Ja, so kann es einem gehen, in Tinseltown aka Hollywood. Da drückt einem gerade eben jemand den kleinen goldenen Kerl in die Hand und Du denkst, Du bist der größte Schauspieler der Welt, und gefühlt wenige Momente später drehst Du Geronto-Sexszenen mit Helen Mirren oder darfst B-Movies in Hintertranssylvanien machen, unter der Regie von Jungs, deren Namen Du nicht mal aussprechen kannst und die dringend mal ein paar Vokale kaufen müssten. Ich rede natürlich von Sportsfreund Cuba Gooding Jr., der nun offenbar in "Phase B" seiner Karriere angelangt ist - na hoffentlich langen die überschaubaren Paychecks für Billigproduktionen wie diese wenigstens für die Steuern und er landet nicht demnächst in der selben Zelle wie Kollege Snipes.
Vielleicht hatte Gooding beim Lesen des Drehbuchs ja die Illusion, etwas Anspruchvolles zu machen, mit persönlicher Tragik und so, vielen Zeitsprüngen, einem leicht absurden Ende. Er spielt Liam Case, der sich nach dem Tod seiner schwangeren Frau als Müllmann durch das Leben schlägt, als er plötzlich ein kleines Kind vor dem Verbrennen rettet und kurzzeitig zum Held wird. Eine echte Wende ist das aber nicht, denn kurze Zeit später erleben wir ihn als Zeuge eines Banküberfalls, bei dem offenbar etwas nicht stimmt, als Saufkopf in der Kneipe und als Möchtegern-Rächer im Kampf mit einer Gang von Kleinkriminellen.
Wer sich in freier Wildbahn (also außerhalb der Ofdb) als Fan der B-Movie-Schmiede Nu Image outet, dürfte bei cineastischen Gourmets eher als filmischer Grobmotoriker durchgehen. Wer dagegen erzählt, er habe da einen Film gesehen mit einem Oscar-Preisträger und einem zumindest vordergründig komplizierten Plot voller Flashbacks und -forwards über einen Loosertypen, der unter einem Heldenkomplex leidet und einen tragischen Weg geht, könnte schon eher auf Interesse stoßen. So müssen auch die Produzenten des Streifens gedacht haben, die offenbar vom Image des billigen Krawallkinos weg wollten und mal was anderes, gehaltvolleres (aber immer noch preiswertes) machen. Dem ganzen Unterfangen steht allerdings einiges im Wege, in aller erster Linie der Mangel an einem wirklich interessanten Drehbuch und die ganze Dramaturgie: Wenn man schon so etwas im Sinn hat wie einen Guy-Ritchie ohne Humor, sollte man schon ein Drehbuch ordern, dass tatsächlich ein paar Überraschungen bereithält und das die ganze wirre Zeit- und Handlungsspringerei rechtfertigt. Und schlimmer noch: Wenn dann der eh nicht allzu überraschende Plot auch noch zu 95 % auf dem DVD-Cover steht, droht dann doch eine deutliche Verärgerung jedenfalls der legal zahlenden Zuschauer.
Denkt man sich den ganzen inszenatorischen Firlefanz mal weg, verbirgt sich hinter dem Streifen ein altmodisches, nicht allzu actionreiches Revengemovie mit ein paar immerhin bemühten Schauspielern und einem gerade noch passablen Spannungsbogen, der einen wenigstens nicht allzu oft an die Segnungen der DVD wie Vorlauf und Kapitelwechsel denken lässt. Actionfans werden allerdings über weite Strecken bis zum Finale auf eine ziemliche Geduldsprobe gestellt. Während der Autostunt, der Goodings erster Heldentat vorausgeht, als netter Appetithappen durchgehen kann, erleben wir in der Folgezeit nur noch zwei kurze, ziemlich harte Fights, beide allerdings durch eine ziemlich sinnlose Schnitttechnik unnötig zerteilt oder in die Länge gezogen. Erst gegen Ende bietet der Film dann das, weswegen die NI-Fans wohl den DVD-Player angeworfen haben, eine knallige Schießerei. Auch wenn der Mann ohne Vokale auf dem Regiestuhl sein Handwerk hier (und auch im ganzen Film) zumindest ansatzweise versteht - ein wirklicher Burner, wie das neudeutsch heißt, ist auch das Finale nicht. Wenn man bedenkt, welche Maßstäbe ein John Woo schon vor 20 Jahren im Actiongenre gesetzt hat, kann man das leicht steif inszenierte und auch nicht sehr realistische Geballer bestenfalls als "altbacken" bezeichnen. Dass die persönliche Geschichte des Helden am Ende in zwei eher lächerlichen Szenen zu Ende geführt wird, muss man als weiteren klaren Minuspunkt auf die Liste setzen, wo dann nicht mehr wirklich viel Positives steht. Vielleicht noch die Besetzung, zumindest gemessen an dem, was der Club der scheintoten Actors in und aus Osteuropa sonst so abliefert; Gooding gibt sich Mühe, aber echte Tiefe bringt er auch nicht in die schlecht konzipierte Rolle, der man dringend mal einen Besuch beim Psychiater empfehlen möchte.
Wem also könnte der Film gefallen ? Actionfans, die sich ihres Hobbys irgendwie schämen und sich deshalb mit einem Mäntelchen aus (Pseudo-) Anspruch behängen wollen, dabei eine wirre Inszenierung ertragen können, nicht alle fünf Minuten eine wilde Schießerei brauchen, das Cover nicht lesen (wollen oder können) und sich einen Funken Restsympathie für Mr. Gooding bewahrt haben.
Dürften nicht allzuviele sein.