Weltuntergang in Großbritannien: Nachdem bereits „28 Days Later“ und dessen Sequel apokalyptische Szenarien im United Kingdom zeichneten, widmet sich nun Neil Marshall mit „Doomsday“ diesem Thema.
Auch hier ist ein gefährlicher Virus die Ursache allen Übels, der so genannt Reaper-Virus. Um die Seuche einzudämmen, trennte man Großbritannien mittels einer gigantischen Mauer und überließ die Nordhälfte des Chaos, wie die ersten Szenen zeigen. Eine Mutter setzt ihre kleine Tochter Eden noch in einen rettenden Helikopter, während die Situation eskaliert. Zivilisten versuchen noch auf die andere Seite zu kommen, fallen Soldaten an usw. Ohne große Schnörkel, aber gerade dadurch beängstigend realistisch.
2035: Eden Sinclair (Rhona Mitra) ist mittlerweile erwachsen und eine knallharte Soldatin. Immer noch will sie gern wissen, woher sie kommt und tatsächlich erhält sie die Chance: da in London ein neuer Ausbruch des Reaper-Virus droht, braucht man eine Heilung. Überlebende, die in den Ruinen von Edens Heimatstadt Glasgow gesichtet wurden, lassen darauf schließen, dass es Heilung gibt. Dies war der Regierung bereits vorher bekannt, doch erst im Angesicht der Gefahr wird das wissen genutzt – ein weiterer Seitenhieb, den „Doomsday“ ins Geschehen einbaut.
48 Stunden Zeit gibt man Eden und einem Spezialteam – danach werden andere Maßnahmen ergriffen, die für massig Tote im schwelenden Krisenherd London sorgen werden. Also macht man sich auf in die verwahrloste Nordhälfte...
Auch mit seinem dritten Film liefert Neil Marshall eine echte Adrenalinbombe ab und inszeniert das, was er am besten kann: Genrekino. So erhebt „Doomsday“ gar nichts erst den Anspruch auf Innovationen oder mehr als ein paar gesellschaftskritische Seitenhiebe, sondern will nicht mehr als Thrillride der pursten Sorte sein. Sicher besitzt die Hatz durchs apokalyptische Krisengebiet den einen oder anderen Plottwists, jedoch funktioniert die Story vielmehr durch das absolut hohe Erzähltempo und nicht durch Versuche dem eh schon reichlich beackerten Endzeitgenre noch krampfhaft Neues abzugewinnen.
Dementsprechend dicht sind die Zitate gesät: Eden hat etwas von Snake Plissken, die Szenen mit den Transportfahrzeugen erinnern an „Aliens – Die Rückkehr“ und das grandiose Finale ist eine Verbeugung vor „Mad Max II: The Road Warrior“. Auch sonst werden Erinnerungen an zahlreiche A- und B-Movies wach, z.B. bei den Auftritten der barbarischen Horde in Glasgow, deren Mitglieder wie eine Mischung aus Kannibale und „Mad Max II“-Schurke wirken. Einer trägt eine „Braveheart“-mäßige Gesichtsbemalung und auch Werke wie „The Warriors“, „Night of Terror“ und „Jungleground“ erinnert ihre Art.
Jedoch ist Neil Marshalls Mix nicht eine stumpfe Kopie, sondern entwickelt seinen eigenen, teilweise reichlich abgedrehten Stil, vor allem in der Szene mit den feiernden Kannibalen. Dem gegenüber steht eine andere Gruppierung, die sich ins Mittelalter zurückwünscht, was für weitere eigenwillige Momente sorgt. Jedoch hat Marshall die Fäden in der Hand, vermischt den Mainplot im Land der Apokalypse mit brisanten Entwicklung in London und kreiert dabei eine wirklich tolle Atmosphäre, die wirklich Endzeitstimmung aufkommen lässt. Da verzeiht man auch gerne ein paar befremdliche Momente (vor allem in den Ritterszenen) oder den nicht immer geschickten Einsatz von Wackelkamera in einigen Actionszenen.
Zum Glück beeinträchtigt das Kameragewackel nur einige Actionszenen (z.B. den Angriff der Horde im Krankenhaus), meistens ist der Krawall aber noch gut mitzuverfolgen. Außerdem gibt es erfreulich viel davon und zwar in allen Variationen. Anfangs sind es vor allem Nahkämpfe und Feuergefechte, die das Geschehen dominieren, wobei vor allem die grandiose Actionszene mit den Truppentransportern zu nennen wäre, mit der Marshall ein frühes Highlight des Films auffährt. Im Finale übertrifft er den Rest des Films noch, wenn Eden und ein paar verbliebene Getreue bei einer rasanten Vehikeljagd noch reichlich Übelwichte dezimieren und das ist in bester „Mad Max II“-Tradition. Inszenatorisch erweist sich Marshall mal wieder als Meister seines Faches, wobei die fantastischen Bilder noch durch einen dynamischen Soundtrack begleitet werden.
Eine helle Freude ist auch Rhona Mitra in der Hauptrolle, die ebenso tough wie sexy aufspielt und endlich mal nicht nur in Nebenrollen vergeudet wird. Edelsupport sind Bob Hoskins als Chef und Ersatzvater sowie Alexander Siddig als britischer Premierminister, während Malcolm McDowells solide, aber nicht überragend spielt. Auch die Fieslingsriege spielt erfreulich charismatisch, wobei die Mitglieder der Kannibalenhorde meist eh nur brüllen und grunzen müssen.
„Doomsday“ ist Genrekino in seiner fast pursten Form: Mit reichlich Zitaten gespickt versucht Marshalls Film gar nicht mehr zu sein als er ist – nämlich ist eine hervorragend inszenierte Achterbahnfahrt mit unglaublicher dynamischer Action und viel Tempo. Da verzeiht man ein paar kleine Detailschwächen wirklich gern.