Auf Dauer kann es ja kein Zufall sein, dass Texas, der zweitgrößte Bundesstatt der Vereinigten Staaten, als Schauplatz für kriminelle Aktivitäten von Hinterwäldlern herhalten muss. Vielleicht, weil dort eine politisch erzkonservative Gesinnung herrscht und die Anzahl der vollstreckten Todesstrafen ziemlich hoch ist oder aber auch, weil im Süden des Staates viel über die mexikanische Grenze gemauschelt wird, womit es auch im vorliegenden Streifen entfernt etwas auf sich hat.
Brandon befindet sich auf dem Weg zu seiner Frau Alicia, als ihm eine verängstigte Frau vor den Wagen läuft. Kurzerhand karrt er sie in den Kofferraum und wird schon bald vom Deputy angehalten. Die Frau erschießt den Hilfssheriff und flieht mit Brandons Wagen, während sich zur gleichen Zeit seine Schwägerin Dawn in Gefangenschaft eines Zuhälterringes befindet…
Einerseits will uns das Projekt das ernste Thema von Entführung und Zwangsprostitution näher bringen und deutet dabei bereits im Vorspann auf den Bezug zu wahren Begebenheiten hin, doch andererseits bemüht man sich seitens des Vertriebs mit einem reißerischen Titel und einem wegweisenden Cover, was dann alles andere als sensibel erscheint.
Tatsächlich handelt es sich um einen kleinen Exploitationfilm, der die ernsten Hintergründe weitgehend außer Acht lässt, jedoch auch nicht allzu harte Geschütze auffährt, um in die Nähe eines Skandalfilms zu gelangen, wie etwa der seinerzeit heftig diskutierte „Ich spuck auf dein Grab“.
Figurentechnisch geht Brandon durchaus als Sympathieträger durch, der es offenbar noch nicht geschafft hat von der Flasche loszukommen, sich jedoch redlich bemüht. Ansonsten hat man es mit Klischeefiguren zu tun, welche arg überzogen dargestellt werden und zum Teil schon für unfreiwillige Komik sorgen, wie eine dicke unsensible Besitzerin eines Diners oder der leicht debile Automechaniker. Auch die Peiniger (einer wird von Louis Herthum verkörpert) lassen kaum ein Klischee aus, angefangen von sexuellen Begierden gegenüber ihren Opfern, über die vulgäre Ausdrucksweise bis zur Vernachlässigung der Kontrolle ihrer Opfer bei zuviel Selbstsicherheit.
Allzu explizit geht Regisseur Damian Skinner jedoch nicht zu Werke, denn es findet lediglich eine angedeutete Vergewaltigung im Halbdunkeln statt und Zehen werden im Off, jedoch recht geräuschvoll gebrochen. Andere Gewaltmomente wie das Zertrümmern eines Schädels finden komplett verdeckt (hinter einem Bett) statt, so dass nur ein paar blutige Einschüsse bleiben.
Bei alledem erfährt die Geschichte zwar ein paar durchaus spannende Momente, doch aufgrund des überraschungsfreien Verlaufs und den ausbleibenden Wendungen hält sich das Mitfiebern in Grenzen. Figurenkonstellationen dieser Art hat man dafür bereits zu häufig verwurstet: Eine Frau wird entführt, ihre Schwester und deren Mann müssen auf eigene Faust tätig werden, weil die Cops entweder zu ignorant sind oder aufs falsche Pferd setzen.
Folgerichtig bietet „Rape & Revenge“ beileibe keinen skandalträchtigen Streifen, sondern eher zurückhaltende Kost auf solide inszeniertem TV-Niveau. Dazu gesellen sich die passablen darstellerischen Leistungen genauso wie die unauffällige Inszenierung, während die Story einen Entführungsfall von der Stange parat hält und damit allenfalls genügsam unterhält. Genrefans sollten sich also nicht von der reißerischen Aufmachung in die Irre führen lassen und eher abwarten, bis das Werk in leicht geschnittener Fassung im Fernsehen läuft, - lange dürfte es nicht dauern…
5 von 10