In diesem französischen Film ist der Wurm drin und doch stellt man sich unter reinrassigem Tierhorror etwas anderes vor, als ein paar junge Leute, die durch den Wald laufen, um sich vor auftürmender Erde zu retten.
Die sonstige Mixtur ist allerdings gar nicht so übel, denn im Gegensatz zu amerikanischen Pendants findet man so etwas wie Figurenzeichnungen und charakterliche Entwicklungen.
Man steigt ein in Frankreich, anno 1665: Eine weißgekleidete Frau vernimmt ein glühendes Licht am Himmel und kurz darauf einen Aufprall auf der Erde. Sie flieht, doch das Undefinierbare unter der Erde scheint sie einzuholen. In der Jetztzeit befinden sich Thomas, Yann und Vincent auf dem Weg zu einer Grillparty, als sie an einer Tankstelle unwissentlich den Serienkiller Sebastian aufgabeln. Die drei voraus gefahrenen Mädels sind nicht zu erreichen, als ihr Auto mitten im Wald von der Straße geschleudert wird…
Auch wenn das Cover ein wenig an „Squirm“ angelehnt ist, so wird man als geneigter Genrefan bereits bei der FSK16 Freigabe ein wenig stutzig. Tatsächlich fließt im Verlauf fast kein einziger Tropfen Blut und wer ekelige Szenen mit Schleim und Gewürm erwartet, dürfte ein wenig enttäuscht werden.
Denn dieser Wurm treibt sein Unwesen unter der Erde und fährt allenfalls ein paar Tentakel aus, die bei genauerer Betrachtung zwar nicht so toll gestaltet sind, im steten Halbdunkel aber ihren Zweck erfüllen.
Vielmehr lebt die Geschichte vom munteren und oft humorvollen Zusammenspiel der Charaktere.
Yann der Sprücheklopfer behält innerhalb ungefährlicher Situationen alles im Griff und neckt den Nerd Vincent an allen Ecken und Enden, was sich mit Auftauchen der Bedrohung jedoch fortschreitend ändert. Vincent ist hingegen selbst in prekären Momenten kaum vom Gameboy wegzubekommen und macht erst später eine Entwicklung durch, die ihm zum tapferen Helden werden lässt.
Besonders zynisch gestalten sich die Schlagabtausche mit dem Killer, der nicht durchweg böse ist und für kurze Augenblicke eine überraschend mitfühlende Position bezieht, um im nächsten Moment wieder den Unbarmherzigen zu markieren.
So gefallen auch ohne Dazutun eines sichtbaren Monsters turbulente und gleichermaßen stimmungsvoll eingefangene Szenen, wie das Erklimmen eines Turms, die Sichtung eines Autofriedhofs, das Klettern durch eine Höhle oder der Versuch, einen Polizeihubschrauber auf ihre Spur zu bringen. Das Tempo ist dabei annähernd konstant hoch, Dialogwitz ist durchaus vorzufinden und darstellerisch sind die Leistungen durch die Bank akzeptabel.
Selbst der Score von Richard Sanderson (ja genau, der der in den 80ern die Schnulze „Reality“ sang) ist annehmbar und tricktechnisch sehen die aufgewühlten Erdmassen inklusive umher geschleuderter Autos teilweise nicht schlecht aus.
Vielleicht liegt der positive Unterschied zu den meisten amerikanischen Genrebeiträgen darin, dass man hier nicht so lieblos schlunzt und lebendige Figuren einbindet, die nicht nur übers Dönern und Konsumieren von Drogen sinnieren, sondern in ihrer Entwicklung eine Ambivalenz aufweisen.
Für reine Tierhorrorfreunde ist dies gewiss keine Empfehlung, sondern eher für Zuschauer, denen sympathische Action ohne sichtlichen Aufwand gelegen kommt.
6 von 10