Review

Welch unsagbares Grauen der Wörthersee bereits auf unschuldige Fernsehzapper ausübte, dürfte weitestgehend bekannt sein, jedoch hätten die Verantwortlichen der DVD-Veröffentlichung, diesen Film auch ohne Bedenken in ihre ehemalige Astro-Serie „Kultklassiker ungeschnitten“ aufnehmen können. Der ureigenste Überlebensinstinkt sorgt während des Konsumierens dieses Films permanent dafür, dass der Zuschauer unter Miteinflussnahme diverser Fußtritte den DVD-Player liebevoll dazu bewegen möchte, ihn anzuhalten, bevor man überhaupt den ersten rationalen Gedanken fassen kann und man sich einfach nur unter Tränen wünscht, dass dieses verhängnisvolle Stück Filmverbrechen nie die Möglichkeit gehabt hätte, von öffentlichem Publikum angesehen zu werden. Darstellerisch sei zu erwähnen, dass Carell wie immer den dauergrinsenden 70er Jahre Tom Cruise des Heimatfilmes mimt, Richter in seinen oben-ohne-Einstellungen bei eingeblendeter Hotline heutzutage ohne Mühe Nahrungsmittelspenden erhalten würde und Phillip immer unmittelbar vor dem Nervenzusammenbruch spielt, als ob sein Leben von einer noch hektischeren Darstellung seines Charakters, als den vorgespulten Carell- und Richter-Figuren abhängig wäre. Überhaupt weiß die Story um die tollen Tunten generell mit seiner unglaublichen Ausgeklügeltheit immer wieder auch das anspruchvollste Publikum zu überzeugen, wenn der eigentliche Punkt, warum Carell und Richter in Frauenklamotten durch die Gegend rennen eigentlich darin besteht, dass beide Darsteller in dieser...äh... „Schlüsselszene“ in einem Teich freudig vor sich hinplanschen (homoerotische Phantasien zwischen dem Holländer und dem Prähistorischen The-Machinist-Verschnitt bitte ich aus geschmacklichen Gründen an dieser Stelle zu unterbinden), als plötzlich ein der Landwirtschaft zugehöriges Fahrzeug über die Kleidung der im Wasser spielenden Männer fährt. Welch Zufall, es findet sich ein Koffer mit weiblichen Kleidungsstücken, nachdem einige schmerzhaft dämliche "Film-wird-mit-doppelter-Geschwindigkeit-vorgespult"-Witze über dem Zuschauer hereinbrechen, darf das Werk endlich mit seinem Herzstück, nämlich ganz doll lustiger Verwechselungskomik glänzen, welches mit dem zusätzlichem Erscheinen von Zwillingen natürlich ungemein an filmischer Qualität gewinnt. Der Film führt den begeisterten Zuschauer also anfangs in die Welt des Reisebüro-Angestellten Richter und ihn selbst anschliessend inklusive Carell in Frauenklamotten in ein Hotel, welches so etwas wie eine Story vermitteln soll – viel mehr gibt es inhaltlich eigentlich nicht zu erwähnen. Es ist nach einer gewissen Zeit fast schon schmerzhaft, dem grenzdebilem Geschehen zu folgen, da hier die praktisch nicht existierende Story aus unlustigen, niemals zündenden Gags irgendwie zusammengefasst wurde.
Da man es hier ja mit einem Heimatfilm zu tun hat, (leider fehlt ein grossräumiger Berge-Pappaufsteller) dürfen ja auch die Musikantenstadl-Gesangseinlagen unter keinen Umständen fehlen, wovon eine glänzende Musical-Einlage grausamer ist, als die andere. Glücklicherweise unterliegt das Verhältnis gesungener Filmminuten deutlich deren, in welchen einem der anwidernde Frohsinn nicht auf musikalischer Basis dargelegt wird. Unangefochten regiert in diesem Film Schnulzensänger Chris Roberts, wobei allein schon der Auftritt des Meisters mit wehendem Haar, Motorboot fahrend mit seinem Chartbreaker „Du bist nicht mit Gold zu bezahlen“ singend das Highlight des Filmes darstellt. Man bekommt diese minutenlange, psychologische Massenzerstörungswaffe in Form von Roberts’ Songs auch nur schwerlich aus dem Gedächtnis wieder heraus, da die Texte dieser Lieder eigentlich aus einer entlosen Wiederholung des Titels bestehen (Grauenhaft! ).
Wer also ein Geschenk für jemanden sucht, dem man schon immer eins reinwürgen wollte und dabei auf gaaaaaaaaaaanz „lustige“ Geschenke aus dem Karnevals-Shop verzichten möchte, ist mit diesem Klassiker deutscher Unterklassen-Unterhaltung bestens bedient. Ansonsten nur für Fans von Carell und/oder Richter empfehlenswert (sollte es so etwas überhaupt noch geben), oder als Abhärtungsmaßnahme gegenüber schlechten Heimatfilm-Komödien, um vielleicht das nächste Mal etwas weniger apathisch vor sich hinzusabbern, wenn wieder irgendjemand plötzlich „Der Rudi!“ in die Kamera blökt, woraufhin Carell aus dem nächsten Busch gesprungen kommt, um ein heiteres Liedchen anzustimmen - da man ja bereits mit „Wenn die tollen Tanten kommen“ sicherlich einen der unerträglichsten und unlustigsten Carell-Filme überlebt hat und nach der „Ich-war-in-jedem-Krieg“-Philosophie auch einem minder schwerwiegendem Fall gelassener entgegentreten kann.

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