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2008 ging die Bikerserie „Sons of Anarchy“ an den Start und kurz zuvor waren zwei der Hauptdarsteller, Kim Coates und Tommy Flanagan, noch gemeinsam in „Hero Wanted“ zu sehen.
Hauptfigur dieses B-Movies ist allerdings Liam Case (Cuba Gooding Jr.), Müllmann und Witwer, der gleich zweimal zum Helden wird: Zum einen rettet ein Mädchen aus einem Autowrack, das zweite Mal schreitet er heldenhaft bei einem Banküberfall ein. Zu den maskierten Tätern gehört nicht nur sein Kollege Swain (Norman Reedus), sondern auch die Schwerkriminellen Skinner (Kim Coates), Derek (Tommy Flanagan) und Lynch (Steven Kozlwoski) gehören. Passend zu den Ostblockkulissen sind hier weder Held noch Fieslinge sonderlich glamourös, alles kleine Leute, egal ob trauernder Witwer oder Berufsgangster ohne große Ambitionen.
Detective Terry Subcott (Ray Liotta) untersucht den Fall, bei dem die Bankangestellte Kayla (Chrisa Campbell) ins Koma gefallen ist und ist skeptisch, was den Tathergang angeht. Nicht ganz zu Unrecht, wie sich später herausstellt…

Heissa, da hatte man mal Ambitionen unter den direct to video Filmern, was das Regiedebüt von Stunt Coordinator und Second Unit Regisseur Brian Smrz („Iron Man 3“, „This Means War“) anging. Flott wurden Anteile von Drama, Action und Thriller durch den Mixer gedreht, wobei gerade der gewollt gefühlvolle Anteil des Films nur bedingt funktionieren mag: Liam mag zwar ein wenig um die tote Gattin trauern und mit guten Absichten in einen bösen Schlamassel geraten, ist als Figur aber doch zu oberflächlich und leider auch uninteressant um da wirklich noch jemanden hinterm Sofa vor zu locken. Wenn dann das gerettete Kind, das noch Kontakt zu Liam hat, sich seltsam anhimmelnd über ihn äußert, dann bekommt der Film zudem einen ziemlich unangenehmen Pädo-Unterton, auch wenn dieser vermutlich nicht intendiert war.
Wo der Film und seine beiden Drehbuchautoren dafür gänzlich schuldig machen, das ist im Drehbuchbereich. Verschachtelt und in Rückblenden wird der Plot erzählt, Twists werden aufgetischt und der Zuschauer soll überrascht werden, doch je mehr die non-lineare Erzählstruktur sich abrackert, desto bemühter wirkt sie. Noch dazu sind all diesen Mühen im Endeffekt kaum gerechtfertigt: im Grunde genommen ist der Plot eine recht simple Vergeltungsgeschichte, oft lahm erzählt und auch von der Motivation der Figuren her nicht immer nachvollziehbar, hier halt nur unnötig kompliziert dargebracht.

Tadellos, für ein B-Movie sogar auffallend gut ist die Kameraarbeit des Films, die vor allem im actionreichen Finale gut zum Tragen kommt. Tatsächlich läuft der Film hier zu seiner besten Form auf, die aber immer noch nur gehobenen B-Standard bietet. Immerhin: Schick gefilmt und recht blutig ist die Abschlussballerei des sonst eher actionarmen Films durchaus geraten, doch das reicht einfach noch nicht zu einem Highlight auf dem Videomarkt.
Cuba Gooding Jr. ist, wie später oft („Wrong Turn at Tahoe“, „The Hit List“, „One in the Chamber“), in einer noirig angehauchten Hauptrolle zu sehen, der glanzlos, aber routiniert absolviert, während eher der Supportcast positiv auffällt. Ray Liotta dominiert seine wenigen Szenen mit Ausstrahlung, Kim Coates, Tommy Flanagan und Norman Reedus dürfen ebenfalls begrenzt punkten, obwohl sie in ihren jeweiligen, einige Zeit später startenden Serien („Sons of Anarchy“ und „The Walking Dead“) dann dankbarere Parts bekommen.

Für eine weitere Regiearbeit hat es bei Brian Smrz nach „Hero Wanted“ nicht mehr gereicht, was angesichts des handwerklichen Talents, das in der Kameraarbeit und im Actionfinale durchscheint, etwas schade ist. Für einen potentiellen weiteren Versuch sei ihm aber angeraten, dann doch lieber ein Drehbuch zu wählen, das nicht ganz so pseudo-gewitzt, lahm und unspannend daherkommt – dies bricht „Hero Wanted“ nämlich trotz seiner Meriten das Genick.

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