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Gute Filme der Marke „Made in Germany“ findet man recht selten. Unsere berühmtesten Exponenten „Das Boot“ und "Der Untergang“ sind zugleich auch unsere besten. Beide sind aber Kriegsfilme und somit eine völlig andere Art Film wie „Bang Boom Bang“. Deutsche Komödien: da denkt man an Otto oder Dieter Hallervorden, teilweise netter Slapstick, aber wahrlich keine komödiantischen Meisterwerke.

„Bang Boom Bang“ ist anders! Vom Zielpublikum vielleicht vergleichbar mit dem des dänischen Arbeiter-Klasse-Films, mit spitzen Filmen wie „Flickering Lights“ oder „In China essen sie Hunde“, die allerdings wesentlich blutiger sind und auch anderen humoristischen Ansprüchen gerecht werden. Die Geschichte des Duos Keek und Andy, und deren Traum vom schnellen Geld ist vom Handlungsverlauf, den Wendungen und vor allem den Charakterstudien her ein absoluter Hammerfilm. In einer herzerfrischend amüsanten, der Liebe zum Ruhrpott verschriebenen Weise, wird hier die deutsche Komödie in ihrer höchsten Vollendung zelebriert, wobei obendrein das kommerziell vorteilhafte Element der Familientauglichkeit keine weitere Beachtung findet. In diesem Film gibt es Tote und derbe Späße, die zu weit unter die Gürtellinie gehen, als dass dieser Film als samstagabendliche Familienunterhaltung dienen könnte (zumindest nicht in den meisten Familien).

Ralf Richter spielt den geistig unterbelichteten, gewalttätigen Kriminellen Kalle so vortrefflich, dass man versucht ist zu glauben, sein wahres Ich sei ebenfalls nicht blütenweiß. Nun, wer Ralf Richter kennt, weiß dass dem auch durchaus so ist. Dennoch sind seine schauspielerischen Fähigkeiten fantastisch: eine brilliante Darstellung! Auch sein Kamerad aus dem „Boot“, Martin Semmelrogge, spielt den ebenfalls unterbelichteten Hilfsarbeiter von Dieter Krebs so fabulös, dass es eine wahre Freude ist. Das ganze wird kombiniert mit dem typischen Flair des Ruhrpotts und des Niederrheins, der Mentalität und natürlich dem Dialekt.
Man würde nicht zu weit gehen, diesen Film als eine Art Heimatfilm zu bezeichnen, nur dass dieser, im Gegensatz zu den teils schnulzigen Heinz Erhardt oder Peter Alexander Streifen, die ich eher als Klamotten titulieren möchte, viel mehr Stil hat. „Bang Boom Bang“ strotzt vor Liebe zur (lokalen) Heimat (und der Arbeiterklasse!) und benutzt dazu durchaus Elemente der Vorgängerfilme aus den 60ern und 70ern. Er begibt sich aber im Gegensatz dazu – wie erwähnt – nicht auf deren massentaugliches Level, das selbst dazu reicht(e), dass die Oma dem ganzen frönt(e). Heimatfilm heißt für mich, dass man mit dem Inhalt des Films und seiner Aussage Positives verknüpft und die Darsteller lieb gewinnt. Und genau das geschieht bei „Bang Boom Bang“ unweigerlich.

Ein gemütlicher, erfrischend unharmloser, deutscher Topfilm, der sich vor der amerikanischen bzw. skandinavischen Konkurrenz nicht verstecken braucht – obwohl zugegebenermaßen Ausländer wahrscheinlich wenig Gefallen finden werden/können an den Schrullen und Macken der Bewohner Nordrhein-Westfalens.

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