In Schottland bricht ein Virus aus, das einen Großteil der schottischen Bevölkerung infiziert, weswegen man mangels Alternativen den Hadrianswall erneuert und Infizierte wie Nicht-Infizierte kurzerhand sich selbst überlässt. 30 Jahre später scheint das Virus vernichtet, bis es in London erneut ausbricht. Während erste Stimmen laut werden, die das betreffende Stadtgebiet erneut abriegeln und sich selbst überlassen wollen, beschließt die Regierung, eine Elitetruppe nach Schottland zu schicken, das seit dem Vorfall von keiner Menschenseele betreten oder verlassen wurde, um Überlebende zu suchen, die wiederum für die Produktion eines Gegenmittels unerlässlich sind.
Mit "The Descent" schuf Neil Marshall als Autor und Regisseur einen düsteren und atmosphärischen Horrorfilm, der schnell zum Kult avancierte. Ob "Doomsday" für den Regisseur nun ein Fort- oder ein Rückschritt ist, fällt schwer zu beurteilen, aber eines ist dieser vollkommen überzogene Trash auf jeden Fall: Spitzenunterhaltung.
Auch wenn es in diesem Fall eher ein leidliches Thema sein mag: Zunächst zur Story. Zusammengeschustert ist das Vehikel aus diversen Genrefilmen, dasVirus erinnert sehr an herkömmliche Zombiefilme, wobei vor allem Anleihen bei "28 Days Later" liegen, die einäugige, kantige Hauptfigur erinnert sehr an "Die Klapperschlange" und die Freaks, die in Schottland mal eben einen der britischen Soldaten grillen und verspeisen, scheinen eindeutig "Mad Max" entlaufen. Dass die Charaktere dabei exakt den Genre-Klischees entsprechen, nicht ein intelligenter Dialog zustande kommt und jede der Wendungen, die irgendwie zwischen Verfolgungsjagden, Splatter-Szenen und Schwertkämpfen auf einer mittelalterlichen Burg vermitteln, kaum stupider als die andere sein könnte, ist dabei mehr als offensichtlich, da Marshall jedoch nicht einmal den Versuch unternimmt, Anspruch zu heucheln, bzw. Emotion ins Geschehen zu bringen, fallen diese Fehler angesichts der Vorzüge des Films kaum ins Gewicht.
Das mit Abstand größte Plus des Films sind die Action-Szenen, die Nonstop serviert werden. Zum einen gibt es größere Action-Sequenzen, etwa die finale Verfolgungsjagd, die kaum dynamischer inszeniert sein könnten, zum anderen gibt es aber auch zahlreiche Nahkampf-Szenen, unter Anderem auf der schottischen Burg, auf der das Mittelalter weiterzuleben scheint. Zuletzt sind es auch die Splatter-Sequenzen, die ebenfalls zahlreich vorhanden sind, die einen hohen Unterhaltungswert garantieren und dem brutalen Trash ein enorm dreckiges B-Movie-Flair verleihen, das "Doomsday" ebenfalls auszeichnet.
Die vollkommen übertriebenen Masken und Klamotten der, im postapokalyptischen Schottland lebenden Mad-Max-Freaks und das gnadenlose Overacting der betreffenden Darsteller tragen ebenfalls zur dreckigen und düsteren Atmosphäre bei, die Marshall permanent aufrechterhalten kann. Dazu passen auch das verhältnismäßig schnelle Erzähltempo, das keinerlei Leerlauf erzeugt und damit keine Längen aufkommen lässt, genauso, wie der aufpeitschende Score, der "Doomsday" ebenfalls immer weiter und immer schneller voranzutreiben vermag. Grenzen kennt Marshall dabei keine, die Brutalität ist wirklich enorm hoch, aber in diesem Schundfilm sind auch Szenen bestens aufgehoben, in denen Menschenfleisch genüsslich zerschnitten und gegessen wird, oder ein Hase förmlich explodiert, nachdem er in die Schusslinie einer Selbstschussanlage gekommen ist.
Aufgrund eben dieser maßlos übertriebenen Gewalt- und Action-Orgien hat der Film nicht nur für den, dem Genre zugeneigten Zuschauer ein relativ hohes humoristisches Potential zu bieten, sofern man sich früh genug mit dem unterirdischen Anspruch begnügt. So ist dieses tolle Stück Unterhaltungskino auch nicht mehr durch den, mitunter recht amüsanten Subplot über die politischen Entscheidungen in London, oder durch die zahlreichen Lücken in der eigenen Logik zu bremsen, auch wenn "Death Race" zuletzt noch ein wenig mehr zu bieten hatte.
Rhona Mitra spielt die kernige Heldin, die sich munter durch Schotland tötet und einen ähnlichen Anti-Helden abzugeben hat, wie Kurt Russell in "Die Klapperschlange" einer war, durchaus überzeugend und gibt eine kantige, aber doch irgendwie sympathische und coole Elitekämpferin ab, wie man es vom Rollen-Klischee erwartet. Daneben überzeugen auch die meisten Nebendarsteller, wobei vor allem Routinier Bob Hoskins als Mentor der Hauptfigur sehr gut besetzt ist und auch Craig Conway mit seinem gnadenlosen Overacting als Anführer der Freaks durchaus lobend zu erwähnen wäre.
Fazit:
Neil Marshall unterhält mit Action- und Splatter-Szenen am Fließband durchgehend und kreiert von Anfang an ein dreckiges B-Movie-Flair, das zum Einen über die hirnlose Story hinwegsehen lässt und zum Anderen für zahlreiche amüsante Momente sorgt, da vollkommen überzogene Sequenzen zahlreich vorhanden sind. Damit gelingt dem britischen Regisseur Unterhaltung vom Feinsten, wobei er auch von seinem starken Cast unterstützt wird. Nicht nur für eingefleischte Genre-Fans eine klare Empfehlung.
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