Religiöse Fanatiker sind ja ohnehin schon mal die schlimmsten, wenn die sich dann auch noch in ein großflächiges Naturschutzgebiet in den Weiten amerikanischer Wälder zurückziehen und eine Sekte bilden, sind Bedenken für zivile Urlauber angesagt.
Wenn diese Rednecks aber auch noch Männer kalt machen und Frauen als Gebärmaschinen entführen, kommen alle Zutaten zusammen, die der Genrefreund beim grundsoliden Backwood-Slasher erwartet.
Wenn man das hektisch geschnittene Intro ohne Augenkrebs übersteht, geht es ein wenig los wie beim ähnlich gelagerten „Severance“, denn ein Betriebsausflug in die Einöde ist angesagt.
Die jungen Büromenschen um Adam und Lee sollen beim Paintball ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen, - wie stark ihr Zusammenhalt ist, zeigt sich jedoch erst, als sie auf bewaffnete Hinterwäldler treffen und sich aus deren Fängen befreien müssen…
Doch ja, es reicht für eine flüchtige Figureneinführung, auf dass Adam aufgrund seiner Rationalität auf jeden Fall die Heldenrolle zugespielt wird, die hübsche Lee als Ex des Chefs zumindest eine Überlebenschance erhält und der Großspurige eventuell ein paar seiner Fehler wettmachen könnte. Der bullige Dunkelhäutige dürfte ferner mindestens eine zweite Chance erhalten.
Demgegenüber bilden die Mitglieder der Sekte ebenfalls reinste Klischees, was bei der predigenden Mutter mit wallendem Haar anfängt, über das Oberhaupt geht, welches ein erfahrener Kämpfer als getarnter Ranger ist und einige Deformierte einschließt, wovon einige von Wrestlern verkörpert werden, was definitiv Wirkung zeigt.
Gut besetzt, gute Maske.
Ansonsten wird der Genrefreund eher weniger überrascht. Der übliche Vorlauf schließt Feiern und kleine Zankereien ein, nach rund 40 Minuten das erste Opfer mit Pfeil im Hals (die einzig nennenswerte Blutszene) und anschließendes Weglaufen, Einfangen, Verprügeln, Fliehen und Gegenwehr.
Dabei kommen ein paar nette Landschaftsaufnahmen ebenso zum Einsatz wie verzerrte Perspektiven, der Score schwankt zunächst zwischen Country und Metal, wechselt aber später zu treibenden Sounds, die besonders die Actionszenen gut unterstützen.
Besonders das konstant hohe Tempo lässt einige Mankos im Hintergrund verschwinden, da spielt es keine Rolle, dass Gehirnwäsche innerhalb kürzester Zeit erfolgreich abgeschlossen wird, manche Körper mehrere Kugeln stand halten und ein Aufgespießter die Kontrolle über ein sauber anvisiertes Gewehr behält.
Darstellerisch brauchbar, entwickeln sich rasch Sympathien für die Gejagten, gerade als es den Frauen an den Kragen gehen soll und sich der schmierigste Koloss über sie hermachen will. Auf der anderen Seite springt man nur indirekt auf den immer noch anhaltenden Folterfilmzug auf und hält zu keiner Zeit direkt drauf, als es zu Schlägen und Hieben kommt, - da konzentriert man sich lieber aufs Tempo, was dem Verlauf sichtlich gut tut.
Und so spult man ein Routineprogramm mit allseits bekannten Verlaufsmustern gekonnt ab, indem es keinerlei Hänger gibt, die Kamera effektiv auf Höhe des Geschehens ist und zum Showdown noch mal ordentlich an der Spannungsschraube gedreht wird.
Hier gibt es die obligatorische Tankstelle vorm eigentlichen Ziel genauso wie einen Funkversuch, einen vermeintlich sicheren Schlupfwinkel und das finale Einschreiten einer mächtigen Instanz, wobei auch hier noch nicht das letzte Wort gesprochen scheint.
Keine Offenbarung, aber ein unterhaltsamer Beitrag, der allenfalls inhaltliche Schwächen in Form von Ideenlosigkeit aufweist.
Genrefans können jedoch bedenkenlos zugreifen.
Knapp
7 von 10