Review

Horrorkomödie? – So einfach machen wir es uns nun doch nicht.
Aber von einem sehr ungewöhnlichen Crossover kann man schon mal reden, eine leichte Trottel-Gangster-Comedy, die irgendwann in eine Runde „TCM“ meets „Wrong Turn“ umschlägt.
Damit ist praktisch schon alles gesagt, denn so wenig wie die Welt auf so eine Kombination gewartet hat, so gut passen diese beiden Teile zusammen, ergeben aber einen halbwegs amüsanten, wenn auch uneinheitlichen Film.

Am Anfang steht die Entführung der Stieftochter eines Gangsterbosses. Leider haben sich die Idee zwei seeehr unterschiedliche Brüder und der Stiefbruder des Opfers ausgedacht und die sind eben nicht dazu geeignet, so einen Coup auf die coole Art durchzuziehen. Zwar werden sie des Opfers habhaft, dann aber, in einem abgelegenen Cottage, geraten die Dinge aus den Fugen. Während David ein solider Krimineller ist, der von einem Boot träumt, ist sein bisher unbescholtener Bruder Peter ein unter dem Pantoffel stehender Weichkeks, der ständig auf die Fresse bekommt, am allermeisten von der Geisel. Ungeschick und Dämlichkeit sind eine miese Kombination, da paßt es gut, daß Andrew, der Dritte im Bunde, nicht nur dick und ungeschickt, sondern auch noch langsam ist und gleich zwei chinesische Killer im Schlepptau hat.
So regiert eine Dreiviertelstunde Murphys Law, bis das Blondinchen dann abhaut und alle nach und nach auf der benachbarten Ranch landen, wo ein monströser Farmersmann mit horrormäßiger Collagenfresse alles zerhackt und zersägt, was nicht schnell genug auf der Heide ist – und das sind sie alle nicht...

„The Cottage“ ist alles und nichts. Er ist streckenweise sehr lustig, wenn man sich erstmal an den Loserhumor von Comedian Reese Shearsmith („The League of Gentlemen“) gewöhnt hat und das Gefühl wieder da ist, daß Andy Serkis auch was anderes spielen kann, als Gollum. Es gibt also als Vorspeise eine Runde Pleiten, Pech und Pannen, auch wenn die Häufung und der Aufbau es etwas bemüht aussehen lassen.
In der zweiten Hälfte kippt der Film dann total in ein flottes Farmmassaker um, das praktisch aus dem Nichts kommt, nicht zum Beginn paßt, aber dafür alles zitiert, was wir aus solchen Hinterwäldlerslashern schon kennen, von der Spitzhacke über den Spaten, von der Wirbelsäulenentgrätung bis zur Enthauptung, von den abgehackten Händen im Kühlschrank bis zum dunklen Keller, wo so einiges los ist.

Am überraschendsten daran ist lediglich, mit welcher splattrigen Selbstverständlichkeit hier im letzten Drittel rumgematscht wird, als ginge es darum, alle Funsplatter zu toppen, besonders schön sicher der Tod durch Spaten, der eine Figur die obere Kopfhälfte kostet.
Das kann man sich zu Fish’n Chips prima reinziehen, nur was das alles miteinander zu tun hat, bleibt das Geheimnis des Autoren und Regisseurs, denn auch wenn der Flachsinn erträglich bleibt, haben wir die Pappkameraden hier nicht gern genug, um sie davonkommen zu lassen, finden sie aber auch zu lieb, um sie zu schlachten. Möglicherweise ist das ja die strafende Gerechtigkeit, aber auch der Hackfressenmörder findet nicht unseren ungeteilten Zuspruch – das Genre hat auch so seine Richtlinien und die finden hier keinerlei Entsprechung.

Also kann man es nur als fröhliches Zitatepotpourri abfeiern, als Funsplatter, aber die Klasse eines „Severance“, der auf geschickte Art das Klassensystem in Büros oder Firmen parodierte, wird leider nicht erreicht, dazu bleibt alles zu sehr Collage. Schön blutig, unterhaltsam, aber nicht nachhaltig – für Gorefans wird’s reichen. (6/10)

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