Viel stärker als noch im aparten Fatal Contact [ 2006 ] kommt die Wirkung des ganzes Werkes von seinen Einzelteilen und dort wiederum von der Ähnlichkeit zu bereits Bestehendem her. Autor, Produzent und Regisseur Dennis Law versteht die Misskunst der Reproduktion, der Imitation im mechanischen Verfahren, die Schöpfung nachgeahmter Gegenstände, die sich zwar mit Gleichnissen und Allegorien bestens auskennen, aber über eine Bildhauerei voller Metaphern in abgeschwächten Strichen und fremder Erfahrungsweise nicht oder nur sehr selten hinauskommen. Eine ornamentale, aber ebenso noch brotlose Kunst ohne Inhalt, die jeglichen Charakter nur aus Anleihe der Verwandtschaft, der Affinität zum vergleichbaren Technischen und der oberflächlichen Fachkenntnisse vorweisen, aber nicht aus der eigenen Seele beziehen kann. Herz, Psyche, Aussageanliegen dahinter, die Anerkennung der Identität, Gleichtakt und Harmonie fehlen.
Viel direkter ist das Bezugsverhältnis hinter dem Schaffen diesmal auch auf Sha Po Lang [ 2005 ] ausgerichtet, das Marketing ging entsprechende Wege und stellte sich wenn schon nicht als Prequel, doch zumindest als Konnex dazu dar; ohne genauere Worte darüber zu verlieren oder gar abseits der offensichtlich zusammenfallenden Besetzung den Vergleich auch offiziell herausfordern, diese Anpassung aber auch nicht gänzlich von sich weisen zu wollen. Übereinstimmende, wesens- oder auch deckungsgleiche Ausgangsideen sind dann auch ebenso vorhanden wie die identische Übernahme mancher konkreter Schlüsselszenen; allerdings speist sich Laws umfangreiches, jedoch einfühlsarm elliptisches Werk auch mindestens gleichwertig aus den Election - Zweiteilern von Johnnie To, nicht nur das arteigen makellose Nachtschwarz hat es ihm ausdrücklich angetan. Die antonyme Mischung dessen, die Variation auseinander strebender, ihrer Natur nach ganz verschiedener Einheiten, der Reiz der vereinfachenden Analogie und die Schöpfung eines scheinbar idealen Bindegliedes durch Vervielfältigung in pragmatischer Bestandsaufnahme zeichnen neben der handwerklichen Beherrschung der Abformung samt klarsichtiger Akzentsetzung die Anziehungs- und letztlich die Umsatzkraft der Produktion aus.
Optisch durch Herman Yaus seit Neuestem qualitätsvoll auserlesene Kameraarbeit mit Routiniertheit, Feinheit, vornehmen Schick eingerichtet, inhaltlich ein von Rost zerfressenes Folterwerkzeug, dass sich in aller Art von Exekution, Martyrium und Tortur ergeht. Man hängt zeit- und ortslos zwischen der Vergangenheit und der Zukunft fest und streift die Gegenwart allerhöchstens im Vorübergehen, von einem anderen Multiversum aus. Flüchtigkeit trifft auf das Dauerhafte und das Festgelegte, ein work in progress Durcheinander aus Alt und Neu, in denen gestandene, ja betagte Recken zur Kulisse verkommen und sich plötzlich mit CGI Simulation herumschlagen müssen:
Gangboss Lin Ho-lung [ Sammo Hung ], Anführer der TT&L, feiert mit seinem jüngeren Bruder Lin Ho-tung [ Simon Yam ] gerade den ersten Monat seines Sohnes, als Senior Inspector Liu Chi-chung [ Danny Lee ] vom Organized Crime and Triad Bureau seine Aufwartung macht. Liu ist zusammen mit seinen Mitarbeitern Janet Liu [ Maggie Siu ], Wong Shu-chor [ Lam Suet ] und Jacky Ho [ Johnny Lu ] seit Jahren hinter der nach Außen hin offiziellen Organisation her, muss allerdings nicht selber die Drecksarbeit erledigen, sondern darf als aktiver Zuschauer im jeweilig günstigen Moment eingreifen. Die Kriminellen stehen unter- und gegeneinander nämlich in einem gangwar [ Der Originaltitel Duo Shai bedeudet capture the flag bzw. seize the leader ]; Lin hat es sowohl mit der Konkurrenz von Flirt Lok [ Tam Bing-man ] als auch Billy [ Kau Chim-Man ] und dem alles Überschauenden Uncle Dee [ Wong Tin-Lam ] zu tun, wofür er verstärkten Maßes die Killer Lok Tin-hung [ Jacky Wu ], Hang [ Jacky Heung ] und Law Ting-fat [ Eddie Cheung ] einsetzt. Als sein weiterer Vertrauter Wu [ Ken Lo ] von der Polizei geschnappt und wegen seinem Wissen gefährlich wird, muss Lin Ho-lung dort ebenso innerhalb seiner Regentschaft agieren wie bei seiner Langzeitverlobten Soso Leung [ Tien Niu ], die mit der Entführung von Geschäftsfreund Tong Lai-yu [ Hui Siu-Hung ] schnell eigenes Geld verdienen will.
Die einst so gefestigte Bündnis wird in alle Seiten zerrissen.
