Düstere Zukunftsvisionen und Weltuntergangsszenarien dienen im Kino gern als Kulisse für Action, Spannung und Splatter. Doch hier will der Funke nicht recht überspringen. Man nimmt dem Film das Jahr 2707 nicht ab, da technische Fortschritte offenbar ausgeblieben sind. Auch die Idee, die Welt werde nicht mehr von Staaten, sondern von vier Großkonzernen beherrscht, bleibt letztlich bloße Behauptung. Für die eigentliche Handlung spielt dieser Ansatz fast keine Rolle und wirkt daher wie ein plattes antikapitalistisches Statement.
Ein wirklich schlechter Film ist Mutant Chronicles trotzdem nicht. Die Steampunk-Optik hat ihren Reiz, und auch die Grundidee einer Maschine, die Menschen in Mutanten verwandelt, ist zumindest ordentlich umgesetzt.
Vor allem die Truppe, die zur Zerstörung dieser Maschine ausrückt, besteht aus durchaus unterhaltsamen Figuren. Ron Perlman überzeugt als eigentümliche Mischung aus Kirchenoberhaupt und Einsatzleiter, Benno Fürmann gefällt als blaublütiger Offizier Maximilian von Steiner, der gekonnt auf der Grenze zwischen Sympathie und Unsympathie balanciert. Und mit Devon Aokis mürrischer Killermiene lässt sich in einem simplen Actionfilm ohnehin wenig falsch machen.
Gelegentlich stellt sich sogar so etwas wie Spannung ein, etwa wenn sich das Kommando durch einen Schacht sechzig Stockwerke in die Tiefe abseilen muss, um in das unterirdische Reich der Mutanten und ihrer Maschine vorzudringen.
Deutlich schwächer geraten allerdings die Mutanten selbst. Während die menschlichen Figuren immerhin ein gewisses Profil besitzen, wirken ihre Gegner äußerst einförmig: allesamt zombiehaft entstellte Gestalten mit einer Art Insektenstachel anstelle des rechten Arms. Hier hätte dem Film deutlich mehr Einfallsreichtum gutgetan.
Auch formal bleibt der Eindruck gemischt. Die Spezialeffekte sind stellenweise durchaus solide, an anderer Stelle aber allzu deutlich als Computerarbeit erkennbar, und die Actionchoreografien sind nicht raffiniert genug, um sich dauerhaft einzuprägen.
Zwischen Bruder Samuel und Major Hunter entwickelt sich eine durchaus interessante Dynamik. Wenn Perlman als Kleriker und Thomas Jane als desillusionierter Soldat über Glauben und Gottvertrauen sprechen, gewinnt der Film für Momente eine zusätzliche Ebene. Die christlichen Untertöne sind sicherlich gut gemeint und verleihen dem Ganzen einen Hauch jener Tiefe, die der Film dringend braucht. Allerdings wirken sie in einem Werk, dessen eigentliche Daseinsberechtigung vor allem im blutigen Kampf gegen groteske Kreaturen liegt, auch ein wenig aufgesetzt.
So bleibt Mutant Chronicles am Ende ein Film von mäßiger Qualität: leidlich unterhaltsam für Freunde von Action und Steampunk, insgesamt jedoch kaum mehr als routinierte Genreware, die man ohne größeren Verlust auch ignorieren kann.