Der typische britische Humor, der sich in den letzten Jahren durch Werke wie „Shaun of the Dead“ oder auch „Severance“ offenbarte, kommt mit diesem kleinen Independent-Streifen erneut zur Geltung.
Zwar hat man es mit zwei sehr unterschiedlichen Erzähl-Hälften zu tun, doch beide überzeugen mit ihrem Gespür fürs Wesentliche.
Es geht um eine aufmüpfige Entführte und drei unfähige Entführer: Der dominante David (Andy Serkis), sein zartbesaiteter Bruder Peter (Reece Shearsmith) und ein weiterer Gehilfe haben es nicht leicht mit der vollbusigen Blondine, der Tochter eines Unterweltbosses, welcher bereits seine asiatischen Schergen auf dessen Spur geschickt hat. Doch die Entführung läuft spätestens aus dem Ruder, als man „The Cottage“ verlässt und im menschenverlassenen Nachbarort auf einen deformierten Farmer stößt…
…der natürlich nicht von ungefähr an Leatherface erinnert. Da ist es fast schon ein wenig bedauerlich, wie knallhart es der Unkaputtbare mit den vorher so sympathisch eingeführten Figuren treibt.
Doch während der ersten Hälfte wird zunächst präsentiert, dass eine Entführung kein Kinderspiel darstellt, denn den bösen Wichten unterläuft ein Fehler nach dem anderen.
Da wird eine falsche Maske aufgesetzt, man wird abgelenkt und fängt sich mehrere Kopfnüsse mit anschließendem Nasenbeinbruch und in aller Hektik wird der Komplize im Beisein des Opfers auch schon mal beim Namen genannt.
Besonders während dieser Szenen ist die Gagdichte erfrischend hoch, zumal Serkis angepisster Gesichtsausdruck allein für einige Schmunzler sorgt und auch die Beschimpfungen seitens des vermeintlichen Opfers sind nicht ohne.
Die letzten knapp dreißig Minuten schwenken dann deutlich in Terrorgefilde um, was mit dem Abtrennen eines Fußes einsetzt und sich mit Zuschlagen durch Spitzhacke und Hackebeil fortsetzt.
Da heißt es Weglaufen, Verbarrikadieren und nach Möglichkeiten zur Gegenwehr suchen, auch wenn der Hüne den einen oder anderen Schlag allenfalls mit Schulterzucken quittiert.
Das alte Farmhaus mit seiner makaberen Inneneinrichtung, einer Sammlung diverser Schädel inklusive strahlt eine angemessen kaputte Atmosphäre aus, die nur durch das übertrieben deformierte Gesicht des Monsters getoppt wird.
„Texas Chainsaw Massacre“ mal etwas reduzierter, dafür aber temporeicher und blutiger.
Auf darstellerischer Ebene helfen Serkis und Shearsmith exzellent mit, um den sehr unterschiedlichen Figuren eine markante Note zu verleihen und final mit ihnen zu zittern.
Jennifer Ellison ist als Entführte mit großer Klappe auch ohne Nacktszene im knackigen Körpereinsatz zu bestaunen und setzt vor allem im ersten Drittel Akzente.
Es kommt wohl eher seltener vor, dass man mit den Entführern mehr sympathisiert als mit dem Opfer, wenn dann auch noch der Einsatz eines blutrünstigen Monsters in Menschengestalt ins Haus steht, kommt es gar knüppeldicke.
Ist die erste Hälfte zwar wesentlich witziger und stärker auf Situationskomik ausgelegt, wird es zum Ende hin ein paar Mal ordentlich blutig, wenn auch nie in übertriebener Form.
Ein paar Überraschungen mehr, als nur der erzählerische Bruch hätten gewiss gut getan und auch den Hintergrund des Deformierten hätte man ein wenig genauer durchleuchten können, doch es bleiben knapp 90 Minuten pure Unterhaltung mit erfrischend britischem Humor.
7,5 von 10