Blockbuster-Produktionen aufgetretenen Val Kilmer geritten hat, bei dieser B-Gurke als Hauptdarsteller anzuheuern. Dass er es inzwischen offenbar nötig hat in Filmen mitzuwirken, die sonst nur Van Damme, Lundgren, Snipes und vor allem Seagal in unschöner Regelmäßigkeit verbrechen, ist doch einigermaßen alarmierend. Bleibt zu hoffen, dass sich einer seiner früheren Regisseure seiner erbarmt und ihn zumindest in akzeptabeln Nebenrollen besetzt. Dazu darf man ruhig auch etwas fülliger sein. Alec Baldwin läst grüßen.

(1,5/10 Punkten)                                            

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