Die Parallelismus-Besetzung ist entsprechend prall gefüllt, nicht nur mit stereotypen Versatzstücken, sondern auch von der Vielzahl der Figuren; Personenkonstellationen sind dicht besiedelt, fast überbelegt, werden oftmals nur angerissen und zusätzlich mit Cameos und anderen sub-par Nebenauftritten erschöpft. Beengend voll bereits die erste Konfrontation von Triaden mit der Polizei, eine offenkundig lang gehegte Feindschaft, die zwar noch mit Warnung und Drohung arbeitet, aber jederzeit kurz vor der Gewaltexplosion steht. Schnelle und gezielte Handgriffe gleich zu Beginn; wie üblich im Genre steht eine Geburtstagsfeier als Alibi für die Eröffnung der Handlung bereit, bei der die Kamera alle Mühe hat, auch jeden der Gesellschaft wenigstens einmal flanierend in Szene einzufangen. Vorher nur noch mit einer Hinrichtung anskizziert, die verallgemeinernd den Ton setzen und die baldig triumphierende Tötungslust vorbereiten soll.
Perspektivismus und Dualismus auf der einen Seite, metadramatisch mytische Hierarchisierung auf der anderen.
Die Themenauswahl liegt tief in der zitierten Gattung verborgen, hier nur noch zu einem Kürzel verkümmert, dass das Schema der Ambivalenz längst verlassen hat. Lins Firma TT&L steht für truthfulness, trust & loyalty; einstmals erhabene Ziele und Motive, hier nur noch ein Deckmantel von und für Etwas, dass für wertvoll gehalten wurde, aber so nicht mehr existiert. Großartige moralische Anstrengungen sind längst zu einer effektlosen Ideologie verwelkt. Genau derselbe Anknüpfungspunkt und damit auch die Vorausbedingung für den bereits glühenden Entstehungsherd wie schon in den gleichgesinnten Werken um 1986/87 herum; zur Blütezeit derartiger Cops VS Robbers Stoffe und zur Hochphase der Karrieren von zumindest Sammo Hung und Danny Lee. Seitdem hat sich buchstäblich gar nichts geändert, die Figuren sind sichtlich älter, aber nicht weiser geworden und haben nur den Status quo gefestigt. Spiegelgleich befindet man sich immer noch in selber Entfernung vom Nullpunkt: 1997, die Übergabe an China, die thematisch immer als drohendes Schreckgespenst und Keimzelle für all Unheil beschworen wurde.
Die gedrängte Prasserei im auch sonst die damaligem Begebenheiten überblendenden Drehbuch kann man dabei nur als ungünstig bezeichnen; nicht einmal wegen der dauerhaften Überproportionalität ohne erkennbare Vorselektion, sondern weil durch den Stapel loser Enden nur eine äußere, aber nicht innere Reichhaltigkeit entsteht und die dargestellte Erfahrungswelt weder plastisch noch präzise genug ist, um die Anhäufung, diese Legion an Darstellern und schütteren Geschichten zu rechtfertigen und über Referenz durch Stillstand hinauszukommen. Es wird nur die Vielfalt, nie die Konkretheit dokumentiert. Sorgfältig ausgeführte Porträts lassen sich trotz einiger Detailaufnahmen komplett missen; wenn es an die Vergegenständlichung in Wort und Bild geht, wird sogar durchgängig zu viel zu unnütz beredet, längere Dialogszenen mit weitem Freiraum verharren grundsätzlich temperamentlos auf der Stelle und schreien betäubte Minuten später noch nach dem rettenden Schnitt oder einer anderweitig beizeitigen Auslese.
Doch es dauert eine Weile, bis die Veranstaltung vom Bühnenhaften ins Kinemorphe überschwenkt, mit Sturm-, Schrot- und Maschinengewehren die Reihen gelichtet, Fußböden und komplette Etagen durch Handgranaten aufgerissen und Autos explosionsartig in der Luft verwirbelt werden. Wenn am Umschlagplatz Hafen ein Drogendeal gesprengt und ganze Straßenzüge unter Beschuss genommen werden, oder wenn die violente Infiltration des Polizeireviers vonstatten geht. Wenn der Regen aus Mensch, Glas, Metall und Gasoline auf die Erde spritzt, siegt dann auch der Hang zum Exzess, zum Schwelgen an der Attraktion, zum Ausreizen in der Materialschlacht.
Doch auch Action Director Nicky Li schafft allein auf weiter Flur mit den bereitgestellten Vorgaben nicht von sich aus die nächste Locknummer oder gar eine Steigerung auf Maximum zu erreichen, die Pausen zwischen dem Anvisieren der kulminierenden Gipfelpunkte sind zu groß, das Motiv dahinter zu nichtig und das Abschweifen in Splatter-Schwertkampf mit mäßigem Computergore oder anderer Misshandlung und Peinigung [ Zähne und Fingernägel ziehen z.b., Gliedmaßen abhaken, Kehlenschnitte ] zu gleichgültig und zu abstoßend zugleich. Quereinsteiger Law, im zweiten Berufsleben gut betuchter geschäftsführender Direktor der Yu Tai Hing Company Ltd, einer florierenden Immobilienwirtschaft, weiß trotz ästhetischer Versiertheit und seinem cineastischen Nachschlagewerk im Kopf leider weder mit dem Stoff noch seinen Stars wirklich etwas anzufangen.
Ein Traumspiel hemdsärmeliger Phantasie und individueller Fehleinschätzungen, dass sich mit Recherche-Charakter an der Synchronisation versucht, aber weder Rhythmus noch die Artikulation noch die Ambition vorweisen kann und zu einem merkwürdig zweischneidigen Bastard allgemeiner Unzufriedenheit herauskristallisiert.