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Larth (Laurent Terzieff) ist ein Archäologe mit dem Schwerpunkt Etrusker. Er sucht seit langer Zeit nach einer verschollenen Königsgruft. Sein Freund Albert (Mario Adorf), ebenfalls Archäologe, unterstützt ihn dabei, auch seine Frau Eleonora (Mimsy Farmer). Allerdings treibt auch der erfolglose Hotelier und Discobesitzer Vasco sein Unwesen, in dem er nämlich Gräber plündert und die Fundstücke verkauft. Bei einem dieser Beutezüge, dieses Mal im Museum, kommt ein Nachtwächter zu Tode und Larth ahnt, wer dahintersteckt. Das Ganze wird noch komplizierter, als Vascos sexy minderjährige Nichte Tanja (Brigitta Boccoli) auftaucht, die Larth fatal an eine etruskische Prinzessin namens Tannia erinnert. Die scharfe Tanja fängt an, den reifen Herren zu verwirren…

Oh Mann, was ein Irrsinn! Flavio Mogherini drehte 1986 in seinem Heimatland Italien dieses wahnsinnig aufregende „Drama“, zum Teil mit normalerweisen guten Schauspielern, aber einem Drehbuch, welches einem die Haare zu Berge stehen lässt. Der Film „La Ragazze dei Lilla“ (Das Lilienmädchen) ist weder Krimi noch Action, sondern ein behäbiges Drama um einen Mann in der Midlife-Crisis, der sich den Avancen einer schönen Teenagerin erwehren muss. Schlimm. Es kommt kein Funken Spannung auf und Larths passive, leidende Ehefrau Eleonora tut ein Übriges, ihn noch unsympathischer erscheinen zu lassen, als es sein Handeln eh schon tut. Bis auf Mario Adorfs Albert sind alle Figuren ausnahmslos unsympathisch und Eyecandy Tanja entpuppt sich am Ende als ganz schön gierig und verschlagen. Wie überraschend!
Der an sich potenziell spannende Background über Grabräuber verpufft ungenutzt und eskaliert am Ende in einer „Actionszene“, die gewissermaßen als Katalysator für alle Figuren wirkt. So weit, so deprimierend. Schlimm ist aber die mühselige Konstruktion einer Verbindung zwischen der realen Tanja und der imaginären Tannia, die etruskische Prinzessin. Vermutlich wurde dies vom Regisseur Mogherini nur kreiert, um noch einen Handlungsstrang zu erzeugen, um dann auf eine quälende Lauflänge von 100 Minuten zu kommen.

Ich gebe zu: Brigitta Boccoli ist umwerfend schön und macht sich oft frei (und sie war nicht wirklich alt bei den Dreharbeiten), aber Lauren Terzieff ist schauspielerisch nicht in der Lage, seine Konflikte auch nur annähernd auszudrücken; somit mahlt er meist auf seinen Kiefern, guckt Fräulein Boccoli ratlos an und ist unfähig, auch nur rudimentär mit seiner Umgebung zu kommunizieren. Auch hier rettet Mario Adorf das Niveau, denn auch Mimsy Farmer guckt nur leidend aus der Wäsche. Dazu dann noch 80er-Synthie-Pop und Schulterpolster, kurzum: „Das blonde Mysterium“ ist in der Tat ein Mysterium: wie konnte so ein Drehbuch realisiert werden?

Der Film ist in Videoqualität bei YouTube erhältlich (mit englischen Hard-Subs), man kann sich also selbst ein Bild davon machen. Mit ganz großer Mühe 3 von 10 Punkten und die gehen zu 90% auf das Konto der bezaubernde Brigitta B….

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