Review

No cure, no vaccine.

Dieses Review beruht auf der ungekürzten Fassung. Bekanntermaßen wurde die deutsche Fassung um eine Szene, wobei ein Soldat gegrillt und darauf hin zerlegt und verspeist wird, zensiert . Die englische Fassung, die in einigen wenigen Lichtspielhäusern läuft, scheint von dieser Kürzung verschont worden zu sein.

Um es vorweg zu nehmen: Neil Marshalls Science fiction-Endzeit-Actioner ist Unterhaltungskino pur. Kenner von "Die Klapperschlange", "28 Days / Weeks Later" und "Mad Max 2" werden hier viele parallelen vorfinden. Genau genommen ist "Doomsday" eine wilde Mixtur aus diesen drei. Die zunkunftsorientierte, düstere Metropole sowie der Hauptcharakter in weiblicher Ausgabe aus "Die Klapperschlange", die Virus-Thematik aus "28 Days / Weeks Later" sowie skurrile Punk-Charaktere aus "Mad Max 2" inclusive abschließender Verfolgungsjagd finden hier Verwendung. Stellenweise sind sogar anleihen eines "Herr der Ringe", "Robin Hood" und anderen Filmen zu erkennen. Filmfans werden hier also auf eine schiere Entdeckungsreise geschickt. Diese "Kopien" erstrecken sich von gut geklaut bis in Einzelfällen hin zu "nicht schon wieder" Momenten.

Die Story ist schnell erzählt. 2008 verseucht der Reaper Virus ganz Schottland was vom Rest Großbrittaniens durch einen Wall abgegrenzt und überwacht wird. Knapp 30 Jahre später bricht der Virus erneut aus, diesmal in London. Eine Spezialeinheit soll daraufhin im abgeriegelten Schottland ein Gegenmittel finden, denn dort wurden Menschen, die die Epidemie überlebt haben, gesichtet...

Was Neil Marshalls hier abliefert ist schon erstaunlich. Alleine die Mixtur zwischen moderner Science fiction mit dem Auge auf die Regierungsebene, düsterem abgegrenztem Endzeitterritorium, bis hin zu mittelalterlichen Wäldern und Schlössern inclusive der beiden dort passend lebenden Kulturen bieten eine Menge Abwechslung und passen sich trotz ihrem extremen Unterschieden wunderbar in das Gesamtbild an.
Dies gilt auch für die rasante Action. Wo anfangs der Schwerpunkt auf Schießereien liegt, wechselt dies im Laufe der Zeit zu Nahkämpfen mit Speer, Schwert oder eben der Faust. Actionreiche, chaotische Massenszenen sowie übersichtliche Zweikämpfe geben sich die Hand. Selbst die Verfolgungsjagden sprühen nur so von Einfallsreichtum. Ob mit einem "Alien" ähnlichen gepanzerten Transportfahrzeug oder einem Bentley... Langeweile kommt hier nicht auf.
Wie schon in der Einleitung zu lesen geht es hier nicht gerade glimpflich ab. Abgeschossene Finger, eingeklemmte Hände, zu Matsch überfahrene Menschen, abgeschlagene Köpfe oder Gliedmaßen oder oben erwähnte Szene sind nur ein paar Beispiele der gezeigten Brutalität. Dabei wirkt die gezeigte Gewalt, bis auf ein paar Ausnahmen gegen Ende, keineswegs überzogen oder lächerlich.

Unbedingt notwendig ist eine gute Portion schwarzen Humors. Die selbstironischen Sprüche und ein paar überzogene Situationen bieten Raum zum Luft holen bevor es wieder rasant weiter geht.
Effekte sind durchgehend erste Sahne. Die fantastisch dargelegten Bilder werden zudem von einen mal dezenten, mal rauhen Soundtrack begleitet.

Rhona Mitra mimt als Eden Sinclair den weiblichen Snake-Plissken-Verschnitt und ist sogleich Hauptfigur des Spektakels. Die meisten anderen Akteure bzw. Charaktere fallen weniger auf, denn sie dienen eher als Subplotfiguren oder Kanonenfutter. Zu erwähnen sind noch Bob Hoskins ("Falsches Spiel mit Roger Rabbit") als Vorgesetzter und Ersatzpapa von Eden, Alexander Siddig (Star Trek DS9) als britischer Premierminister und der ein oder andere Gegenspieler.

Mit "The Descent" konnte Neil Marshall bereits meine Aufmerksamkeit auf seine Produktionen ziehen. "Doomsday" bestätigt die Fürsorge für seine Werke. Brachiale Action, düstere Endzeitstimmung und eine rasante Erzählweise überspielen die schwache Ausarbeitung der Charaktere. Volle Punktzahl hätte es von mir gegeben, wenn es gegen Ende nicht etwas zu lächerlich für meinen Geschmack geworden wäre.

9 / 10

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