"High School Noir"
Die High School. Ort pubertärer Phantasien, erster Sexual- und Drogenkontakte, feucht fröhlicher Parties, und dumm-dreister Streiche. Dieses in all seinen „Facetten" inzwischen massiv ausgebleichte Bild malen US Teenie-Komödien (und manchmal auch -Dramen) in ermüdend eintöniger und gefühlt jahrzehntelanger Dauerrotation. Da massiert man sich schon mal verwundert die ob solch penetranter Einfallslosigkeit bleischweren Augenlider, wenn es dann doch einmal anders kommt.
Assassination of a High School President (über den dämlichen deutschen Titel Lange Beine, kurze Lügen (und ein Fünkchen Wahrheit ...) breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens) ist ein solch seltenes Pflänzchen. Auf den ersten Blick wirkt alles wie gehabt: ein schüchterner, aber intelligenter Loser begehrt die Schulschönheit, die natürlich mit dem Sportstar der Anstalt liiert ist. Unnötig zu erwähnen, dass dieser mit deutlich mehr Muskel- denn Hirnschmalz gesegnet ist und in etwa so sympathisch wie Nachbars Kampfhund rüberkommt. Aber halt. Dieses vertraute Szenario dient lediglich als Hintergrundmusik für ein gepfeffertes „Noir Dramödchen".
Unser (Anti-)Held ist der angehende Journalismusstar Bobby Funke. Zumindest hält er sich für einen solchen. Seine Chefredakteurin in der Schülerzeitung sieht das allerdings etwas anders, schließlich hat Bobby noch keine Story zu Ende gebracht. Da kommt der Auftrag einen Artikel über den Schülersprecher Paul Moore zu verfassen schon einer letzten Bewährungsprobe (vor dem endgültigen Rausschmiss) gleich. Und Bobby hat Glück. Im Zuge seiner Recherchen klärt er den für die Schule traumatischen Diebstahl der SATs (Eignungstests für das College) auf und entlarvt Paul als den Übeltäter, der mit der Tat seine schlechten Prüfungsergebnisse „verschwinden" lassen wollte. Zur Belohnung spannt er dem Überführten die begehrte Freundin (Francesca Fancini) aus und hat das ersehnte Journalistik-Stipendium so gut wie in der Tasche. Sogar Direktor Kirkpatrick (Bruce Willis) streicht Funke von seiner zementierten Abschussliste.
Doch der schnelle Ruhm scheint ebenso so schnell wieder zu verblassen. Paul überzeugt Bobby, dass er reingelegt wurde. Beider Zukunft steht nun ernsthaft auf dem Spiel. Bei seiner Journalistenehre gepackt, beginnt Bobby den Fall noch mal aufzurollen. Plötzlich verschwimmen die Grenzen zwischen alten und neuen Freunden und der aufstrebende Reporter droht im Intrigensumpf der Schule unterzugehen ...
Es ist nicht nur die durchaus ernsthaft durchgezogene Krimihandlung, die Assassination of a High School President aus dem High-School-Komödien-Einheitsbrei hervorhebt. Auch der durchgängig schwarzhumorige Unterton, die scharfzüngigen Dialoge und der lakonische Erzählstil der Hauptfigur lassen einen weit mehr an Film Noir als an „Film Teen" denken. Bobby Funke ist ein (zugegebenermaßen nicht ganz so) Hard-boiled Detective in einem undurchsichtigen Verschwörungsszenario. Ein Losertyp mit Köpfchen und Biss, der um jeden Preis die Wahrheit ans Licht bringen will. Francesca ist natürlich die unnahbare femme fatale in dem wendungsreichen Spiel. Überhaupt sind viele der handelnden Figuren nicht das, was sie zunächst zu sein scheinen.
Auch visuell verlässt man ausgetrampelte Genrepfade. Ein clever arrangierter Plot und eine feine Figurenzeichnung brauchen keine hektischen Schnitte oder knallbunten Bilder. Hier müssen keine Schwächen übertüncht werden. Das ruhige Erzähltempo und die ebenso ruhige Bildsprache unterscheiden sich wohltuend von den heute offenbar zunehmend als obligatorisch empfundenen Zappel-Sperenzien, wenn man ein jugendliches Publikum erreichen will. Der Film verlässt sich ganz auf seine wendungsreiche Geschichte und seine teilweise skurrilen Charaktere, was auch prächtig funktioniert.
Neben Hauptdarsteller Reece Daniel Thompson - der Bobby Funke gekonnt als Mischung aus einem grüblerisch-abgeklärten Erwachsenen (als Detektiv) und einem unsicher-schüchternem Teenager (als Liebhaber) spielt - hinterlässt vor allem Mischa Barton als undurchsichtige High-School-Queen Fancesca einen nachhaltigen Eindruck. Sie ist gleichzeitig kühl, berechnend, verführerisch, unschuldig und schutzbedürftig. Eine explosive Mischung, die nicht nur für Bobby Funke einer Tretmine gleichkommt.
Und schließlich ist da noch Bruce Willis. Seine Darbietung als Golfkriegserfahrener Schulleiter Kirkpatrick ist trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner wenigen Auftritte das komödiantische Sahnehäubchen. Willis spielt genüsslich mit seinem Image als wortkarger Actionheld und feuert eine wahre Salve an trockenen Sprüchen auf seine eingeschüchterten Schüler ab.
Fazit:
Assassination of a High School President ist lediglich auf den ersten Blick eine weitere Komödie aus der filmisch mehr als ausgelutschten High-School-Welt. Hinter der klassischen Fassade verbirgt sich eine clever arrangierte Krimi-Dramödie, die mit klugem Wortwitz, schwarzem Humor und skurrilen Figuren für beste Unterhaltung sorgt. Lediglich der etwas abrupte Schluss enttäuscht etwas.
Actionstar Bruce Willis beweist zum wiederholten Mal eine gehörige Portion Selbstironie und ist als kriegsversehrter, lakonische Sprüche klopfender Schulleiter das i-Tüpfelchen auf einem Genreübergreifenden Filmspass, der auch für der Schulpflicht Entronnene eine Empfehlung wert ist.
(7,5/10 Punkten)