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Peter Thorwarths Ruhrpottkomödie aus dem beschaulichen Unna begeisterte Kritiker und Zuschauer gleichermaßen. Sein erster Kinofilm - gleich ein voller Erfolg und ein wahres Meisterstück für ihn und das ganze Genre. Bislang eher durch Kurzfilme bekannt hat der Regisseur mit "Bang Boom Bang" seine Feuertaufe wahrlich gut bestanden.

Spediteur Kampmann (Diether Krebs in eine seiner letzten Rollen) verdient sein Geld nicht nur auf die redliche Tour. Schmuggelware wechselt im Wochentakt den Besitzer. Nebenher managt er auch noch einen hinterwäldlerischen Fußballclub. Sein Geld bewahrt er im Tresor auf - das Objekt der Begierde zahlreicher Gestalten.

Allen voran Oliver Korritke als dauerbekiffter Keek mit grasgrünem Ford Taunus (Kennzeichen DO-PE 69) und Misfits-T-Shirt und sein Kumpel Andy, gespielt von einem erstaunlich guten Nachwuchstalent namens Markus Knüfken. Die Story ist nicht nur lustig sondern auch abwechslungsreich und verbindet mehrere Handlungsstränge in tarantino-esker Manier zu einer gelungenen Gesamtkomposition. Durchwegs gute Schauspieler auch in den Nebenrollen begeistern und fesseln uns von Anfang bis Ende.

Da wären außer den Hauptdarstellern zu nennen:
Hilmi Sözer als schmieriger Pferdewettenabzocker ("Horst hatte schlechtes Tag!"), Ingolf Lück als Pornoproduzent mit Ralph Herforth in ungewohnter Rolle als Darsteller. Alexandra Neldel in ihrer ersten Kinorolle begeistert als süße "Zuckermaus" Melanie, wird von allen angebaggert und hat doch nur Augen für ihren Fußballhelden - und natürlich Geld. Martin Semmelrogge zeigt sich von seiner grenzdebilen Seite als "Schlucke" und teilt uns seine verquerten Gedankengänge mit - ach, und da wäre ja noch das enfant terrible des deutschen Theaters anzutreffen: Heinrich Giskes darf wieder einmal mehr den bösen Buben mimen. Ralf Richter hätten wir da in gewohnter Rolle als durchgeknallten Choleriker und Ruhrpotturgestein und Bratwurst-Camper Willi Thomczyk als Tankstellenbesitzer. Ein Tip noch für alle Mädels die auf Til Schweiger stehen: na, wie macht er sich so als Rastalocken-Fußballproll?

Die Musik wird geprägt durch eingängige Songs der H-Blockx. Überhaupt passt hier alles: Der Plot ist einfach grandios und immer wieder für eine Überraschung gut, Klamauk und Humor genauso ausgewogen vertreten wie auch Szenen mit "tieferem Sinn", so z.B. die Szene im Eislokal als Blondchen tiefgründig philosophiert: "Kuck dich doch mal um hier, die meisten versuchen erst gar nichts aus ihrem Leben zu machen. Die träumen all die Jahre ihren Traum und irgendwann wachen sie auf und merken daß sie sich nicht mal an ihren Traum erinnern."

Auch Wortwitz und geniale Dialoge bringen uns zum schmunzeln, als Beispiel sei hier Kampmanns Schimpftirade auf seinen Sohn zu nennen: "Manchmal glaub ich wirklich nicht daß du mein Sohn bist! Möcht mal wissen mit was für Alkoholikern Deine Mutter damals rumgehurt hat!"

Genial die Bauernschläue der Protagonisten, wie jeder denkt den anderen gerade so richtig übers Ohr zu hauen - und dann Pustekuchen. Wie ein roter Faden zieht sich auch die "bockstarke" Kifferkarre durch den Film: immer schneller wird der grasgrüne Taunus marode. Thorwarth ist hier wirklich ein "todsicheres Ding" gelungen: todsicher todgeil!

(9/10)

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