Review

Die Kritik beruht auf der in Österreich veröffentlichten Unrated-Fassung!

"Doomsday" ist nach "Dog Soldiers" und "The Descent" der neueste Streich des Regisseurs Neil Marshall. Der Titel lässt eine Computerspiel-Verfilmung erahnen, doch dem ist nicht so, auch wenn die Handlung dieses Films ebenfalls diese Vermutung weckt.

Mit "Doomsday" drehte der britische Regisseur seine eigene Version von "28 Days/Weeks Later" und inszenierte nach eigenem Drehbuch ein futuristisches Katastrophenszenario von postapokalyptischem Ausmaße. Anders als bei bereits erwähntem "The Descent" stehen subtiler Horror, psychologische Tiefe und eine ausführliche Charakterzeichnung hier nicht im Vordergrund. Diese Elemente, die "The Descent" ausmachten,  weichen hier einer spektakulären und rauen Zerstörungsorgie.

Die Ausbreitung eines Virus, die Abriegelung von weiten Teilen Englands und der Versuch der Eindämmung ist ganz klar Danny Boyles Horrorfilm "28 Days Later" und deren Fortsetzung entnommen. Doch Neil Marshall geht noch einen Schritt weiter und plündert hemmungslos die Filmgeschichte: Hier ein weiblicher Held mit einer ausweglosen Mission, die an "Die Klapperschlange" erinnert, dort etwas Kannibalismus im Stil bekannter Zombiefilme und der Mittelteil und das Finale erinnern ganz klar an Motive aus "Mad Max" und "Die Armee der Finsternis".

Aus all diesen Zutaten zauberte der Regisseur ein action- und bleihaltiges Werk, dass neben den erwähnten Zitaten eine ordentliche Portion blutiger Effekte und Splatterszenen bietet: von Shoot Outs, bei denen in Nahaufnahme Köpfe wie überreife Melonen zerplatzen, über abgetrennte Gliedmaßen bis hin zum Braten und Verzehren eines lebendigen Menschen spart "Doomsday" weder mit Gewalt noch mit Humor, der sich vielmehr aus den Situationen und den typischen Onelinern ergibt.

Der Film fängt sehr packend an und hält das Tempo auch bis zum Mittelteil durch, so dass kaum Platz bleibt, um die vielen Charaktere genau auszuleuchten. Dies ist dem Film auch nicht negativ anzukreiden, den Marshalls Anliegen war es, seinem Publikum einen unterhaltsamen Mix aus Horror und Action zu servieren - und das ist ihm auch gelungen. Die Actionszenen und Einzelkämpfe sind perfekt inszeniert und choreographiert und auch die Goreszenen können sich sehen lassen, auch wenn der Einsatz von CGIs nicht verleugnet werden kann.

Insgesamt gesehen hat Regisseur Marshall allerdings etwas zu viel an Handlung eingebaut, vor allem im letzten Drittel, das sich stark an "Die Armee der Finsternis" orientiert, sind trotz starker Actioneinlagen die ersten Längen bemerkbar. Auch ist das Szenario mit Kämpfern zu Pferde und in Ritterrüstungen etwas zu sehr übertrieben. Dagegen kann der Handlungsteil mit den wilden Punks und der skurillen Musical-Einlage zum Abendmahl durchaus überzeugen.

Doch wenn vor allem in der finalen halsbrecherischen Autoverfolgungsjagd die Punks  zu den Klängen von "Two Tribes" von Frankie Goes To Hollywood den Angriff auf die Heldin Sinclair starten, erreicht "Doomsday" wieder das Niveau eines  - zugegeben - beinharten, sehr rauen und düsteren Films, der aber bestens unterhält. Mehr sollte man auch nicht erwarten.

6,5 von 10 Punkten!

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